THE SOULSCAPE PROJECT - Liberation

618178Gerne: Post Black Metal
Label: Independent
Veröffentlichung: 19.08.2017
Bewertung: 7/10 (sehr gut)

Facebook

Dass Musik dazu imstande ist, den Zuhörer Zeit und Ort vergessen zu lassen, ja sogar in komplett andere Welten zu entsenden, dürfte wohl jedem klar sein, der sich intensiv mit Musik auseinandersetzt. So können nicht nur Gefühle hervorgerufen, sondern auch Landschaften vor dem inneren Auge kreiert werden. Genau das haben sich THE SOULSCAPE PROJECT als Ziel festgesetzt: Die Fantasie des Zuhörers regelrecht beflügeln.

Mit ihrem ersten Album „Liberation“ präsentieren die Musiker eine experimentelle, dunkelbunte Klangkulisse auf. Denn das Fundament dieser Scheibe ist unverkennbar der Black Metal, doch durch die vielen anderen Einflüsse muss man vor die Gernebezeichung noch ein „Post“ setzen.

Auf den ersten Blick fällt auf, dass die Spielzeiten der einzelnen Lieder nicht wirklich aufeinander abgestimmt sind. Von knapp zwei bis 17 Minuten ist einiges dabei. Das Album wird von einem sehr sphärischen, instrumentalen Lied eingeleitet, welches durchaus Lust auf mehr macht. Danach geht es mit atmosphärischem Black Metal weiter, der teilweise an Ghost Bath erinnert, wenn der Gesang das erste Mal einsetzt. „Departer“ ist eines der längeren Stücke, die dementsprechend verschiedene Passagen enthalten. In der Mitte findet sich ein ruhiger, recht verträumter Teil, der die Metalkomponente für einen kurzen Augenblick rausnimmt. Gegen Ende wird der Hörer mit einem Abschnitt überrascht, der auf Elementen aus Smooth Jazz und Lounge basiert. Obwohl das natürlich eine interessante Wahl ist, wird der Zuhörer hier aus seinem Gedankengang gerissen.

„Isolation“ ist eine Art Interludium aus urbanen Geräuschen wie Schritten im Treppenhaus, Fernsehgezappe, Autos, die mit wenigen Instrumenten leicht untermalt werden. Zum Ende hinaus wird ein Übergang zum nächsten Song „Whitehaven“ gebildet. Dieser enthält wieder viel Black Metal, hier ist vor allem die Gitarrenarbeit sehr hervorzuheben, die wunderbare Melodien zaubert und das Lied quasi leitet. Der Song ist melodisch gehalten, weshalb hier ein wenig Verträumtheit und Melancholie hervorkommt.

Zum Schluss bleibt das Mammutlied „The Old House By The Sea“. In den knapp 17 Minuten greifen die Musiker nochmals in die Experimentierkiste. Die Lyrics werden teils erzählt, teils gesungen. Neben einem kurzen an Thrash angelehnten Part, fiel mir persönlich hier eine große gesangliche Nähe zu Mikko Kotamäki (Swallow the Sun; insbesondere das Lied „Labyrinth of London“) auf. Außerdem ist auch noch ein wunderschöner Klavierteil enthalten und das Ende des überlangen Songs wird durch Meeresrauschen, passend zum Titel, eingeleitet.

Man erkennt also, dass THE SOULSCAPE PROJECT keine Inspiration ignorieren, egal ob diese aus dem Metalbereich kommt oder nicht. Der Albumtitel lässt sich durchaus so interpretieren, dass sich die Formation von Gernegrenzen und –bestimmungen befreien möchte. Das ist nun vielleicht nicht so gut gelungen, da die Black Metal Komponente dann doch zu prominent ist. Die Produktion des Albums ist auf einem guten, soliden Niveau, doch leider sind einige Übergänge sowohl in den Liedern als auch von Lied zu Lied nicht immer sauber, was den Hörgenuss stören kann. Für Musikfans, die experimentierfreudige Musiker begrüßen, ist dieses Album auf jeden Fall zu empfehlen, denn einige Geräuschkulissen sind interessant gewählt und verarbeitet worden. Ob nun der gewünschte Effekt, Landschaften jeglicher Art im Geiste des Zuhörers entstehen zu lassen, muss dieser jeweils für sich selbst entscheiden.