SÜNDENRAUSCH – Akustikshow 22.04 – Hamburg

Sündenrausch

Mal wieder eines dieser Konzerte zu dem man von einer Freundin mitgeschleppt wird mit den Worten „Komm doch mit, die Musik ist echt gut und es sind Freunde von mir“. Das kennt ja eigentlich jeder. Mal ist das Konzert dann auch wirklich gut aber häufig ist das Publikum zum Großteil nur aus Mitleid da. Bei SÜNDENRAUSCH war jedoch absolut alles anders.

Die erste Beschreibung der Band, die ich jemals hörte, war etwa: Das klingt wie NIGHTWISH, nur ruhiger und poppiger und ausschließlich mit weiblichem Gesang. Auf der Facebookseite habe ich dann noch etwas von „Schwarzromantischen Pop-Metal-Kompositionen“ gelesen – super für einen Black & Death Fan wie mich.  Da das Ganze dann auch noch in einer Kirche(!) stattfand und eine Akustikshow angekündigt war, hatte ich nicht nur ernstzunehmende Befürchtungen mich augenblicklich spontan selbst zu entzünden, sondern auch noch mein Y-Chromosom zu verlieren. Zugegeben, hätte ich auf dem Weg dorthin Bier und nicht Cider getrunken, wäre die Gefahr wohl deutlich geringer gewesen.

Angekommen in der Kirche bot sich dann ein Bild, wie es absurder gar nicht hätte sein können. Hier und da ein paar langhaarige Typen mit Bart und offenbar mit ein paar Bier Intus und direkt daneben die vereinigte Rentnerfraktion – seitlich frankiert von Nonnen und Pfarrern. An dieser Stelle möchte ich noch betonen, wie stolz ich doch auf mich bin, dass ich nicht augenblicklich lauthals angefangen habe zu lachen. Wie dem auch sei, pünktlich um 20:00 Uhr ging es dann auch los. Sängerin Kira betritt in einem wunderschönen Kleid die Bühne/Altar und erzählt ein wenig zum Konzept und zum Abend und schon geht es los. Man merkt gleich: Eine Kirche ist nicht der perfekte Ort für Konzerte, mal ist die Gitarre viel zu leise, mal ist die Stimme viel zu laut. Allerdings ist dies auch der Architektur anzuhängen und der Sound wurde stetig besser, sodass es nach dem dritten oder vierten Song kaum etwas zu beanstanden gab.
Spielerisch sind Gitarrist Michael und der Bassist Jan absolut einwandfrei und beherrschen ihr jeweiliges Instrument wirklich gut. Lediglich Sängerin Kira sticht heraus, denn diese ist auf einem Niveau, das höher ist als der Kirchturm. Ich kann kaum in Worte fassen, wie sagenhaft schön die Stimme dieser jungen Dame ist. Wenn Tarja Turunen ein Jim Beam ist, dann ist Kira ein Johnnie Walker Odyssey Triple Malt. Auch wenn Michael hier und da ein schniekes Solo spielt und anspruchsvolle Riffs spielt, teils mittendrin den Kapodaster auf einen neuen Bund setzt und trotz der Kälte kaum Fehler macht, so tut es mir wirklich leid, dass er wirklich nur die zweite Geige (oder aber Gitarre – Ba dum tsss) spielt.
Hier und da hätte man einige Dinge natürlich besser machen können. Zum Beispiel die Ansagen zu den Songs selbst etwas anders gestalten oder vielleicht ein Cajon bei einigen Songs mit einbauen, um ein wenig Abwechslung in das Bühnenbild zu bringen oder aber – und das ist der wohl fatalste Fehler des Abends gewesen – länger spielen. Bitte SÜNDENRAUSCH, spielt bald wieder eine Akustikshow. Und das ist die Meinung eines bärtigen, biertrinkenden Behemoth-Fans, also Genretechnisch weit daneben.

Als kleine persönliche Anmerkung noch an Kira: Nightwish schmeißen ja alle zwei bis drei Jahre ihre Sängerin raus, schreib schon mal ‘ne Bewerbung, denn dafür hast Du definitiv das Zeug. Vielleicht ein wenig überqualifiziert aber die Herren aus Finnland haben ja noch Zeit zu üben.