NEMUS – Wald - Mensch
Nemus - Wald - Mensch - coverGenre: Ambient Black Metal
Label: SoundAge Productions
Veröffentlichung: April 2017
Bewertung: 7/10 (sehr gut)

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Mit einem Blick auf das impressionistisch, fast pointilistische handgemalte Cover fasst das Album der Ein-Mann-Band bereits recht gut das neu- und eigenartige Konzept zusammen: Zu sehen ist ein menschliches nacktes Zwitterwesen, das mit dem Baum, der ihn umfängt, verwächst, ins Dunkle gezogen wird. Er scheint sich nicht zu wehren und sich seinem grausamen Schicksal zu ergeben – eine recht düstere, aber doch in Hinblick auf das Ende jeden Wesens, einleuchtende Vorstellung. Die Songs beschreiben die immer weitere Verschmelzung des Menschen mit der Natur und dessen Gefühlswelt dabei – von rein neutral-beschreibend über trauernd-melancholisch bis hin zur Verzweiflung über seinen eigenen Untergang, gegen Ende bittet der Waldmensch den Baum „Lass mich sterben“. Die uralte Aufforderung „Zurück zur Natur“ ist hier textlich definitiv bis ins kleinste Detail gelungen, der Umgang mit der Umwelt in heutiger Zeit ja eh ein brisant aktuelles Thema. Musikalisch bewegt sich das ganze zwischen akustischen Interludien auf dem Keyboard und Gitarren, wenig Bass, unterlegt mit Waldesrauschen, Flussgeplätscher und Vogelgezwitscher, was recht kontemplativ, aber nicht belanglos daherkommt, und Midtempo-Passagen mit treibenden Gitarrenriffs, die einfach, aber eingängig sind. Nur an wenigen Stellen gibt es ein paar Blastbeat-Anleihen in typischer Black Metal-Manier zu hören. Im Vordergrund steht aber ganz klar der Gesang des 22-jährigen Bambergers, der zwar gekrächzt, aber deutlich verständlich präsentiert ist, so dass tatsächlich die Lyrics zu verstehen sind. Diese sind poetisch, aber nicht chiffriert, was den atmosphärischen Charakter des Albums hervorhebt. Allerdings muss man gestehen, dass dieser leider wenig variabel und zuweilen etwas langweilig geraten ist, dafür dass er in den meisten Songs sehr im Vordergrund steht – ein kleiner Wermutstropfen in einem sonst gelungenen Erstlingswerk. Besonders ragt der Song „Lass mich wachsen“ heraus, der durch eingängige, geradlinige Melodien besticht, der Refrain ist gut untergebracht in den treibenden Riffs des immerhin nur Ein-Mann-Projekts. Der Sound ist für ein in Eigenregie produziertes Album im Gegensatz zur typischen Norweger-Black-Metal-Manier recht klar und nicht dünn gelungen, auf die Höhen konzentriert, was die Melodien in den Vordergrund rückt. Alles in allem ist das Album sicher eher für einen wolkigen, grauen Sonntagnachmittag auf der Couch geschrieben (vielleicht auch für einen Pfadfinderausflug á la Blairwitch Project) als als Muntermacher auf dem Weg zur Arbeit – was aber natürlich nicht negativ ist: Wer verbringt schon nicht gern seine Freizeit gemütlich auf der Couch mit dem Blick auf den friedlich-düsteren Wald vor dem Fenster?!

Iris

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