WALLS OF JERICHO Interview

Im Rahmen der PERSISTENCE TOUR hatten wir die Gelegenheit ein paar Worte mit Aaron Ruby, dem Bassisten von WALLS OF JERICHO, zu wechseln. Lest hier ein Interview über das Leben auf Tour und wie Aaron die letzte Seite des Internets gefunden hat.

Aaron, vielen Dank für dieses Interview, magst du Dich uns einmal kurz vorstellen? Auch was du vielleicht neben dem Job als Musiker machst?

Hi, ich bin Aaron, Bassist bei WALLS OF JERICHO, neben der Musik bin ich noch seit zwanzig Jahren Tattowierer, und habe seit zwei Jahren mein eigenes Tattoo-Studio in Plymouth Michigan, Nähe Detroit.

Eure Band ist seit Ende der Neunziger Vorbild für viele junge Leute und Bands, habt ihr heute noch Vorbilder?

Na klar, zum Beipiel Mike von Suicidal [Tendencies], er ist seit Jahren mein Vorbild. Auch wenn wir durch die Musik mittlerweile Freunde sind, heißt es nicht, dass sich das ändert. Er ist ein großartiger und cleverer Typ und ein guter Freund. Als Jugendlicher kannte man die Leute nicht, lediglich nur durch die Musik, Interviews, Videos oder was man sonst noch in die Hände bekam. Doch ich habe die Erfahrung gemacht, dass die meist noch cooler sind, wenn man sie dann persönlich kennt. Nur Wenige von denen ich ein Fan war sind eher so lala… die meisten sind aber großartig und unglaublich nett.

Wie bringst du dein Privatleben mit dem Leben als Musiker in Einklang. Bleibt da neben Touren, Proben, Songs schreiben, Alben aufnehmen etc. überhaupt noch Zeit?

Deine Annahmen in dieser Frage sind grundweg falsch. Insbesondere auf Tour gibt es nichts, was du mehr hast als Zeit. Wenn es hochkommt muss ich maximal zwei Stunden am Tag für die Tour arbeiten und da bleibt viel Zeit. Den Rest der Zeit machst du was du willst, zu Hause anrufen oder was geschäftliches erledigen. Es ist nicht so stressig, wie man vermutet. Und wenn du zu Hause bist, dann übst du auch nicht die ganze Zeit, da du ja auch nicht dauernd auf Tour bist. Wir haben schon immer Musik gemacht, also müssen wir nur vor den Touren ein paar Tagen üben und somit leidet die Familie kaum darunter.

Wie viele Wochen tourt ihr?

Mittlerweile fünf bis sechs Wochen pro Jahr, das ist nicht viel, früher war es mehr. Das Business hat sich geändert, wir haben uns geändert und dazu kommt, dass wir jetzt Familie etc. haben. Man nimmt sich weniger Zeit für die Musik, und ist nicht mehr scharf darauf dauernd unterwegs zu sein, doch die Passion für die Musik ist immer noch da.

Wenn ihr soviel Zeit auf Tour habt, habt ihr dann die Chance hier und da Euch die Städte anzugucken in denen ihr spielt?

Nein, normalerweise machen wir das, aber diesmal nicht, da wir teil der geplanten Tour sind. Normalerweise machen wir unseren eigenen Tourplan, wenn wir unabhängig sind schauen wir uns alles an, worauf wir Bock haben. Wenn wir an cooolen Orten vorbeikommen, sehen wir zu, dass wir die auch zu sehen bekommen. Wir kommen seit 2003 mind. 2 mal pro Jahr nach Europa und hatten viel Zeit uns Sachen anzuschauen und entdecken immer wieder neue Orte, selbst in Städten in denen wir schon fünfmal waren.

Wenn ihr mit so einer großen Tour unterwegs seid, zwölf Tage mit so vielen Bands, so vielen Leuten, nervt Euch das nicht?

Nein das finden wir nicht schlimm, wir sehen das ganz professionell. Wenn du auf Tour gehst, dann weißt du zum Beispiel, dass du mit einem Haufen Leuten in einen Bus gepfercht wirst. Wir wissen einfach was auf uns zukommt, du weißt dass Leute betrunken sein werden, dass sie ihre Getränke über dich verschütten, dass sie stinken und schwitzen und ihre verschwitzten Sachen auf deine schmeißen. So läuft das Tourleben eben. Da muss man cool bleiben und es muss schon viel passieren, dass man da die Coolness verliert. Ich glaube wir haben in den ganzen Jahren nur zwei drei Situationen gehabt bei denen wir ernsthaft genervt waren. Im Grunde ist das aber alles halb so wild.

