ANCST - Furnace
ANCST - FurnaceGenre: Blackened Crust, Black Metal
Label: Yehonala Tapes / Vendetta Records
Veröffentlichung: 19.02.2017
Bewertung: Klasse (8/10)

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Seit einigen Jahren erlebt der Black Metal ein Revival. Abseits vom satanistischen Habitus und Corpsepaint, hauchen, oder vielmehr brüllen, viele junge Bands dem Genre neues Leben ein. So auch ANCST aus Berlin, die im Februar 2017 ihren neue EP FURNACE veröffentlicht haben.

Wer ANCST als reine Black Metal Band bezeichnet, der irrt. Ein ordentlicher Schuss Hardcore, angereichert mit Crust, prägen den Stil. Furnace kommt mit sechs neuen Songs daher, wobei es vier weitere Lieder von der Split-Ep mit AST aus dem Jahr 2015 als Zugabe oben drauf gibt. Furnace bedeutet Schmelzofen, Heizkessel, aber auch Feuerprobe. Man könnte denken, damit sei die heutige Gesellschaft gemeint, aber auch wortwörtlich geht’s auf der Platte heiß her. Das Intro „Away from Atrophy“ stimmt düster auf das nun kommende mit einem pazifistischen Zitat Homers aus dem Film „Der Himmel über Berlin“ ein. „Urban Tomb“ gibt dann solchermaßen schnell das Tempo vor, dass man sich fast ein bisschen nach dem sanften Intro erschreckt. Das Schlagzeug treibt einen dermaßen harsch durch das Lied und stoppt nur für kurze Zeit nach zwei Minuten, um auch den Gitarren mal Platz zu lassen. Spätestens hier weiß der geneigte Zuhörer: „Alles klar, anschnallen, es wird wild.“ „Chronicles of Emptiness“ lässt von Beginn an mehr Raum für die Gitarren, wodurch das Stück deutlich melodischer wirkt. Im Gesang der beiden Schreihälse lassen sich die Leere und Betrübtheit der modernen Welt förmlich greifen, was durch ein wohlklingendes Gitarrensoli zur Mitte des Liedes bestens ergänzt wird. „Broken Oath“ beginnt mit einem dreckigen, krächzenden Gitarrenpart, nur um danach mit einem prächtigen Trommelfeuerwerk die Ohren zu verwöhnen. Der Höhepunkt des Songs ist relativ weit am Anfang, wenn die beiden Sänger, nur begleitet von der Gitarre, ihre Wut rauskreischen. Hier beweist der Song sogar Ohrwurmcharackter. Vielleicht der beste Song auf der EP, aber auf jeden Fall der abwechslungsreichste. „In Stone“ hebt sich aus der Gesamtmasse nicht wirklich heraus, passt aber ins Konzept. Und bei „In Cadence“ wurde wieder mehr Wert auf Melodie gelegt. Bei geschlossenen Augen und voller Konzentration auf die Gitarren, lässt sich dieser Song am besten genießen.

Anschließend folgen die vier Songs aus dem Jahr 2015. Sofort merkt man einen akustischen Unterschied in der Produktion. Furnace ist hierbei einen Schritt besser aufgenommen, die Instrumente sind präziser abgemischt, hier waren talentierte Mannen am Werk. Das wohl deutlichste Merkmal ist, dass man die beiden Sänger wirklich gut differenzieren kann.

Furnace besteht nur aus Tempo und lässt einem lediglich bei „Seizures“ kurz zu Ruhe kommen. Textlich geht es bei ANCST wie immer um die Ungerechtigkeiten dieser Welt, die gesichtslose Gesellschaft und den Aufschrei der unterdrückten Massen gegen den Hass. Manchmal ist es schon fast eine Schippe Nihilismus zu viel.

Was bleibt zu sagen, außer dass hier ein richtig gutes Stück Musik vorliegt, welches einen mitreißt. Die Feuerprobe ist bestanden, der Schmelzofen glüht höllisch heiß und der Black Metal ist um eine Facette reicher. Noch gelten ANCST zwar als Geheimtipp, aber schon bald dürften sie im gleichen Atemzug wie DER WEG EINER FREIHEIT und HARAKIRI FOR THE SKY genannt werden.