RAVENFIELD - ravenfield

1___kopieGenre: Darkrock / Stoner
Label: Eigenproduktion
Veröffentlichung: Januar 2017
Bewertung: sehr gut (7 von 10)
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Mein persönliches Geheimrezept für gute Songs sieht wie folgt aus: groovige und straighte Gitarren-und Basslinien, die zum Kopfwackeln einladen, einprägsame Hooks, singbare (oder mitgrölbare) Refrains, glasklarer und differenzierter Sound und eine Prise Vollgas. Diese Merkmale lassen sich nicht nur auf verschiedene Spielformen des Metals anwenden, sondern passen auf nahezu alle Spielarten des Rock. Auf der vorliegenden Platte sind einige Merkmale schon ganz ordentlich vertreten.

RAVENFIELD haben sich den Stempel Darkrock/Stoner aufgedrückt, und schon beim ersten Song „Alone“ werden starke Assoziationen an große Namen wach. Der Gesang bewegt sich zwischen der Melancholie von End of Green hin zu den kraftvollen Melodien von Sentenced, auch die Songtitel verraten eine gewisse lyrische und musikalische Negativität. Die Gitarren sind nicht überstrapaziert nach unten gestimmt, das Schlagzeug hält sich sehr im Hintergrund, der Bass plätschert unterstützend vor sich hin. Die Songarrangements sind nicht überladen und verfolgen definitiv eine klare Linie, ohne zu viele Riffs in einen Song zu packen.

Der zweite Song „burning tree“ überrascht mit ruhigen Passagen mit Akustikparts, die teils auch unter die härteren Passagen gelegt sind. Das heulende „ohohoooo“ bildet wohl außerdem einen gewissen Live-Charme ab, mit dem das Publikum in den Venues animiert wird. Das Zwischenspiel ist an dieser Stelle eigentlich überflüssig, das kleine Gitarrensolo lasse ich gerade so noch durchgehen. Dieser Live-Charakter war wohl auch das Ziel des zum größten Teil „live“ eingespielten Albums. Die Dachauer, die mit dieser EP ihre erste Eigenproduktion vorstellen, zeigen allerdings ihre Stärke in den groovigen Parts, die gegenüber den Schnörkeln punkten.

Der Song „Omega“ kommt gänzlich ohne Gesang aus und lässt den öligen Gitarren den Vortritt, so dass hier runde Melodien dominieren. „The sick one“ lässt dem ruhigeren Gemüt Platz und drückt vor allem in den Interludien ziemlich die Stimmung durch seine Melancholie. Hier fehlt ein starker Refrain, der Gesang in den höheren Tonlagen wirkt etwas gedrückt und gezwungen. Der letzte passend betitelte Song „Ashes“ ist der stärkste Song des Albums und überzeugt mit treibenden Doppelgitarren, die zwischen tiefem Groove und höheren Stakkato-Schrattel (unterlegt mit deutlichen Bass-Passagen) pendeln, und geschmeidigem Gesang. Insgesamt steckt in dem Erstwerk der Bayern deutliches Potential, auch wenn dieses sicher noch nicht ganz ausgeschöpft wurde, vor allem beim talentierten Sängers und dem Songwriting. Wer Sentenced schon seit Jahren vermisst, sollte hier unbedingt mal reinhören.