Ragnarök 2017 – Der Bericht

Ragnarök 2017

Vom 21. bis 22. April 2017 fand das 14. RAGNARÖK-Festival in Lichtenfels statt. Seit Jahren wird das nunmehr etablierte Festival in der beschaulichen Stadt in Oberfranken zum Wallfahrtsort für Anhänger von Pagan und Black Metal. Auch dieses Jahr pilgerten wieder tausende Fans in die Stadthalle, um zu ihren Lieblingsbands zu feiern.
Trotz nächtlicher Temperaturen unter dem Gefrierpunkt, fanden bereits am Donnerstag viele Besucher den Weg auf den Campingplatz, oder in die Schlafhalle. Da das Ragnarök ein Indoor-Festival ist, muss wenigstens niemand während der Konzerte nass werden oder frieren. Wie bereits in den Vorjahren, wurde in der Stadthalle eine große Doppelbühne errichtet, welche die Wartezeit zwischen zwei Bands auf angenehme zehn Minuten verkürzt. Perfekt um Flüssigkeiten wegzubringen und neue zu holen, das Flüssige im Geldbeutel gegen Merchandise zu tauschen oder schnell ein Autogramm am Silence-Stand zu ergattern. Während an besagter Bühne am Donnerstagabend die letzten Handgriffe getätigt wurden, wärmte „DJ Schnapsi“ von MOSHER´S NIGHT die Meute für die nächsten beiden Tage an.
— FREITAG –

KULTASIIPI eröffneten am Freitag den Weltuntergang. Die Band aus Berlin macht keinen Hehl daraus, dass ihre Vorbilder Korpiklaani sind. Durchaus ist finnischer Folk Metal ein würdiger Anfang für das Festival. Die typischen Folkinstrumente Flöte, Harfe und Kantele waren gut abgestimmt, besonderen Eindruck hinterließ der weibliche Gesang. Dagegen wirkte der Sänger Tillmanus etwas schwach auf der Brust.

Danach wurde es wesentlich lauter und härter in der Halle. FIRTAN aus Baden-Württemberg hauten der Menge ihren melodischen Mix aus Black und Pagan Metal um die Ohren. Das Publikum war begeistert, was wohl auch an der sympathischen Art der jungen Gruppe lag, die sich trotz Corpsepaint nicht allzu ernst nimmt. Schönes Schlagzeuggewitter, harmonisches Klavier im Hintergrund (leider vom Band) und melodiöses Saitenspiel lassen Stimmung aufkommen.

Bei ANOMALIE wurde die Euphorie etwas gebremst, was aber nicht am Versagen der Musiker aus Österreich lag. Im Gegenteil, hier wurde Atmosphärischer Black Metal vom Allerfeinsten geboten. Nur lädt dieser eher zum Nachdenken und Träumen, als zum euphorischen Tanzen im Pit ein. Leider war zu Beginn des Gigs ein wenig zu viel Hall aufs Mikro gemischt, was zwar in den folgenden Songs behoben wurde, aber letztendlich dazu führte, dass insbesondere die Clean Vocals schwer zu verstehen waren. Schade eigentlich. Instrumental lieferten die Jungs dafür umso stärker ab.

Ebenfalls aus Österreich stammen ELLENDE, die mit ihrem schweren Set aus krächzendem und dreckigem Post Black Metal eine düstere und atmosphärische Stimmung in der Halle verbreiteten. Bei der Band steht der Gesang klar im Hintergrund, so hält sich auch der Sänger bei Ansprachen zurück und lässt den Instrumenten und ihrer erschaffenen Mischung aus metallischem Sturm und melodischen Passagen den verdienten Raum. Wobei man erwähnen muss, dass der Sänger Lukas Gosch für das Songwriting aller Instrumente verantwortlich ist.

Anschließend eroberte eine Band die Bühne, die das Publikum mit einem herzhaft ironischen „Fuck Off“ Backdrop begrüßte. Die Rede ist natürlich von FÄULNIS. Die Jungs sind seit einer Woche mit HARAKIRI FOR THE SKY und Ellende auf Tour, wirken aber kein Stück müde. Im Gegenteil, in gekonnt absichtlich unsympathischer Manier, ballerten die Jungs ihre Mischung aus Black Metal, Punk und Rock der Menge entgegen. Gerade die punkigen Anteile standen im Kontrast zu den anderen Bands und sorgten für Abwechslung. Selbst als es zu einer längeren Zwangspause aufgrund von Problemen mit dem Mikro kam, ließ sich der Sänger Seuche nicht aus der Fassung bringen und hielt die Leute bei Laune.

