SEVEN KINGDOMS - Decennium
SevenKingdoms_coverpicGenre: Power Metal
Label: Napalm Records
Veröffentlichung: 05.05.2017
Bewertung: Klasse (8/10)
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Mit weiblichem Gesang im Power Metal ist es ja so eine Sache. Während man im Thrash, Punk und Rock’n’Roll von akustisch-kernigen Eisenbiegerinnen wie Nervosa’s Fernanda Lira oder Arch Enemy’s Alissa White-Gluz förmlich weggeblasen wird,  regiert im (Symphonic) Power Metal oft zielgruppenorientierter Kitsch. So sind die Konsumentenlager klar gespalten: Die Einen bekommen Gänsehaut vor Begeisterung, wenn eine divenhafte Trällerelse auf der Tonleiter immer höher steigt, bis sie klingt wie ein Meerschweinchen, dem man auf den Bauch drückt, den Anderen (zu denen ich gehöre!) biegen sich bereits bei der bloßen Vorstellung an solches Gequieke, Gedudel und Gefiedel, an die klischeetriefenden Keyboardteppiche und die oft albernen, an einen Wanderzirkus erinnernden Gewänder regelrecht die Zehennägel nach oben. Sowas kommt bei mir normalerweise nicht auf den Plattenteller, da bin ich zu stark durch Fronterinnen wie Wendy O. Williams und Sabina Classen sozialisiert worden.

SEVEN KINGDOMS spielen symphonischen Power Metal – mit Dame am Gesangsmikro. Zum Davonlaufen? Mitnichten! Die vor zehn Jahren aus einer Laune heraus ins Leben gerufene Band aus Deland, Florida, zelebriert auf Album Nummer vier ihre genaue Vorstellung von klassischem, fantasykonzeptbasiertem Power Metal im modernen Sound-Gewand, überzeugt dabei auch den eher skeptischen Hörer mit abwechslungsreichem, stets fassbarem Songwriting, warmer, aber tighter Produktion und – jetzt kommt’s – einer tatsächlich ausgezeichneten Gesangsleistung. Goldkehlchen Sabrina Valentine tönt kristallklar und lupenrein, klingt dabei aber keineswegs schwachbrüstig, sondern verleiht den nie langweilenden Songs feine Melodiebögen. Valentine singt recht variabel, schiebt sich aber nicht unnötig in den Vordergrund, sondern wirkt allein durch ihre Handwerkskunst. Balladen gibt es auf dem gut 50-minütigen Werk nicht, dafür zehn flotte, druckvolle Nummern, die einfach gut ins Ohr gehen. Beste Beispiele dafür sind Granaten wie „Kingslayer“, „In the Walls“ und „Awakened from Nothing“. Das alles hat zum Glück wenig von Oper, die Theatralik hält sich in Grenzen. Dafür gibt es durchaus Überschneidungen mit Speed Metal alter Hamburger Schule.

Klar, neu und bahnbrechend ist das alles nicht. Natürlich wird man immer wieder latent erinnert an Kombos wie Dragonforce, Lost Horizon oder Hammerfall. Liegt in der Natur der Sache und spielt auch keine Rolle, solange es Spaß macht. Schließlich könnten die fünf Amis, die ihren aktuellen Silberling übrigens per Crowdfunding finanziert haben und schon main acts wie Blind Guardian und Doro supporten durften, auch wie ’ne Metal-Pop-Kaspertruppe à la Freedom Call klingen und für heftiges Fremdschämen sorgen. Ist nicht der Fall, bei SEVEN KINGDOMS werden dicke Bretter gebohrt. Die beiden Gitarristen bringen ein gesundes Maß an Härte in die Kompositionen und akzentuieren ihr starkes Rhythmusspiel mit ziemlich virtuosen, präzisen Soli. Auch Drums und Bass sind schön wuchtig, sodass man genretechnisch eben nicht nur die Nightwish-und Edenbridge-Fanfraktion bedienen kann, sondern durch den Verzicht auf übermäßigen Kino-Bombast und stattdessen ordentlich Dampf aufm Stahlkessel ebenso zahlreiche Echt-Metalheads erreichen wird.