THE HAUNTED & SYNDEMIC – Hamburg 03.04.

Die schwedische Melodic/Thrash Metal Offensive THE HAUNTED haben sich am

Montag den 03.04.17 zur Aufgabe gemacht, Hamburg vom Logo aus dem Erdboden
gleich zu machen. Mit Freuden durfte ich Zeuge dieses gnadenlosen Vorhabens

werden.

Opener des Abends waren SYNDEMIC, eine schon etwas bekanntere Hamburger Band.
Nicht zuletzt bekannt, weil sie letztes Jahr für Deutschland auf dem Wacken Metal Battle
vertreten waren.
Unverschnörkelt, ohne Intro oder Sonstiges betraten sie die Bühne und starteten
ihr Set vor einem halbvollen Clubpublikum. Ihre Mucke bewegt sich irgendwo
zwischen atmosphärischem Groovemetal und modernen Deathmetal der Streckenweise
auch sehr technisch und vielseitig ist.
Ihre Songs wechseln oftmals zwischen den Genres und Einflüssen hin und her,
sodass ein zuerst schneller Song nach kurzer Zeit in atmosphärische, im Mid-
Tempo angesiedelte Melodic und Grooveparts mündet. Ihre Vielseitigkeit machte es
SYNDEMIC allerdings auch schwer das Publikum für sich zu gewinnen.
Erst ab dem dritten Song „Perished In Times“ kann das Publikum, welches
inzwischen merklich gewachsen ist, gecatched und zum Bewegen animiert werden. Kurz vor Schluss ist der Funke dann komplett übergesprungen. Fazit: Technisch und
musikalisch einwandfrei, aber irgendwie nicht catchy und stumpf genug um für
eine Band wie THE HAUNTED zu eröffnen. Nichtsdestotrotz haben die Hamburger
gut abgeliefert.
Nach einer kurzen Umbaupause (erlebte Längenangabe: 4 Kippen und ein Bier)
begannen THE HAUNTED das Logo Stück für Stück zu zerlegen. Das Set hämmerte wie
ein „Best Of“ der Band vom ersten bis zum letzten Song auf meine Fontanelle ein.
Eröffnet wurde mit „No Compromise“ und „99“, beides Songs vom Peter Dolving
Album „Revolver“. Es war sehr interessant die Songs mit dem wiedergewonnenen
Sänger Marco Aro zu hören und festzustellen, dass der Junge einfach zu jedem THE HAUNTED Song killer klingt. Das Publikum ist direkt am Start und feiert die Band
ab, als ob es kein morgen gäbe. Oder um einfach zu feiern, dass der
schrecklichste Wochentag von allen endlich ein Ende hat.
THE HAUNTED treiben das Publikum metzelnd durch alle Alben der Bandgeschichte
(mit der Ausnahme von „Versus“ und „Unseen“). Zum Song „Time Will Not Heal“ muss
sich auch Sänger Marco Aro eingestehen, dass das aktuelle Album „Exit Wounds“
nun vom Alter her doch eher einem Gebrauchtwagen von Ford ähnelt, als einem
neuen Audi. Aber jeder im Publikum weiß, auch mit einem alten Ford lässt sich so
mancher Türsteher überfahren.
Und so wird auch folglich weiter verfahren. „D.O.A.“ ist, wie so häufig, der einzige Song der unterbewerteten „One Kill Wonder“ Scheibe, den The Haunted live zum besten geben. Stampfend wird gebolzt wie der Papst im Kettenhemd. Der einminütige Steißbeinbrecher „My Enemy“ läutet das letzte Viertel des Sets ein. „Eye Of The Storm“ und der Klassiker vom Debüt-Album „In Vain“ brettern auf den „letzten Song“ des Abends („The Guilt Trip“) zu.
Jeder im Publikum weiß, dass das Set nicht komplett ist ohne „Bury Your Dead“
und „Hate Song“. Mit „Dark Intentions“ (dem Intro der „The Haunted Made Me Do
It“) läuten die Schweden genau diese beiden Songs ein, vergleichbar mit dem
Drücken auf den Aktivierungsschalter eines Stromstuhls: der absolute Exitus.
Unterstrichen wird es durch Herrn Aro, der sich aus Spaß an der Freude mit dem
Mikrophon die Stirn ruckartig blutig massiert. Einfach großartig!
Zum Ende der Show bedankt sich die Band beim Publikum via Handshakes, lässt
Selfies mit sich machen und ist sichtlich erfreut über den hammermäßigen Gig und

das motivierte Publikum.

Fazit: THE HAUNTED haben mal wieder bewiesen, was für eine absolute Livemacht
sie sind. Vor allem, seitdem die Band sich umformierte und nach dem Ausstieg von
3 Mitgliedern (Jensen, Dolving, Björler) wieder einen krassen Energieschub
verbuchen konnte. Fannah, witzig und absolut tight präsentierten sich hier die
Herren und ich kann es kaum erwarten das nächste Album auf den Trommelfellen zu
spüren. Heavy