EVIL CINDERELLA – Dangerous Inside (Review)

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Genre: Hard Rock/Heavy Metal
Label: Eigenproduktion
Veröffentlichung: 19.11.2016
Bewertung: Bombe (9/10)
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Melodische, von den Übervätern der Szene (Priest, Maiden, Saxon) inspirierte Metalbands gibt es dieser Tage wie den sprichwörtlichen Sand am Meer. In letzter Zeit konnte man sogar das Gefühl bekommen, es seien zu viele, man verliere regelrecht den Überblick. Zu beliebig, zu austauschbar und dadurch nicht selten verzichtbar muten viele der neuen Acts an.

Mit jeder weiteren, aus dem Nichts erscheinenden Spandexhosen-Kombo, die versucht, wie ein Klon der eigenen Helden zu klingen und auszusehen, kann man sich auch fragen, ob überhaupt und wenn ja welche Zukunft diese Szene haben kann. Denn – wie beim Eintopf, der mit jedem Mal Aufwärmen besser schmeckt, aber irgendwann gar nicht mehr, weil man sich dran überfressen hat – so öden einen mit der Zeit halt auch die immer gleichen Kopien von Klassikern an, die als ewige Bestmarken in Stein gemeißelt eh nicht erreicht oder gar übertroffen werden können.

Mehr oder weniger unbemerkt scheint nun im nordrhein-westfälischen Wuppertal eine Nachwuchstruppe heranzureifen, die zwar ebenfalls „vertraut“ klingt, die ebenfalls das Rad nicht neu erfindet und auch die Stromgitarrenmusik nicht, die aber das Potenzial besitzt, den klassischen, echten, unverfälschten Heavy Metal in die Zukunft zu transportieren.

Evil Cinderella, vier blutjunge, kurzhaarige Lederjackenträger, haben uns mit der EP „Dangerous Inside“ eine Appetit auf sehr viel mehr machende Feinkostplatte kredenzt, deren Zutaten jedem Fan von Hook-/Refrain-orientierter Ohren-Kost vom ersten bis zum letzten Ton schmecken wird. Die (leider nur) knapp über 23 Minuten ear candy in Gestalt von 5 packenden, abwechslungsreichen Songs, manchmal eher Hard Rock als Metal, wurden überaus fett (eigen!)produziert und wissen mit warmem, organischem und differenziertem Sound zu begeistern.

Was die einzelnen Tracks besonders auszeichnet, ist das intelligente Songwriting. Evil Cinderella experimentieren nicht, verzetteln sich nicht in pseudo-künstlerischen Möchtegernkonstrukten, sondern holen mit ihren stets nachvollziehbaren Aufbauten jeden Traditionsmetaller ab. Da wird zwischendrin immer mal auf die Bremse getreten, um dann direkt wieder nach vorn zu argumentieren. So bekommen 5-Minüter Spannungsbögen, die glücklich und süchtig machen.

Die Rhytmusfraktion groovt hervorragend auf die allesamt geilen Refrains hin, das klingt frisch und routiniert zugleich. Coole Bassläufe, locker-flockiges Drumming – da wippt das alte Holzbein ganz von selbst. Zweistimmige Leadgitarren, nie selbstverliebt, sondern akzentuierend eingesetzt, wo sie Sinn machen, anstatt zu nerven, verpflichten den verdutzten Hörer unweigerlich zum Gebrauch der frisch gestimmten heimischen Luftgitarre. Goldkehle Henrik leistet fabelhafte Arbeit. Nicht ein falscher Ton, immer exakt so viel Pathos, wie nötig. Große Klasse! Man hat beim Genuss des Dargebrachten zwar oft das Gefühl, sowas schon so ähnlich gehört zu haben, jedoch in letzter Zeit selten so gut.

Der Spirit der goldenen Achtziger lauert bei Evil Cinderella an jeder Ecke. Stimmungsaufheller wie „Day by Day“ und der EP-Titeltrack gehören im nahenden Sommer zu jeder Grillparty mit guten Freunden und kaltem Bier, die Halbballade „Without a chance to fight“ funktioniert dann etwas später auch am Lagerfeuer. Ähnlich wie die großartigen Night Demon oder die Senkrechtstarter Monument machen auch die Jungs aus dem Bergischen Land keinen Hehl aus ihren Vorlieben. Dieser Silberling, den sich schnellstens jeder Fan hochmelodischer Qualitätsmucke zulegen sollte, verneigt sich vor den alten Helden, ist als eine Art Liebeserklärung zu verstehen.

Bleibt nur zu wünschen, dass möglichst bald ein komplettes Album dieser Hoffnungsträger in Angriff genommen wird. Schon jetzt sollten aber die Festivalmacher aus nah und fern einen Slot für Evil Cinderella bereithalten.

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