DARKE COMPLEX - Point Oblivion
Darke-Complex-Point-OblivionGenre: Alternative Metal
Label: Spinefarm Records
Veröffentlichung: 28.04.2017
Bewertung: Gut (6/10)

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Man kann schon sagen, dass DARKE COMPLEX eine wundersame Band ist, aber wohlgemerkt auf eine gute Weise. Nicht nur ihr solider, minimalistischer Genrecocktail sondern auch die Typen selbst sind eine Erfahrung wert, denn jeder von ihnen scheint klamottentechnisch nämlich ein anderes „Metalzeitalter“ zu verkörpern, was sich zudem noch in ihrer Musik widerspiegelt. Hier experimentieren sie aber lieber in die elektronische Richtung und hauen gelegentlich mal Rap-Parts oder Trap-Elemente raus, die stellenweise entfernt wie altes Linkin Park Material klingen.

Schon der Opener „Dead To Me“ legt ordentlich vor und klingt vielversprechend heavy, was insbesondere der Produktion zu danken ist. Gut differenzierte und basslastige Gitarren sorgen hier für einen überraschend drückenden Sound, der aber nicht dazu übergeht, zu nervig zu werden, sondern eher das Ganze pushed, was bei so manch anderen Bands häufig nur nach verwaschenem Keks klingt. Auch wenn das relativ lange Outro dieses Songs nur aus einem gewöhnlichen „Nanana“-Part besteht, wird musikalisch viel ausprobiert. Es geht von leicht verzerrten Vocals bis hin zu einem komplett elektronischen Teil mit tragenden Synthesizern. Würde man nur das Ende hören, käme man niemals darauf, dass man eigentlich eine vom Metal geprägte Platte vor sich hat.

Track Nummer zwei, „Nothing Within“, ist dagegen so gar nicht wie sein Vorgänger. Hier tauchen zum ersten Mal Rap-Parts auf, die stellenweise leider unbeholfen und fehl am Platz klingen und zudem noch recht emotionslos daherkommen. Das passiert häufiger im Laufe des Albums, wobei man sagen muss, dass es den einen oder anderen Song gibt, bei dem es ausgesprochen super hinhaut. Ein gutes Beispiel dafür ist „Void“, wo, passend zu den aggressiven Riffs, schön ins Mikro gerotzt wird, sodass man sich fragt, weshalb es nicht durchgehend so reibungslos funktioniert. Schließlich scheinen DARKE COMPLEX es irgendwie doch zu können.

Auch eine Ballade kann man auf „Point Oblivion“ finden, die beim ersten Hören schon leicht an Sachen wie „Easier To Run“ von Linkin Park erinnert. Beim zweiten Mal Hören gibt sich das jedoch schnell wieder, da man die eine oder andere Feinheit bemerkt, die Songs wie „Abandoned“ dann doch von anderen Werken abhebt, ein komischer Beigeschmack bleibt allerdings trotzdem. Das kann man niemandem verübeln, da mittlerweile fast alles was ein bisschen Rap und Metal beinhaltet an die Nu Metal Anfänge Mitte der 90er erinnert.

„Marking Targets“ dagegen könnte genauso gut von einem der unzähligen Gangsterrapper geschrieben worden sein. Der Track ist zwar eine willkommene Abwechslung für Leute, die heimlich noch was anderes hören außer Metal und ihre trveness nicht öffentlich infrage stellen wollen, aber es würde dem Album nicht schaden, den Track wegzulassen. Selbst wenn DARKE COMPLEX vom Hip Hop beeinflusst wurden, steht ihnen der Mix besser als in sich abgegrenzte Songs, die sich nur mit einem Genre beschäftigen.

Dafür ist der letzte Song „Erase“ sehr gut für den Abschluss gewählt, selbst wenn es einer der Kürzesten ist. Er wirkt insgesamt sehr geordnet und vom Aufbau eher normal, was den Jungs deutlich besser liegt, als damit zu experimentieren. (Vielleicht liegt das auch nur daran, dass sie ihren individuelen Song-Schreibstil noch nicht gefunden haben) Für ihr Debut Album haben sie sich zwar ausreichend Zeit gelassen, jedoch scheint es nicht genug gewesen zu sein. Es bleibt also nur zu hoffen, dass sie eine der Bands sind, die sich im Laufe der Jahre verbessern und irgendwann an den Punkt ankommen, an dem sie sich selbst gefunden haben und ohne Sorge stabiles wie auch gutes Material bringen.

Das Hapern merkt man schon an dem Verhältnis zwischen Songanzahl und Gesamtlaufzeit. Zwölf Songs auf nicht mal ganze 40 Minuten sind eine recht sportliche Leistung, die jedoch nicht so richtig für DARKE COMPLEX funktionieren will und das spürt man schon sehr deutlich. An vielen Stellen, scheinen die Songs noch nicht ausgereift zu sein; besser wäre es, sie auszubauen und ihnen Platz für Entwicklungen zu geben und dafür mal fünf Songs weniger auf eine Platte zu packen. Was aber nicht heißen soll, dass es unmöglich ist, gute und kurze Lieder zu schreiben, doch DARKE COMPLEX fühlen sich primär wie eine langatmige Band an, die weitaus komplexere Gefilde kreieren kann.

Zudem ist es wirklich auffällig, wie viele Effekte auf die Vocals geklatscht wurden, denn es ist nicht immer von Nöten, da viel an Atmosphäre durch die Instrumentenfraktion oder auch durch die Synthesizer herausgeholt werden kann. Zu viel bewirkt hier eher, dass es zu überladen, fast schon bis zum bitteren Ersticken voll gepackt, klingt.

Was das Abmischen angeht, ist es generell zu klinisch gehalten, wodurch leider ziemlich viel vom Charakter der Instrumente flöten geht. Zugegeben kann man hier die „Es passt ja zum Genre“-Keule rausholen, trotzdem schadet es hier nicht, mal ein wenig Natur einzubauen und dem Bass mal das Vergnügen zu geben, nicht in den Gitarren ertrinken zu müssen, sondern mit einem eigenen, heraushörbaren Sound glänzen zu dürfen.

Dafür weisen die Refrains viel Ohrwurmpotential auf und auch die Breakdowns haben genügend Charakter und wirken nicht wie gammelnde Waschlappen, die man lieber in einer Ecke vergräbt, anstatt sie anzufassen, weil sie so aussehen, als könnten sie jeden Moment anfangen zu leben. Nirgendwo fehlt der nötige Druck, um die Abrissbirne live genauso effektiv einsetzten zu können und wenn man sich mal ein paar der Live-Videos anschaut, merkt man sofort, wie talentiert DARKE COMPLEX im Stimmungsmachen sind.

Generell kann man sagen, dass „Point Oblivion“ kein Reinfall aber auch kein Meisterwerk ist und es ist schon ganz nett, einmal, vielleicht auch zwei- oder dreimal, reinzuhören um sich einen Überblick zu verschaffen. Allerdings reicht es meiner Meinung nach nicht ganz um mehr als ein Album zu sein, das man mal nebenbei beim Aufräumen hört. Trotzdem würde es mich interessieren, wie sich die Jungs weiterhin entwickeln und was genau sie planen beziehungsweise wie sie nach ihrem Debut musikalisch weitermachen wollen, da augenscheinlich ausreichend Euphorie vorhanden ist.

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