KORN + HSB + HELLYEAH – Hamburg / Alsterdorfer Sporthalle – 27.03.2017korn

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Niemand mag Montage, es sei denn es findet ein interessantes Konzert statt. Und wenn man sich diese ungewönliche Line-Up Kombination anschaut, dann kann es nur interessant werden. Wie zum Teufel kommt man darauf ein KORN Konzert zu planen und HEAVEN SHALL BURN in das Vorprogramm zu packen? Fans der Thüringer können vermutlich etwas mit dem Nu-Metal Monster anfangen, aber umgekehrt? Wohl nur bedingt… aber soviel zur Theorie, hier kommt die Praxis:

Am Montagabend pilgern unzählige Hamburger zur Alsterdorfer Sporthalle um sich dieses kuriose Dreigespann zu geben. Im Gegensatz zu vielen anderen Konzerten war die Halle schon vor Beginn des ersten Acts gut gefüllt, und das, obwohl dieses Mal sogar die Ränge geöffnet waren. Bei einem Fassungsvermögen von grob 7.000 Menschen eine gehörige Menge. Man darf aber auch nicht vergessen, dass mit HELLYEAH als Opener bereits absolute Metal-Schwergewichte auf der Bühne stehen. Zum einen Vinnie Paul, ehemaliges Mitglied von PANTERA und DAMAGEPLAN und ganz nebenbei noch Bruder von Dimebag Darrel. Außerdem ist der Sänger von HELLYEAH niemand Geringeres als Chad Gray, ehemaliger Frontmann der Ausnahme-Band MUDVAYNE.

Als alte Hasen starten sie routiniert ihr 30-minütiges Set, haben allerdings die ersten zehn Minuten arge Probleme eine Regung aus dem Publikum hervorzulocken. Ein bisschen Klatschen, ein bisschen Jubeln, das wars. Doch die Jungs haben in den letzten Jahrzehnten ihre Hausaufgaben gemacht und wissen daher, wie man an den richtige Stellschrauben dreht um die Sporthalle ab der Mitte des Set richtig auf Touren zu bringen. Mit ihren Über-Hymnen „Human“ und „Startariot“ beenden sie ihren kurzen Auftritt, aber sorgen für eine adäquate Betriebstemperatur im Publikum.

Nach einer kurzen Umbauphase ragt nun ein riesiger Berg hinten an der Bühne hervor, darüber prangt der Schriftzug von HEAVEN SHALL BURN. Die Thüringer lassen auch nicht lange auf sich warten und prügeln ihren Song „Hunters Will Be Hunted“ in die hungrige Menge. Der ein oder andere KORN-Fan, insbesondere auf den Rängen, guckt erstmal sparsam nach diesem krassen musikalischen Umschwung, doch die Halle tobt. Meine oben angesprochene Theorie geht also nicht in der Summe auf, wie anfänglich befürchtet. Weiter geht es unter anderem mit Songs wie „Bring the War Home“, „Counterweight“, „Voice of the Voiceless“ und „The Omen“, zu denen Circle-Pits und die ein oder andere Wall of Death zelebriert werden. Den traditionellen Gänsehaut-Moment gibt es beim Intro des Songs „Endzeit“, der eine der absoluten Live-Säulen der Band ist. Das Finale bestreitet man mit „Black Tears“ und beschert diesem 45-minütigem, melodischen Geprügel ein ehrenhaftes Ende.

Nach diesen zwei Hochkarätern wird es Zeit für den eigentlichen Hauptact des Abends. Wie bei vielen großen Bands zu erleben, dauert der Umbau und die Phase zwischen Umbau und Beginn ewig lange. Keine Ahnung, was die da immer so lange machen. Noch ein Nickerchen? Zu Ende dinieren? Noch ein bisschen Physio? Der Unmut über die Wartezeit verfällt aber schlagartig mit dem Erlischen des Lichtes in der Halle. Die Truppe um Jonathan Davis haut zu Beginn mit „Right Now“ und “ Here to Stay“ zwei fette Klassiker raus. Ein bisschen übermächtig ist heute das Schlagzeug, welches ein wenig den Gesang überlagert. Gitarren- und Basssound sind dagegen erwartungsgemäß fett. Was nun folgt sind eineinhalb Stunden grooviger Nu-Metal. Der Schwerpunkt liegt heute auf der Zeitspanne um die Jahrtausendwende und so gibt es unter Anderem noch „Somebody Someone“,  „Y’all Want a Single“, „Make Me Bad“  und „Blind“ zu hören. Bei „Coming Undone“ bauen sie noch kurzerhand eine Strophe von QUEENs „We Will Rock You“ ein und bei „Shoots and Ladders“ wird der Dudelsack ausgepackt. Die Menge vor der Bühne springt, singt und feiert die Pioniere des Nu-Metals, welche sichtlich Bock haben und ordentlich mit dem Publikum interagieren. Am Ende gibt es noch die Klassiker „Falling Away From Me“ und „Freak on a Leash“. Rundum ein gelungener Abend mit einer bemerkenswerten und sehr gut funktionierenden Bandkombination. So etwas hätte ich dann gerne wieder mal.