LOST DREAMS - Exhale
indexGenre: Melodic Death Metal
Label: Massacre Records
Veröffentlichung: 26.5.2017
Bewertung: Klasse (8/10)

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Seit Ende der 90er ist der Melodic Death Metal immer weiter im Unter- und Hintergrund verschwunden und wurde zum Teil durch den in eine ähnliche Kerbe schlagenden, wenngleich aus einem anderen Ei geschlüpften, Metalcore verdrängt. In den letzten Jahren allerdings erscheinen wieder vermehrt Veröffentlichungen, die an die ursprünglichen Wurzeln dieser grandiosen Spielart des Death Metal anknüpfen. Zwei wichtige Features dieses Genre sind auf „Exhale“ in vorbildlicher Weise erfüllt: Der perfekt ausbalancierte und cleane Sound im Fahrwasser der damaligen schwedischen Sunlight Studios und klassisches klares Songwriting.

„Ego“ startet ohne Intro-Geplänkel mit schnellem Schlagzeug, groovigen Hooks und einem extrem variablen Gesang, der zwischen tiefen, aber entspannten Growls und gepressten Screams wechselt. Über den zuweilen hektischen Drums liegen melodiöse Gitarrensoli. Aber auch basslastige Parts kommen nicht zu kurz – nicht gerade eine reduzierte und einfache Kost für den Einstieg. Stark ist dieser Song vor allem in den treibenden Doublebass-Passagen ohne Splash-Becken. „Lethargy“ kommt ähnlich strukturiert daher – blastig in den Strophen mit Screams und grooviger in den Interludien und dem Refrain, inklusive klassischem Metalgitarren-Solo – von Lethargie kann hier musikalisch zumindest keine Rede sein. „Crashing Beyond The Horizon“ startet mit zurückhaltenden IN FLAMES-Synthies und geht dann in einen sehr groovigen Midtempo-Part über, der sich dann traut, Screams mit cleanem Gesang zu mischen – was allerdings recht in den Hintergrund gemischt wurde – unterlegt von melancholischen Gitarrenmelodien.

Der nächste Song „Kyrie Helleison“ rückt vor allem die sprechgesangartigen, etwas kurzatmigen Growls in den Vordergrund, im Refrain gibt es Chor im Hintergrund, der Titel hat Mitshout-Potential. Ausklang findet der Song mit einer schönen Melodie, bevor es weiter zu „Finding X“ geht, der das Tempo etwas herausnimmt und dann mit seiner Hymne ins Wikinger-Fahrwasser von AMON AMARTH schwappt. Man kann Nordmänner siegreich marschieren hören. „Oscillating“ kommt im modernen Gewand daher und erinnert mit den Synthies ganz klar an neuere IN FLAMES und verliert damit ein bisschen den Charakter der späten 90er Jahre, schafft aber den Sprung ins neue Jahrtausend. „Bitter Pills“ dagegen klingt zu Beginn unglaublich schön und unverkennbar nach Schweden, was sich aber durch einen Breakdown etwas verliert. Das Anfangsriff ist aber der Hammer! Auch „Silence“ wartet mit einem groovigem Hook auf und sogar ein Bass-Solo enthält. „Nocturnal Delirium“ ist dann der Song zum Mitsingen – gelungener Refrain.

LOST DREAMS haben es auf jeden Fall geschafft, auf ihrem bereits fünften Silberling kurzweilige Stücke zu schreiben, die gut nach vorne gehen und nicht an Härte oder Melodie vermissen lassen. Die Österreicher beweisen außerdem, dass sie keine Neulinge sind, denn das Songwriting kommt sehr ausgeklügelt, ausgereift und variabel daher, schließlich gibt es ganze 14 Songs mit einer Laufzeit von über einer Stunde zu hören! Als alter Fan des klassischen Melodic Death Metal hätte ich mir an einigen Stellen gewünscht, die Österreicher würden weniger modern klingen, was wohl ein zweischneidiges Kompliment darstellt.