16142773_1037986866305703_8333323869606132564_nHeathen Rock Festival

Datum: 18.02.2017
Location: Rieckhof Harburg

Die Festivalsaison ist eröffnet! Zumindest, wenn die Indoor Festivals auch zählen. Bei kühlem Wetter und ebenso kühlem Met würde sich der ein oder andere Heide sicher auch draußen recht wohlfühlen, aber im Harburger Rieckhof ist es dann doch gemütlicher. Kleine Notiz am Rande: Die Barrierefreiheit des Rieckhofs ermöglicht vielen Fans mit Rollstuhl die uneingeschränkte Teilnahme am Festival. Hier schonmal ein großes Plus! Die altbekannten Stände stehen, die Technik ist an ihrem Platz und gut eingewiesen. Von der Organisation her (zumindest aus den Augen eines einfachen Fans) ist hier schonmal alles top. Kurz umgeschaut, ein kleines Frühstücksbier geschnappt, und schon geht es los.

Frühmorgens um 11:45 eröffnen BEATRAY das HEATHEN ROCK mit ihrem leicht von Metallica beeinflussten Metal. Es versammeln sich die ersten Leute vor der Bühne, und es bleibt vorerst bei leichtem Kopfnicken zum Rythmus. Zum richtigen Headbangen fehlt wohl noch die Motivation. Dabei hat es die Musik wirklich drauf. „Black Master“, als eine sehr emotionale Ballade *hust* vorgestellter Song bringt Stimmung in den frühen Morgenstunden. Mit „Breaking Through These Chains“ wird noch ein Song vom neuen Album vorgestellt, dann ist die Spielzeit auch schon wieder rum.

„Unchristliche Musik zu unchristlicher Uhrzeit“, so stellen sich STRYDEGOR vor. Der Rieckhof hat sich ein wenig gefüllt. Es gibt zwar noch keine kollektive, ausgelassene Stimmung, aber einige wenige Besucher scheinen das im Alleingang wieder ausgleichen zu wollen, und feiern zu „Fight For Decay“ und „Throughout The Darkness“ kräftig mit. <> Zum Schluss gibt es noch „The Final Judgement Day“

MONOLITH stehen als nächstes auf der Bühne und geben gleich so richtig Vollgas. Die Bremer werden vom publikum gut aufgenommen und so langsam füllen sich nicht nur die Ränge des Rieckhofs, der ähnlich einem amphitheater aufgebaut ist, sondern auch der Platz direkt vor der Bühne. Nach einem gefühlt viel zu kurzem Auftritt verlassen die vier die Bühne wieder und machen Platz für den internationalen Act des Tages.

WELICORUSS geben hier ihr neuntes Konzert in diesem Jahr – von insgesamt 81! Wer die sibirischen Heiden verpasst hat, muss sich also keine Sorgen machen. Bühnenoutfit und Musik der symphonischen Black Metaller passen perfekt zum HEATHEN ROCK und werden von den Fans dementsprechend gefeiert. Flöte und Keyboard verleihen der Musik schöne Akzente, leider kommen diese Instrumente hier nur vom Band. Einerseits verständlich, andererseits auch schade. Das Mitmachen fällt ein wenig schwer, aber Sänger Alexey motiviert das Publikum ordentlich. Spätestens bei „Outsider“ sind alle am Headbangen.

Gerade noch über das mangelnde Keyboard genörgelt, und schon steht eins auf der Bühne. Aber diesmal liefert es auch mehr als nur ein paar Akzente. MOONCRY stechen im Line Up durch ihrem symphonisch / melodischen Metal heraus. Das Mitmachen fällt dabei ein wenig schwer, aber zuhören und die Musik genießen umso leichter.Die Band ist auf den ersten Ton symphatisch und die Band absolviert einen soliden Auftritt auf dem Fest.

