MAYSALOON - The Forgotten Dawn
The Forgotten DawnGenre: Death Metal
Label: Eigenproduktion
Veröffentlichung: 10.4.2017
Bewertung: Gut (6/10)

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Vermutlich das Letzte, was man hier im verwöhnten Metal-Deutschland von Syrern erwarten würde, ist unbeschwertes Musikmachen im Krisengebiet und schon gar keinen ja eher meist areligiösen Metal. Umso erstaunlicher, dass die drei Jungs von MAYSALOON gerade ihre erste EP veröffentlicht haben. Der Sound klingt insgesamt sehr rohgeschliffen, auch das Timing stimmt vielleicht an einigen Stellen nicht so, wie man es von einer professionellen Produktion erwarten würde, auf der anderen Seite gibt es hier einmal etwas Innovatives auf die Lauscherchen. Die EP enthält sechs Songs inklusive Intro, ein Instrumental und zusätzlich ein Death-Cover.

Das kurze Intro klingt schon nach 1001 Nacht mit seinen Halbton-Tremolo-Akustikgitarren und dem sanften Fingergetrommel, geht dann langsam in verzerrte Gitarren über. Im ersten Song „The First Believer“ hagelt es dann nach einem kurzen Verschnaufer gleich ein paar ordentliche Blastbeats, die in schön ausformulierte Midtempo-Melodien und Gitarrensoli münden, bevor das Tempo wieder zulegt. Das orientalische Flair bleibt auch in anderen Tracks erhalten, die insgesamt recht reduziert sind, da nur drei Musiker und ein Drum-Computer (wär mir jetzt nicht aufgefallen) beteiligt sind.

„Hatred and Pain will always remain“ wartet mit rauchigen und mit einer extra Prise Hall getunten Growls auf, die von starken Screams unterstützt werden. Musikalisch ist dieser Song zwar melodisch gehalten, erinnert aber doch mehr an Death Metal von Carcass oder Destruction in Midtempo. „Seals of Astarte“ hält sich anfänglich im Tempo etwas zurück und fokussiert sich auf die doppelspurigen Gitarren, geht dann aber über in tiefere, treibende Gefilde mit thrashigen Elementen ohne aber dessen Höhen. „Tanit demands her due“ gibt dann richtig Vollgas und pendelt zwischen Blastbeats und frickeligen Gitarren, unterbrochen von einem akustischen Interludium mit einem Bass-Solo. Thematisch bewegt sich der Silberling im mythologisch-geschichtlichen, (a)religiösen Bereich und erzählt von Kriegen, aber auch persönlichen Irrungen und Wirrungen, wie z.B. in „Seeds of Sanity“, das sich durch alle Tempo-Lagen ruckelt und musikalisch sogar an frühe Metallica, gesanglich an Death, erinnert.

Der wohl ausgereifteste Song ist „The Horrid Homage“, der mit einem exotisch-orientalischen Instrumental beginnt und dann im Moll-Tempo durch die Strophen jagt, wobei sich Growls und kratzige Screams abwechseln. Die langsameren Passagen sind fein zwischen Bass und Gitarren abgestimmt, das Schlagzeug bleibt unhektisch im Hintergrund. Das Gitarren-Solo entführt uns in eine düstere Wüstenstadt, weit entfernt von einer Oase, die Texte zeichnen die Verfehlungen der Menschheit, die stets die falschen Ziele verfolgt. Den Abschluss bildet ein Instrumental, das teils akustisch, teils mit verzerrten Gitarren eingespielt ist. Ganz deutlich liegen die Stärken der jungen Band in den exotischen Klängen, die nicht nur im Intro und dem Instrumental zu hören sind, sondern auch immer wieder in den Songs herauszuhören sind – bitte mehr davon!

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