NINJASPY - Spüken (Review)
Ninjaspy - SpükenGenre: Experimental Rock/Metal
Label: Self-Release
Veröffentlichung: 14.04.2017
Bewertung: Bombe (9/10)

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Es mag bestimmt mehreren Leuten genauso wie mir gehen, wenn sie das Wort „experimentell“ hören. Grade im Bezug auf Musik, hat man da plötzlich ein Bild von Musikern vor Augen, die irgendwie in ihrer eigenen Welt leben, die für alles, was man in ein Instrument umfunktionieren kann, eine Verwendung finden und mehr mit ihren eigenen Gedanken beschäftigt scheinen als mit anderen Dingen. Das ist auch völlig in Ordnung, nur das Ergebnis primär selten massentauglich.

NINJASPY wiederum sind ein solides Trio aus Kanada, die genau wissen was sie machen und wo sie damit hin wollen. Auf eine sehr experimentelle Weise, die hier und da an SYSTEM OF A DOWN oder auch MESHUGGAH erinnert, verpaaren sie alle möglichen Stilrichtungen, aus denen hübsche Hybriden werden, die aber keineswegs nach Labor klingen, sondern eben wie von echten Eltern.

Außerdem wissen die Jungs sehr gut, wie man sein Potential einsetzt, ohne von vornherein preiszugeben, wie viel von diesem Potential überhaupt vorhanden ist. Genauso fängt auch das Album an. „Speak“ begrüßt zuerst mit einem reggae-geprägtem Verse, bis sie dann im Chorus das Brett auspacken und angefangen wird loszuklöppeln.  Zwischendurch wird es zudem noch progressiv, allerdings nicht zu anspruchsvoll, was wiederum dann doch zu viel des Guten wäre. Eine gesunde Mischung also, die man sich sorglos auf einmal geben kann ohne zwischendurch eine Pause zu benötigen.

Beim weiteren hören beschleicht mich das Gefühl, als hätte die Band die Reihenfolge und Anzahl der verschiedenen Genres für jeden ihrer Songs gewürfelt, denn es passiert nicht selten, dass man innerhalb von sagen wir mal 30 Sekunden durch gefühlte zehn Stile gescheucht wird. Ob da aber wirklich Würfel im Spiel waren oder einfach nur ein außergewöhnlicher Instinkt (bei solch interessanten Hybrid-Kindern müssen die Eltern schließlich irgendwie besonders sein), weiß ich nicht. Glücklicherweise sind die Übergänge alles andere als holprig, was nicht ganz so einfach gewesen sein dürfte, wenn man Sachen wie Ska mit brachialem Metal verbinden will.

Schnell wird klar, dass das Wort „Breakdown“ hier ernst genommen wird und gefühlt wird alles zerstört was nur geht und noch mehr. Langeweile scheint im Wortschatz der Jungs nicht zu existieren und sie scheuen sich nicht, auch mal eine gewöhnliche Ballade einzubauen. Gut, anzudeuten wäre an dieser Stelle eine deutlich bessere Beschreibung dessen, was sich hier abspielt. „Grip The Cage“ tarnt sich für kurze anderthalb Mintuten um sich dann in ein sanftes Geschredder zu verwandeln. Zu guter Letzt gibt’s noch eine Prise Jazz, die den Song komplett macht.

Nicht wie bei manch anderen Bands liegt hier der Fokus auf den Gitarren und auf dem Gesang, während die Rythmusgruppe zurück gelassen wird und nur die notwendige aber doch lästige Begleitung spielt. Sondern ganz im Gegenteil gehen die Drums einher mit dem Bass, der zum einen gute, jedoch nie 0815 Grundlagen für die Gitarre schafft, zum anderen auch mal in den Vordergrund rückt und das Gesamtbild an einigen Stellen so ergänzt, dass sie ohne ihn deutlich weniger charakteristisch wären.

Meiner Meinung nach, könnten die Drums zwar klarer und differenzierter klingen, da grade die Becken und die Snare dazu tendieren unterzugehen, dafür passt wiederum der Gesang zu 100% dahin, wo er sich befindet, nämlich genau zwischen allem anderen und ist wirklich Teil der Band anstatt auf einem Silbertablett darüber zu schweben.

„Spüken“ ist ein sehr gelungenes Album, das viele Überraschungen verbirgt und mit jedem Song wird immer noch eins drauf gesetzt, als würde sich die Band immer wieder selbst davon überzeugen wollen, dass sie noch mehr abgefuckten Shit kreieren können. Das mag vielleicht nicht für jeden etwas sein, aber die Experimentierfreudigen unter uns werden damit sicherlich ihren Spaß haben und nicht mehr so einfach davon loskommen könne, denn selbst wenn man beim ersten Hören sehr genau verfolgt was alles passiert, braucht es seine Zeit, bis man alles entdeckt hat. Wie ein guter Wein braucht auch dieses Album Luft zum atmen.