Nach dieser zugegebenermaßen etwas depressiveren Musik, sollte ELVENKING dafür Sorge tragen, die Menge am frühen Abend anzuheizen. Dies gelang ihr spielerisch, war ein beträchtlicher Teil des Publikums bereits gut angeheitert. So wurden die Methörner zur Mischung aus Power und Folk Metal kräftig in die Höhe gerissen. Die Italiener konnten quasi nichts falsch machen.

Nun betraten HARAKIRI FOR THE SKY die Bühne und davor wurde es merklich voller. Mit neuem Album im Gepäck, legten die Österreicher ein ordentliches Brett hin, ohne die älteren Songs zu vernachlässigen. Die Jungs beherrschen ihr Handwerk und gerade die melodiösen Gitarrensoli strotzten vor spielerischer Sicherheit. Hier wurde astreiner Post Black Metal geboten, der sich nicht zu sehr im Depressiven verirrt und dem Genre einen modernen Wind einhaucht. Vielleicht das Highlight des ersten Tages.

Mit INSOMNIUM kam der Headliner des Tages auf die Bühne, auf den sich die Menge wohl am meisten freute. Und die Finnen lieferten ordentlich ab. Eine ausgewogene Setlist aus alten wie neuen Songs, die Meisterleistung an den Instrumenten und die sympathische Art, ließen die Festivalgänger frohlocken.

FINSTERFORST nahmen die Euphorie dankend entgegen. Hätten es aber selbstredend nicht nötig gehabt, da die Schwarzwäldler mit ihrem mal epischen, mal augenzwinkernd-ironischen Folk Metal ihre Anhänger ohne Probleme zum Mitgrölen bekommt. Selbst zur späteren Stunde um Mitternacht, bewies die Band ihr Talent an den Instrumenten und auch das Gebrüll von Sänger Oliver Berlin presste sich ordentlich ins Gehör. Besonders schön wurde es, als die Mannen an der Gitarre und Akkordeon das Ganze mit heroischem Klargesank untermauerten.

Anschließend spielte DORNENREICH ihr erstes von zwei Sets. Es war eine Akustik Session und somit zur späteren Stunde eine gute Idee als Ausklang des schwarzmetalischen Tages. Leider kam es nicht so gut an, die Meute war müde geworden, die meisten verzogen sich auf die oberen Sitzplätze gegenüber der Bühne. Obwohl man sagen muss, dass man von da aus die melancholisch-träumerischen Klängen wohl auch am besten auf sich wirken lassen konnte.
— SAMSTAG –

Den zweiten Tag eröffneten MUNARHEIM. Zu Beginn war es mit den neun Musikern auf der Bühne, genau so voll wie davor. Das Ragnarök war noch müde und hatte den Freitag merklich in den Knochen. Der am frühen Morgen einsetzende Regen, tat sein übriges. Doch die Mischung aus Black, Pagan und Folk Metal, unterstützt durch Querflöte, elektrische und akustische Gitarre blies der Zuhörerschaft die Lethargie aus dem Kadaver. Die Instrumente waren hervorragend abgemischt und gut zu hören, lediglich das Mikro des Gitarristen war etwas zu leise.

Ihr Debüt auf einem Festival gab die sympathische Band FERNDAL aus Münster. Musikalisch wurde es deutlich düsterer als noch zuvor bei MUNARHEIM. Daran konnten auch die beiden Fackeln auf der Bühne nichts ändern. Geboten wurde Melodic Black Metal, der durch Cello und Orgelklänge (vom Band) untermauert wurde. Das Cello war gut zu hören, die Instrumente standen im Vordergrund. Die Band wirkte etwas nervös, war ihr erstes Album ja auch erst vor kurzem erschienen. Die Band traf vielleicht nicht jeden Geschmack, spielten aber dennoch ein handfestes Brett zusammen.

Es folgten SEAR BLISS aus Ungarn. Ein Wort: Posaune. Klingt erst mal komisch, passt aber astrein in die Mischung aus Black und Heavy Metal. Eine wirklich hörenswerte Band, die in keinem ihrer Songs Langeweile aufkommen ließ und die Hände zum Air Guitar spielen zwingt. Oder wahlweiße auch Air Posaune, mal was Neues.

