TAINTED LADY - How The Mighty Have Fallen
Genre: Hard Rock
Label: Mighty Music
Veröffentlichung: 26.05.2017
Bewertung: Heavy! (10/10)

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Als STEEL PANTHER letztes Jahr in Aarhus waren, holten sie sich spontan Michael Catton, den Sänger von TAINTED LADY mit auf die Bühne. Der schien einen bleibenden Eindruck hinterlassen zu haben, denn der Brite wurde für die Single „I Got What You Want“ vom aktuellen STEEL PANTHER Album „Lower The Bar“ direkt mit ins Studio geholt und verstärkte dort den Chorus des Songs als Background Sänger.

„Without the earth-shattering vocals of Catton on the chorus of our latest single „I Got What You Want“, we probably wouldn’t have even released it.“ – Satchel (Lead Guitarist; STEEL PANTHER).

Die Story ist für eine relativ kleine Band nicht nur eine große Ehre, sondern hat auch das Interesse der Presse geweckt – auch unseres. Sind hier kommende Rockstars auf dem Weg nach oben? Und das schon mit ihrem Debütalbum „How The Mighty Have Fallen“?

Die ersten Sekunden vom Intro „The Witness“ sind anders, als erwartet. Das Intro hat einen spirituellen Touch und klingt eher nach einem Chor Mönche, als nach einer Rockband. Doch dann starten die Drums und das folgende „Set Us Free“ macht schnell klar: dieses Album hat es in sich! Hätte ich lange Haare, würden diese jetzt sofort durch die Gegend fliegen. Dazu gibt es noch einen ordentlichen Schlag mit der Moralkeule gegen die industrialisierte Musik und Anerkennung für alle hart arbeitenden Musiker und aufrichtige Fans.

Das folgende „Ampburner“ ist einer dieser Songs, die Live bestimmt besser klingen, als auf dem Album. Doch im Gegensatz zu vielen anderen überzeugt dieser auch auf dem Album! Der Refrain mit Chor zwingt einen fast schon zum mitsingen mit einer erhobenen Hand, zur Faust geballt oder als Pommesgabel.

Aufmerksame Leser/innen werden jetzt festgestellt haben: „Hey, das ist ja ein ziemlich starker Start, aber die lassen bestimmt bald nach.“ – Äähm.. Nö. Denn „Song of Reckoning“ verliert zwar im ersten Moment an Tempo, holt dieses aber schnell wieder ein, und steigert sich am Ende zu einem echten Feuerwerk. Den Song zu Ende bringt aber ein leicht hallender Sologesang, der das spirituelle Intro wieder in Erinnerung ruft. Klingt merkwürdig, passt aber erstaunlich gut in das Gesamtbild.

Jetzt ist anschnallen angesagt, denn bei „Loverman“ geht es ziemlich steil nach vorne. Bass und Drums sind stark und die Gitarren setzten eher Akzente, bis es in den Refrain geht, der wieder dieses schöne Livegefühl mit sich bringt.

Bei der ganzen Aktion fühlt sich „The Best Days“ schon fast nach einem Stilbruch an und bremst die Herzfrequenz ziemlich schnell wieder auf ein normales Level runter. Die Rockballade klingt so, wie eine klassiche Rockballade klingen soll, und bringt Catton’s Stimme bestens zur Geltung. Aber auch die Gitarristen können überzeugen.

„Open Minded“ ist im Prinzip Titeltrack, denn das „how the mighty have fallen“ aus dem Refrain geht ins Ohr und sticht mit seiner hymnischen Betonung aus dem schnell gesungenen und schnell gespielten Strophen großartig heraus! Ironischerweise hat man den Albumtitel aus einem Song ausgesucht, in dem es ausgerechnet um die unoriginalität im Rock geht. Ein GLück, dass dies nicht auf TAINTED LADY zuftrifft.

Jetzt mal eine ernstgemeinte Frage: was war der letzte Song, zu dem ihr mit den Fingern mitgeschnipst habt? Ich kann mich jedenfalls nicht daran erinnern, das jemals bei einem Rock Song getan zu haben, aber ich kann euch sagen, mitschnippsen hat noch nie so gerockt wie bei „On The Loose“! Schwermütig und dramatisch aber das ganze auf eine wirklich coole Art und Weise mit stark unterschiedlichen Abschnitten und den eben erwähnten Mitschnipspartien, die ich mir live wirklich witzig vorstelle.

Wem das jetzt zu merkwürdig war, der bekommt den guten alten 100%igen Hard Rock bei „Sons Of Guns“ wieder zurück. Und dann sind wir leider, leider schon beim letzten Song des Albums. Wie ein störrisches Kleinkind weigere ich mich zu akzeptieren, dass das Album mit „Last Of Our Kind“ schon zuende ist. Der Song scheint mich trösten zu wollen. Ein musikalisch untermaltes Schwelgen in alten Erinnerungen und das obligatorische zelebrieren des Rock n‘ Livestyles bilden hier einen wirklich schönen Abschluss.

Fazit: Sind hier kommende Rockstars auf dem Weg nach oben? JA VERDAMMT! Dieses Album hat keine Schwachstellen, der Sound ist einzigartig und abwechlungsreich, und es schwingt ein wunderbarer Hauch von Live-Athmosphäre mit. Mich würde es nicht wundern, wenn TAINTED LADY bald die Flyer großer Festivals zieren und ihr Name langsam aber stetig nach oben rückt. Und womit? Mit Recht!