DIE DORKS - Urlaub in der BRD
diedorks_cover_kleinGenre: Punkrock/Deutschpunk
Label: Coretex Records
Veröffentlichung: 21.10.2016
Bewertung: Klasse (8/10)
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Das Cover sagt schon alles: Zwei bierbäuchige Spaßköppe lümmeln in Liegestühlen mit ’ner Kiste Gerstenschorle rum, dazu der passende Titel der vermutlich billig eingeprügelten Rumpelschunkelplatte… das taugt wohl maximal für ’nen zünftigen Frühschoppen, typisch deutscher Assi-Punk halt.

Am Arsch die Waldfee! Wer wie ich DIE DORKS bislang nicht kannte, der mag hier gewollt und gekonnt auf’s Glatteis geführt worden sein, der hat aber darüber hinaus auch gehörig was verpasst. Was diese Iro-Truppe aus dem tiefsten Bayern auf ihrem immerhin schon 5.Album in 10 Jahren hier anbietet, sollte jeder Pogo-Aficionado gehört haben. Dabei ist das Dargebotene an sich nicht revolutionär: Bei den Dorks wird mit einfachen, bekannten Zutaten gekocht. Was aber keineswegs heißt, dass auf „Urlaub in der BRD“ Schmalhans Küchenmeister war. Oft macht ja erst die richtige Mischung und die raffinierte Würzung aus Alltäglichem etwas Besonderes.

Musikalisch betrachtet gibt es hier erst einmal grundsätzlich traditionellen Deutschpunk, hochmelodisch und flott vorgetragen, mit Ska-Einschüben gespickt und mit einer, das ist das Salz in der Dorks-Suppe, in den Gitarren immer wieder erkennbaren, ordentlichen Prise Metal (der klassischen, maidenesquen Sorte). Das mag manch einem schon zu viel Metal auf  ’nem Punkalbum sein – mir nicht! Auch die Drums können mehr als den üblichen Einbahnstraßen-Beat. Da schleicht sich hier und da schon mal ’ne Double Bass ein. Man hört einfach, dass der musikalische Horizont der Dorks-Instrumentalisten weiter ist als der vieler Genre-Mitstreiter.

Die Songs tönen dermaßen dynamisch aus den Boxen und sind spielfreudig vorgetragen, dass einem über die (nicht nur) für Punkverhältnisse überlange Spielzeit von 67 Minuten einfach nicht langweilig werden will. Was zum großen Teil an Sängerin Lizal liegt. Diese schreit sich die Seele aus dem Leib, erinnert mit ihrem prägnanten, kraftvollen und klaren Organ in harschen Momenten an diverse „klassische“ 70er und 80er Punker, hat aber auch viel vom wütend-melancholischen, klagenden Timbre der großartigen Bettina Wegner. Kurzum: Die Gesangsleistung ist einfach nur allererste Sahne!

Highlights einer von vorn bis hinten geilen Scheibe herauszustellen, ist so schwer wie sinnarm. „Ich bleib heut Nacht hier steh’n“ sticht für mich dennoch hervor, „Freund und Sterbehelfer“, „Gemeinsam werden wir zum Flächenbrand“ – auf dem 14-Tracker (inklusive Intro) gibt es keinen einzigen Ausfall.

Das ist Punk zum Zuhören, zum Nachdenken, zum Mitsingen. DIE DORKS sind ganz klar mehr HAUSVABOT als BETONTOD, erschaffen Mucke, die gleichermaßen Spaß macht, wie sie aufwiegelt, den Hörer am liebsten direkt auf die Straße schicken will zum Demonstrieren, Protestieren, ach was sag ich – fuck the system! – zum Sturz der Eliten! Der Pseudomoralisten, der verlogenen politisch Korrekten, für die Aufbegehren, so wie sie es interpretieren und für sich instrumentalisieren, nur ein Zeitvertreib und Schaulaufen der Eitelkeiten ist. Bei „Im Herzen asozial“ kriegen Hipster ihr Fett weg, auf dem Rest der Platte Möchtegernintelligenzler und Deutschtümler. Die Dorks bohren munter auf dem Nerv des faulen, mainstreamigen Zahns. Das wirkt nie überheblich, sondern immer ehrlich und nicht nur so gedacht, sondern wahrscheinlich auch entsprechend gelebt. Die oft humorigen Texte entpuppen sich dabei als bitterböser Sarkasmus und nicht etwa als bloßes Schenkelklopfer-Bierzeltgeprolle. Zeilen wie „Vergieße keine Tränen für den Wohlstand, der unsere Seelen in die Armut treibt!“ sind regelrechte Gossen-Poesie.

Die Dorks nehmen den Endverbraucher mit auf einen „nie enden wollenden kulturellen Horrorroadtrip quer durchs Land“ (eigene Band-Info), beweisen, dass sie keine Genre-Scheuklappen kennen und es – bei allem Spaß, den sie haben – ernst meinen mit Anliegen und Vortrag. Super Album, und plötzlich find ich auch das schrottige Cover richtig gelungen!