LIFE OF AGONY – A Place Where There’s No More Pain
LOA CoverGenre: Rock/Metal
Label: Napalm Records
Veröffentlichung: 28.04.2017
Bewertung: Sehr gut (7/10)

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Wow, LIFE OF AGONY, ein wahrlich großer Name einer Band, die in den 90ern und in meiner Jugend die Rock- und Metal-Szene mitbestimmte. Die Erwartungen an das fünfte Album nach 12 Jahren Wartezeit sind also mehr als hoch. Für mich damals überragend und absoluter Maßstab ist das Album „Soul Searching Sun“ von 1997, das durch seine Power, Melodien und kraftvollen Worte überzeugte und immer noch tut. Mittlerweile ist zum einen aus dem charismatischen Sänger Keith Caputo die Sängerin Mina geworden, die als Transgender mit ihrem Körpergefühl in den letzten Jahren erst einmal zurechtkommen musste, zum anderen haben sich alle Größen der damaligen Musikszene kontinuierlich weiterentwickeln können, sowohl in ihrem Sound als auch in ihren Genres. Kann also das neue Werk in neuem Gewand überzeugen? Die vorsichtige Antwort lautet erst einmal: Jein.

Der erste Song „Meet my Maker“ beginnt mit einem Korn-anmutenden basslastigen Riff, das zunächst angenehm groovig ist, gegen Ende aber etwas langatmig wird, genauso wie im nächsten Song „Right this wrong“, das ebenfalls in der Strophe einem Midtempo-Soundtempo folgt, um im Refrain klassische Hardrock Gitarren-Hooks aufzubieten. Der Gesang erinnert nur noch wenig an den Keith Caputo von früher und kommt zwar professionell, aber eher dünn daher. Da die Stimme der exotischen Sängerin im Vordergrund steht, lohnt ein Blick auf die Lyrics, die sich mit Themen wie Missbrauch, Selbsterkenntnis oder Verlust eines Verwandten beschäftigen. Diese sinnreichen Texte können auf jeden Fall punkten, da sie jeden in seiner eigenen Realität betreffen: „We don’t leave the listener out. Every line, there’s something for somebody.“

Der Titelsong „A place where there’s no pain“ hat dagegen mehr Power und eine klare Linie, was schnell zum Mitsingen und Mitwippen einlädt, das macht ihn sicherlich zum stärksten Song des Albums. Danach wird das Tempo etwas gedrosselt auf „Dead Speak Kindly“ und erinnert stark an den 90er Seattle-Sound von Pearl Jam oder Alice in Chains. Die Gitarrenriffs sind auch hier sehr einfach gehalten und grooven im Hintergrund. „A New Low“ startet mit dissonanten, schleppenden Gitarren, was in ein Bass-Schlagzeug-Solo mündet, so dass wieder die Stimme der Sängerin in den Vordergrund tritt. Die nächsten Songs behalten dieses Muster bei – groovige, geradlinige Riffs mit Platz für die facettenreichen Eskapaden der Stimme.

Der Song „Bag of Bones“ erinnert tatsächlich gegen Ende an Type O Negative, der auch als Hommage an die alten Buddies gedacht ist, auch weil LIFE OF AGONYS Joey bei diesen schon einmal hinter den Trommeln gesessen hat. Auf „Song for the Abused“ hört man noch eine kleines Spezialgimmick: ein extra für Lou Reed entworfenes „Fuzz“-Pedal. Der letzte Song „Little Spots of You“ ist ein Duett von Mina mit Keyboard und lässt den Hörer sehr schwermütig zurück, wenngleich dies weniger von der Musik herrührt als rein von der erzeugten Atmosphäre.

Der Sound der CD knüpft auf jeden Fall an die früheren Werke an und ist eher schnörkellos und klinisch gehalten. Das Schlagzeug bleibt als Rhythmus-Geber sehr im Hintergrund und lässt den Gitarren und dem Gesang freies Spiel, die Refrains laden des Öfteren schnell zum Mitsingen ein. Insgesamt ist es auf jeden Fall schwierig, das Album an den großen Werken der 90er zu messen, da diese glorreiche Zeit des Rocks vorbei ist (ein bisschen Nostalgie sei mir gestattet). Trotzdem zeigt das Album, dass die Rock-Welt einen Platz für diese großartige Band freigelassen hat, der nun erfolgreich gefüllt werden kann. Selber bewerten LOA ihr Werk natürlich als ihr bestes Album.