HIDEOUS DIVINITY - Adveniens
Hideouse Divinity - AdveniensGenre: Technical / Brutal Death Metal
Label: Unique Leader
Veröffentlichung: 28.04.2017
Bewertung: Bombe (9/10)

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Man war ich aus dem Häuschen, als mir vor einigen Monaten ein Bandkollege die Band HIDEOUS DIVINITY im Auto vorgespielt hatte, als wir gerade auf dem Nachhauseweg von der Bandprobe waren. Alter wir hätten fast einen Unfall gebaut, weil die Musik auf dem bis dato aktuellen Album „Cobra Verde“ so aggressiv und kompromisslos war, dass ich ins Lenkrad gebissen habe. Umso mehr war ich aus dem Häuschen, als die Italiener Anfang des Jahres bekannt gaben, dass eine neue Scheibe auf dem Weg ist. Es ist wie Weihnachten, nur halt um Ostern herum. Am 28 April ist es soweit, dann könnt ihr euch die Platte holen und euren Häuserblock niederreisen.

Ähnlich zum Vorgängeralbum gibts es 9 hyper-ultimative Zerlegungstracks die sich zwischen 3 und  knapp 8 Minuten bewegen ohne Gefangene zu nehmen. Eingeläutet wird das Album mit dem Track „Ages Die“. Nach einem kurzen Sampler wird direkt gezeigt wo der Hammer hängt. Fast genau eine Minute lang wird auf dem Schlagzeug alles verprügelt, was in Reichweite ist, sodass man sich schon fast fragt, ob die Jungs für jeden Track ein neues Schlagzeug aufbauen mussten, weil das gerade bespielte in der Notaufnahme liegt. Hut ab Herr Galati! Die Gitarren und der Bass brauchen sich aber nicht verstecken und geben richtig Kette. Tremolo-Picking ohne Ende sowie Pitch-Harmonics und mächtige Oktaven bauen eine Wand zusammen, bei der selbst Donald Trump neidisch wird. Spieltechnisch, sowie von der Konzipierung der Riffs, sind wir hier echt in der 1. Bundesliga. Mein Gesicht zieht sich langsam zusammen, als ob mich jemand am Zopf ziehen würde und sofort habe ich das Jens-Kidman-Meshuggah-Gesicht und headbange meditativ zum Beat, was nebenbei gesagt bei dem Tempo (~240 bpm) nicht ganz frei vom Risiko ist morgen einen Physiotherapeuten aufsuchen zu müssen. Noch ist kein Ton vom Sänger Enrico „H.“ Di Lorenzo zu hören, aber keine Sorge! Der gute Enrico lauert schon hinter der Ecke und zieht uns gleich mit seinem erbarmungslosen Höllen-Pöbeln die idiotische Meshuggah-Miene samt Gesichtshaut vom Kopf. Nach einer Minute ist es soweit und Enrico ergreift die knapp 1 Sekündige Pause der Stille um auf den 240-bmp schnell fahrenden Panzer aufzuspringen und ihm die Richtung zu weisen. Die Band ist komplett und und walzt alles nieder, was im Weg steht. Die Produktion ist echt massiv und schnittig. Im Mix sitzt alles an der richtigen Stelle… wie bei einer Radlerhose. Schon beim Durchhören des ersten Songs kann ich sagen, dass es für die Produktion und den Sound volle Punktezahl mit Ehrenband und Urkunde gibt (und eine Teddybär-Stempel auf die Rückhand!). Hier haben die Jungs um Stefano Morabito im ’16th Cellar Studio‘, wo auch schon HOUR OF PENANCE und FLESHGOD APOCALYPSE aufgenommen hatten, erstklassige Arbeit geleistet. Ich bin echt froh, dass ich mir vor dem Durchhöhren noch nicht die Fingernägel abgekaut habe, weil ich mich sonst bei dieser Druckwelle nicht hätte am Schreibtisch festkrallen können.

Es folgen acht Tracks, die trotz ihrer Komplexität nicht überfordern und es dennoch schaffen Atmosphäre zu erzeugen. So rollt der Panzer sogar an einigen Stellen wie z.B. zu Beginn bei Track sieben „Messianica“ durch den Black-Metal-Wald und lässt Black-Metaller wie verdutzte Präriehunde den vorbeirauschenden Panzer anstarren. Natürlich lassen es sich die Herren nicht nehmen, mal das ein oder andere Gitaren-Solo einzustreuen, wie bei Track fünf „Feeding Off The Blind“. Diese sind jedoch überwiegend melodisch und untermalen die aktuelle Atmosphäre und sind nicht durchgängig technisches Abgewixxe zur Selbstdarstellung, was das Ganze sehr symphatisch macht und die Sache abrundet.

Trotz des musikalisch komplexen Materials überzeugen die Tracks durch eine gelungene Abwechslung aus atmosphärischen, groovigen und stumpf ballernden Parts, die technisch einwandfrei abgeliefert werden und durch die Produktion in einem beeindruckend massiven Kampfharnisch daherkommen. Da muss man auch nicht böse sein, dass man beim ersten Durchhören keinen Ohrwurm hat. Aber aus meiner Erfahrung mit dem Vorgängeralbum weiß ich, dass dies mit der Zeit kommen wird. Wer also auf technischen, brutalen Death Metal steht, der klopft mit diesem Album an die richtige Tür. Und wer es nicht abwarten kann, bis die Platte endlich da ist, darf sich schonmal mit zwei Tracks vergnügen, die die Band schon veröffentlicht hat. Dazu sei hier der Verweis auf das Gesichtsbuch gegeben.