TOXPACK – Schall & Rausch (Review)

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 Genre: Streetcore
 Label: Napalm Records
 Veröffentlichung: 31.03.2017
 Bewertung: Heavy! (10/10)
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Ist es eine gute Idee, ein Album-Review von jemandem schreiben zu lassen, der selbst erklärter Fan der zu kritisierenden Kombo ist? Der die Band zigmal live gesehen hat, aus der ersten und der letzten Reihe, mal nüchtern, mal sturzbesoffen? Rosarote Fanbrille? Mir doch egal! Ich mach´s trotzdem.

Wie ein kleines Kind auf den Weihnachtsabend hab ich mich seit Monaten auf das brandneue Toxpack-Album gefreut. Ganz sicher bin ich nicht annähernd so objektiv wie vielleicht jemand, der noch nie was von diesen Straßenkötern gehört hat. Aber nachdem das letzte, zugegebenermaßen sehr gute Album „Friss!“ erstaunlicherweise bei mir einfach nicht so schnell und nachhaltig zünden wollte wie die genialen Vorgänger „Epidemie“ und „Bastarde von morgen“, meine beiden bisherigen Favs der Ostberliner, war ich extrem gespannt und vorfreudig auf den nächsten Schweinerockauswurf.

„Friss!“, 2014 erschienen, war erneut ein Album wie aus einem Guss, melodisch, nach vorne gehend und intelligenter als die allermeisten Ergüsse der borstigen Mitbewerber. Kluge Texte und packendes Songwriting sind seit jeher Markenzeichen der Rabauken um Gitarrist Tommi Tox und Schreihals Schulle. Keine billigen Asi-Parolen, kein stumpfes Gröhl-Einerlei. Diese räudigen Typen haben schon immer ne fette Schippe mehr auf der Pfanne gehabt als der Rest vom Schützenfest. So hatte halt auch „Friss!“ seine geilen Momente, war oft genug Soundtrack meiner Feierabende. Ohnehin ist die Toxpack-Mucke nicht nur Vollgasgebretter und Arschtreter, sondern kann in melancholischen Songs auch derbe ins Herz stechen.

Aber irgendwas, mir war lange nicht klar was, irgendwas hat mir persönlich gefehlt auf dem letzten Silberling. Oder war – ganz im Gegenteil – zu viel? Zu viele Gangshouts? Zu offensichtliche Massentauglichkeit? Zu sauber?

Nun, nachdem ich die brandneue Wuchtbrumme „Schall & Rausch“ ein paarmal gehört habe, ist mir alles klar: Es ist der ROTZ! Der ist zurück, wird einem auf der aktuellen Langrille der fünf Streetcore-Helden permanent entgegengeschleudert. Der Bass klingt dreckig(er), geht ins Gedärm. Die Gitarren sind Killer, Soli auf´n Punkt, gerade lang genug, um noch ´nen ordentlichen Schluck aus der Sterni-Pulle zu nehmen. Ein Schlagzeug (die Snare… alter Schwede, geil!), das der präzise und knallharte Herzschlag einer Platte und einer Band ist, die noch was vor hat, hier, jetzt und in der Zukunft.

„Schall & Rausch“ ist harscher Punk´n Roll mit Metal-Versatzstücken. Jeder Song ein Volltreffer. Kurzes Intro und schon geht´s los mit ´Kommerz (Die Geier kreisen weiter)´. Ein erstes Ausrufezeichen, alles drin, alles dran. Typisch Toxpack. Dichte, warme, aber transparente Hochwert-Produktion.´Auf alte Tage´, ´In Trümmern´, ´Komm mit mir´… ach, was soll ich denn hier im Einzelnen herausgreifen?! Alles Kracher ohne Wenn und Aber. ´Unbelehrbar´ spricht mir zutiefst aus der Seele, genau wie ´Alles auf Anfang´, das den finalen vollen Track (16 Titel inklusive In- und Outro) markiert.

Toxpack wissen ganz genau, was sie wollen, liefern Musik wie einen Schlag in die Fresse (des Establishments, der Satten und Gewissenlosen). Songs, die in Mark und Bein gehen, dabei aber auch zum Nachdenken anregen, vielleicht auch zum Umdenken. Es wird zu nichts geringerem aufgerufen als zur Revolution (´Bis zum letzten Ton´) und eingeladen zum fröhlichen Miteinander: „In meinem Kopf da toben Kriege, Sex & Suff & wilde Spiele“ (´Willkommen im Club´). Diese sympathischen Bastarde gehen ihren Weg – und werden in dieser bestechenden Form hoffentlich noch lange bestehen.

Wer die wilden Kerle schon mal live erleben durfte, weiß, wie sie abgehen. Man bekommt ordentlich den Frack voll. Punks, Skins, Hardcoreler und Metalheads liegen sich in den Armen. Positive Energie von der Bühne über´s Volk und zurück. Den aggressiven Künstlern ist mit „Schall & Rausch“ ein Meisterwerk gelungen. Die Szeneverwandtschaft darf anerkennend staunen, der Siegeszug durch Clubs, Hallen und über Festivalbühnen ist gewiss!