CHONTARAZ – Rondamauh (Review)

Chontaraz - Rondamauh COVER_2 Genre: Heavy/Dark Metal
 Label: Mighty Music
 Veröffentlichung: 24.03.2017
 Bewertung: Bombe (9/10)
 Facebook:

Wenn eine Band, von der ich noch nie im Leben was gehört oder gelesen habe, ihren eigenen Stil als „post-apocalyptic“ beschreibt und mit ´ner Sci-Fi-Story um die Ecke kommt, die im Jahr 2068 spielen soll, wenn die Rede ist von einer eigenen, neuen Sprache, die teilweise in die Songs eingebaut wurde und wenn noch dazu theatralische Live-Shows angepriesen werden, dann denke ich für gewöhnlich: Nein danke, ist nicht meins!

Nichts gegen Endzeit-Szenarien á la Terminator oder Mad Max. Das sind Klassiker, großartig und wichtig. Aber im Metal kann sowas auch mal ganz schnell in die Hose gehen, albern und extrem kitschig sein. So auch mein erster Gedanke, als ich „Rondamauh“, das Debüt der Norweger CHONTARAZ, auf den Tisch bekam.

Da lag ich aber mal sowas von daneben! „Rondamauh“ ist absolut geiler Scheiß! Vom ersten bis zum letzten Ton packender, mitreißender (Dark) Heavy Metal, hart und schwer, treibend, zugleich episch und hymnisch. 41 Minuten lang großes Hartwurst-Kino mit massig Melodien und Refrains, die hervorragend in Ohr und Hirn gehen und dort auch bleiben.

Meist im treibenden Mid-Tempo gehalten mit vereinzelt schnelle(re)n Passagen, stets wohl dosiert und nachvollziehbar, kredenzen die fünf Kerle aus der norwegischen Ortschaft Hell (kein Witz!!!) sehr modernen Metal mit elektronischen Einschüben und Soundschnipseln, die ich persönlich zwar nicht bräuchte, die jedoch auch nicht stören – im Gegenteil. Kein ätzender Synthesizer-Bombast, sondern clevere Akzente. Der Gothic-Anstrich sorgt für das gewisse Etwas.

Das gut 4-minütige „Eyrusalem“ eröffnet den Reigen. Kein langatmiges Intro, sondern direkt mal klarmachen, wohin die Reise geht. Anfängliches Rabengekrächze wird bald abgelöst vom kraftvollen Hass-Gesang Chontaraz´, Namenspate seiner Kombo. Stimme und Stil erinnern stark an Nils Patrik Johansson von den Astral Doors. Was als Kompliment zu verstehen ist! Denn Chontaraz hat es echt drauf. Wucht, Wut, Epic, alles vorhanden. Der Sänger ist für mich das ganz klare Highlight einer Platte, die keinerlei Schwächen hat. Song für Song zeigen die Skandinavier, was sie können. Full Power!

Bis plötzlich „Deciphering the Code“ ganz andere Töne anschlägt. Wirkt der Track im allerersten Moment noch wie ein Fremdkörper, ohne flirrende Gitarren, ohne wummernden Bass und scheppernde Drums, kommt die viereinhalbminütige Verschnaufpause eigentlich doch sehr gelegen. Kaum verklingt der balladeske Electrogoth, donnert einem schon der nächste Stampfer in Gestalt des bärenstarken „Mindcrime“ entgegen. Wie sich gesunde Härte, geile Rhythmik und der überragende, süchtig machende Gesang hier schon wieder die Klinke in die Hand geben, macht einfach nur ne Menge Spaß.

Das darauf folgende „Plebeians“ ist ein wütender Ritt, Hassbrocken und Drohung zugleich, aggressiv, dabei aber hochmelodisch wie alles, was die Jungens hier zum Besten geben. Der Rausschmeißer „Lycarion“ gönnt sich und dem Hörer schlappe 15 Sekunden Akklimatisierung in Form eines ruhigen Intros, bevor es direkt mit dem Schlag in die Fresse weitergeht. Hier wird ein letztes Mal alles geboten, was dieses Album zu ´ner Platte macht, die man hören kann, wenn man ´nen beschissenen Tag hatte, aber auch, wenn man mit ´nem guten Kumpel zu Hause mal ne Kiste Bier saufen und die Nackenmuskulatur testen will (und nicht zwingend auf Thrash steht).

Chontaraz, vielen Dank für diese positive Überraschung. Wenn moderner Metal so klingt, dann bitte mehr davon!

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s