GHOST BATH - Starmourner
Ghost Bath - Starmourner - ArtworkGerne: Depressive/Post Black Metal
Label: Nuclear Blast
Veröffentlichung: 21.04.2017
Bewertung: Bombe (9/10)

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Mittlerweile dürften GHOST BATH kein Geheimtipp mehr sein, denn seit der Veröffentlichung ihrer hochgelobten, zweiten Scheibe „Moonlover“ haben die Jungs eine ganz schöne Transformation durchgemacht. Zunächst als Black-Metal-Sensation aus China gefeiert, kam später raus, dass die Band eigentlich aus North Dakota, USA stammt. All die Verwirrung hat natürlich seinen Teil zum Bekanntheitsgrad der Band beigetragen. Vorher noch bei Northern Silence Productions, erscheint ihr neues Album „Starmourner“ jetzt über Nuclear Blast. Aufgrund des gut angenommenen Vorgängers sind die Erwartungen an das dritte Album recht hoch, und die Fans dürfen beruhigt sein: Die Jungs liefern. Auch wenn jeder natürlich seine eigene Meinung haben wird, kann man mit Fug und Recht behaupten, dass „Starmourner“ keine Enttäuschung ist. Die Band hat ihren Kern-Sound nicht verloren, sich aber dennoch weiterentwickelt und neue Elemente im Album untergebracht.

Für diejenigen, die noch nicht mit der Band vertraut sind, ist es wichtig zu wissen, dass keine Lyrics vorhanden sind, sondern nur Screams vom Sänger zu hören sind. Dadurch liegt der Fokus auf dem Übermitteln von Stimmungen und Gefühlen.Während bei „Moonlover“ Kummer, Depression, Melancholie und irdische Dinge im Vordergrund standen, konzentriert man sich bei „Starmourner“ auf Freude, Ekstase, das Paradies und den Kosmos. Das nächste Album soll dann eine „Gefühls-Trilogie“ abschließen. Wer jetzt aber denkt, dass diese Vorgaben das neu erschienende Album zu einer fröhlichen Blumenwiese der Musik machen, der irrt. Trotz der positiv besetzten Begriffe sind Melancholie und Verzweiflung weiterhin vorhanden. Genau wie es im Leben nicht immer nur eine Emotion gibt.

Das Album beginnt mit einem ruhigen Klavierintro („Astral“), das von der Komposition her sogar entfernt an den Komponisten Ludovico Einaudi erinnert. Am Ende geht das Stück mit hallenden Schreien und Stöhnen ins nächste Lied über. Grundsätzlich merkt man beim Hören, dass „Starmourner“ etwas melodischer ist als der Vorgänger, was wohl auch dem Gefühlsfokus zuzuschreiben ist. Trotzdem hat das Album noch genug Härte, um auch mal so richtig reinzuhauen. Außerdem sind hier und da elektronische Klänge mit verarbeitet worden, diese stehen jedoch nie im Vordergrund. GHOST BATH kreiert erneut schöne Melodien, die auch durchaus Ohrwurm-Potential haben, vor allem aber zum Tagträumen und Abschweifen der Gedanken einladen. Der Kosmos und das Universum sind momentan sehr beliebte (Leit-)Motive im Metal und auch GHOST BATH schaffen es auf ihre Weise eine Soundkulisse dafür zu schaffen. Bei anderen Künstlern fühlt man sich wie auf einem Raumschiff, bei GHOST BATH reist eher der Geist selbst durch die unendlichen Weiten. Es ist durchaus ein wenig schwierig auf die einzelnen Lieder einzugehen, da das Album eine in sich geschlossene Einheit bildet und alles irgendwie ineinander über geht. Trotzdem ist es nicht langweilig, und wahrscheinlich auch um dagegen anzuwirken, gibt es einen abrupten Bruch zwischen „Luminescence“ und „Thrones“. Zudem sind im Album einige ruhige Passagen dazwischen gestreut, damit das Ohr des Hörers nicht zu sehr strapaziert wird und man ein wenig durchatmen kann. Das macht das Album sehr harmonisch. „Cherubim“ ist zusammen mit den bereits erschienenden Songs „Ambrosial“ und „Thrones“ am ehesten als Anspieltipp zu empfehlen. „Ode“ lässt das Album so ausklingen wie es begonnen hat: ruhig.

Ein wieder wirklich gelungenes Album von GHOST BATH. Es ist schön zu sehen, dass sich die Jungs gleichzeitig treu geblieben sind und trotzdem auch ein wenig weiterentwickelt haben. Auch die Produktion ist noch etwas besser als zuvor, weshalb es sich durchaus lohnt, das Album mit einer guten Anlage oder Kopfhörern zu genießen.
Wer noch mehr über die vertonten Gefühle und Ideen zu diesem Album erfahren möchte, der kann sich bei Facebook und auf der Website Bilder mit beigefügten Texten anschauen bzw. durchlesen, die noch etwas mehr zu den Gedanken hinter das Konzept von „Starmourner“ preisgeben. Das Album knüpft so gut wie nahtlos an den Vorgänger an, sodass man sogar schon ein wenig auf den Nachfolger gespannt sein dürfte.