Wie spielt man denn eine Show oder Tour weiter, wenn man von Leuten wirklich genervt ist oder es Stress gab, vielleicht sogar mit Leuten aus der eigenen Band?

Über die Jahre lernt man damit umzugehen. Selbst wenn man angepisst ist und es ist Zeit rauszugehen und zu spielen, dann spielt man einfach. Auf der Bühne ist das alles vergessen. Das ist übrigens mit allen Dingen so. Schau dir Ozzy Osbourne an, der kann eigentlich gar nicht mehr laufen, wenn er aber auf der Bühne steht hat er das vergessen. Wir hatten einige wenige Touren die unangenehm waren, wo man sich nicht mit den anderen Bands angefreundet hat und die Stimmung angespannt war. Das war schon hart, aber hinterher kannst du darüber lachen. Du musst halt die Professionalität wahren, denn egal mit was für Arschlöchern du unterwegs bist, draußen stehen immer Kids die für die Show bezahlt haben und die sollen das nicht ausbaden.

Gibt es irgendetwas Nerviges im Tourleben, auf das du gerne verzichten könntest, es aber einfach dazugehört?

Wenn ich so überlege, dann ist es das ewige Rumsitzen auf Tour. Wir haben in der Vergangeheit immer versucht uns eine Beschäftigung zu suchen, waren zum Beispiel in Fitness Studios oder so, aber das war auch nicht sonderlich erfüllend auf Dauer. Ich habe auf Tour zum Beipspiel das Tattowieren für mich entdeckt. Das hat mir auf den Touren lange geholfen, doch mittlerweile denke ich, wieso soll ich auf Tour noch Tattowieren, ich mach das ja schließlich schon die ganz Zeit, wenn ich nicht auf Tour bin. Aus Langeweile kann man sich heute immerhin noch durchs Internet klicken, allerdings habe ich nun gerade heute gerade die letzte Seite gefunden. Ich würde gerne auf diese unproduktive Zeit verzichten.

Was macht eine Show für Euch besonders?

Es ist cool, wenn man als Band an einem Ort kommt, wo vorher keine oder kaum eine andere Hardcore Band gespielt hat und spielen wird. Wir hatten in der Vergangenheit da mal einen coolen Lauf. Wir waren in den Top-3 der Hardcore Bands, die an eher abgelegenen Orten gespielt hat. Zum Beispiel in Sardinien, vor uns waren lediglich Hatebreed und Sick of it All mal dort. Im Großen und Ganzen waren es Hatebreed, Sick of it All, Madball und wir, die ungewöhnliche Orte bereist haben und in vielen Orten die Ersten waren, insbesondere zum Beispiel in Südamerika. Es ist ziemlich cool, einer der ersten zu sein und zu sehen wie die Szene auch in so unscheinbaren Orten wächst. Das Publikum dort ist so aufgeregt und hungrig, das ist wahnsinnig cool.

Hier in Mitteleuropa ist die Szene ja recht groß, wie sieht es in Osteuropa aus? Wart ihr da schon oft und wo?

Ja, wir waren zum Beipiel jetzt gerade in Polen und sonst auch in der Ukraine oder in Russland. Das war immer großartig. Insbesondere in Russland zu spielen ist immer etwas besonderes. Wenn man überlegt, unsere Generation kennt noch den Eisernen Vorhang und man hätte nie gedacht, jemals das Land besuchen zu können und heute wird man eingeladen dort eine Show zu spielen. Das ist ziemlich cool.

Eine letzte Frage noch. Ist es nicht eigentlich nervig von der Presse immer wieder die gleichen dummen Fragen gestellt zu bekommen?

Nein würde ich nicht sagen. Die Meisten, die uns interviewen, sind Leute die mit der Szene oder uns gut vertraut sind und ein wahres Interesse haben und nicht einfach nur ihren Job machen. Sie sind engagiert, passioniert und auch emotional mit der Szene und der Musik verbunden. Hin und wieder kommt mal einer der nur trocken seine Fragen stellt und offensichtlich keinen ernsthaften Bezug zu der Musik hat, aber auch das ist ok. Meine Aufgabe ist es die Antworten zu geben, egal wie die Fragen sind.

Vielen Dank Aaron für deine Zeit und viel Erfolg für die Show gleich!