Der Abend kommt näher, die Leute werden lustiger und THRUDVANGAR sagen passenderweise: „Ihr müsst mehr eskalieren!“ Gesagt – getan. Die Leute neben mir Stagediven – nicht von der Bühne, sondern zur Bühne hin. Ungestört davon schauen zwei Leute vor mir Fußball auf ihrem Handy – da hat wohl jemand das Prinzip „gratis W-Lan auf dem Heathen Rock“ nicht verstanden. Die Stimmung ist ausgelassen und Songs wie „Piraten des Norden“ passen perfekt zum Festival und zu den Fans. THRUDVANGAR lassen es sich dementsprechend auch nicht nehmen, den halben Rieckhof zu zerlegen und gehen ordentlich ab. Irgendwer muss es dem Publikum ja vormachen, zum Glück mit Erfolg.

Die relativ kurzfristig eingesprungenen UNLIGHT sind wenig später auf der Bühne und stechen mit ihrem Black Metal nicht gerade aus dem Programm. Die Fans sehen das offenbar ähnlich, denn auch hier ist die Halle brechend voll und es wird gefeiert was das Zeug hält. Bier und Met fließen in Strömen die Kehlen runter und es wird der Musik von UNLIGHT „gelauscht“.

Die nächste Band beschrieb mir ein Freund wie folgt: „Sie sind alt und ihnen ist alles scheiß egal“. Es geht natürlich um NITROGODS! Die Herren bringen mit ihrem Oldschool Rock ordentlich Stimmung in den Rieckhof. Zu Songs wie „Lyp Sync Star“, „Take It To The Highway“ und „Damn Right“ (Motörhead lassen grüßen) kann einfach keiner stillstehen, dem ein bißchen Rock’n’Roll durch die Adern fließt. Die Menge feiert, die Band hat Spaß. Drummer Klaus tauscht zwischendurch seine Drums gegen eine Bierflasche ein, und gibt dem Publikum ein Bierflaschen-Solo. Für den Spaßfaktor gibt es auf jeden Fall eine 1+ mit Sternchen! Und noch eine Weisheit zum Schluss: „Ab 3,3 Promille ist man schuldunfähig!“

Wem das jetzt alles zu unheidnisch war, der bekommt bei FINSTERFORST alles, was das Herz begehrt. Wie gewohnt ganz in weiß treten die Pagan Metaller und Schwarzwald-Fanatiker auf die Bühne. Euphorische Fans, der erste Moshpit des Abends und sehr viel wehendes Haar bestimmen das Bild. Mal ein wenig Richtung Black, mal ein wenig Richtung Humppa, mal alles auf einmal bekommt die feiernde Meute geboten. FINSTERFORST gestaltet ihren Auftritt wirklich sehr abwechslungsreich. Für ein paar Lacher wird gesorgt und auch ordentlich gefeiert. FINSTERFORST sind definitiv eines der Highlights des Abends und später beim Meet&Greet stellt sich heraus: Die Typen sind nicht nur geil auf der Bühne, sondern auch sagenhaft nette Leute. Viele Bands gibt es immerhin nicht, bei denen sich der Basser komplett aus dem nichts einen vollen Plastikbecher Bier in das Gesicht haut.

CREMATORY sind für viele das absolute Highlight des Tages, für viele jedoch auch das absolute Gegenteil wie es scheint. Der Saal leert sich recht schnell und CREMATORY wirken ein wenig demotiviert, aber solide wie sonst auch zocken sie ihr Set durch und lassen sich von nichts beirren. Verdient auf jeden FAll, denn die Show ist super und die treuen Fans vor der Bühne geben ordentlich Gas. Ein paar zu viele Ansagen für meinen Geschmack aber jeder wie er mag.

Fazit: Der Konzertmarathon hat den Titel „Festival“ wirklich verdient! Ein klares Konzept mit Fokus, der nicht zu enstirnig ist, gut organisiert und mit bester Stimmung den ganzen Tag über, auch abseits der Bühne. Die Crew scheint hochmotiviert und immer freundlich. Egal womit ein Fan gerade um die Ecke kommt, die Heathen Rock Crew hilft und gibt Auskunft. Versucht mal auf Wacken einen netten Security zu finden, der steht direkt neben dem Wegweiser nach Atlantis….. Die einzigen zwei Frage, die man sich im Nachhinein stellen muss, sind: „Wie schafft es ein so super organisiertes und hochkarätiges Festival so preiswert zu sein?“ und „Behalte ich das einsame Bändchen am Arm jetzt 3 Monate, bis zum nächsten Festival, oder schneide ich es ab?..“