ASENBLUT sind sich ihrer Kritiker entweder sehr bewusst und überspitzen die Gründe für negative Bewertungen mit voller Absicht oder meinen das wirklich ernst, verkommen so aber leider zu einer Karikatur ihrer selbst. Natürlich hat Pumper, ähh sorry Sänger Tetzel schon nach wenigen Songs den Oberkörper frei gemacht und ließ so den Berserker auf ihrem letzten Albumcover auf der Bühne lebendig werden. Schade, dass man die Band nicht so ganz ernst nehmen kann, denn eigentlich war der gebotene Death Metal auf jeden Fall hörbar. Zumindest live, lag aber auch vielleicht daran, dass man die Texte nicht verstand. So wurde es dennoch ein Fest für die Band, da viele Asenblut Fans anwesend waren.

Auf dieser Welle der Euphorie konnten BLACK MESSIAH gut Segel setzen und sorgte für reichlich gute Stimmung. Hier war, wie bei keiner anderen Band, Bewegung im Pit. Unterstützt durch Geige und Keyboard, letzteres leider nur schlecht zu hören, wummerte deutscher Pagan Metal für feierlaunige Schwermetaller aus den Boxen. Kurzum: es hat Laune gemacht.

Aus der Asche von AGALLOCH erhob sich PILLORIAN und überzogen das Ragnarök mit einer wabernden Mischung aus Black Metal und Doom. Keine Ansagen ließen Platz für die mit Spannung erwartete Kreation um John Haughm. Und zusammenfassend kann man nur sagen, dass es mehr als schade war, dass man die Bühne weit vor dem Ende der regulären Spielzeit verließ.

AGRYPNIE lieferten schnörkellosen Black Metal, der die Menge ordentlich mitriss. Dass aus dem einstigen Solo-Projekt, nach über einem Jahrzehnt Bandgeschichte, inzwischen eine mächtige Live-Band erwachsen ist, müssen die Jungs niemanden mehr beweisen. Als Sänger Torsten Hirsch zur dritten Gitarre griff, war dies keineswegs überkandidelt, sondern passte perfekt in das düstere, schnelle Soundspektrum der Band. Der Gastauftritt vom Dornenreich Sänger, inklusive gesäuseltem Sprechgesang, sorgte für gelungene Abwechslung.

Im Gegensatz zu ihrem Akustik-Set feuerten DORNENREICH der Menge nun ihren knallhart schönen Black Metal in die Magengrube. Nach über 20 Jahren Bandgeschichte haben die Mannen schon sowas wie einen Legendenstatus in der Szene erreicht und es ist ja auch immer wieder erstaunlich was aus Drums, einer Gitarre und einer Violine herausgekratzt wird. Sucht man einen Kritikpunkt, könnte man höchstens anmerken, dass die Pausen zwischen den Liedern viel zu lang waren.

Mit DARK FUNERAL betrat der Headliner des zweiten Tages die Bühne. Eigentlich braucht man zu dieser Band auch nicht mehr viel schreiben. Die Genregröße schlug mit der Kraft und Wut der selbstverkörperten Dämonen um sich und lassen ein Gewitter aus Blastbeats, Gekrächze und Gitarrengeschrammel ohne Gnade auf die Metalheads regnen. Luftholen ausgeschlossen. Ein wirklich würdiges Finale, anders kann man den Weltuntergang nicht einläuten.

Insgesamt bot das Ragnarök für knappe 60 bis 70 € ein solides Festival mit 27 Bands. Die Preise für Bier, Met und andere Getränke, sowie das Essen, sind auch im Rahmen. Es hat schon was für sich in der Stadthalle und auf dem Campground als Metalgemeinde unter sich zu sein, aber in 5 Minuten zum großen Einkaufszentrum zu laufen. Was natürlich Freitag und Samstag von den meisten wahrgenommen wurde, um sich mit Nachschub zu versorgen. Dies sorgt zwar immer noch für den ein oder anderen verdutzen Blick der Lichtenfelser, wenn eine riesige Menge schwarzgekleideter Menschen den örtlichen Supermarkt stürmt, aber es bleibt immer alles friedlich und geordnet. Die Stadt stellt sich auch jedes Jahr besser auf den Ansturm nach Ostern ein. Beispiel gefällig: Im Supermarkt türmen sich riesige Berge des einschlägigen Festival-Dosenbieres.

Ein Problem hat das Ragnarök leider nach wie vor noch; auch nach Distanzierungen auf der Internetseite, Facebook und Co. Es bleibt ein Anlaufpunkt für einige Nazis, die, obwohl sie eindeutige Erkennungszeichen tragen, noch nicht konsequent genug vom Festival verwiesen werden. Hier haben der Veranstalter (und auch die anderen Festivalgänger!) noch härter durch zu greifen. Rechtsextremistisches Gedankengut darf nicht vor dem Hintergrund kollektiven Musikgeschmacks toleriert werden.