HEADSHOT - Synchronicity (Review)
HEADSHORT - SynchronicityGenre: Female Fronted Thrash Metal
Label: Kernkraftritter Records
Veröffentlichung: 28.03.2015
Bewertung: Klasse (8/10)

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Folgende Situation sollte uns doch allen irgendwie bekannt sein: Ab und zu nimmt man sich etwas Zeit und Geld und geht mal schön in ein Restaurant essen und, obwohl man da schon einige Male war, bestellt man doch immer wieder dasselbe Gericht. Mit Musik scheint es ja auch irgendwie so zu sein, zumindest dachte sich das Kernkraftritter Records. Vor etwas mehr als sieben Jahren veröffentlichte die Female Fronted Thrash-Metal-Combo HEADSHOT aus Braunschweig ihr letztes Album „Synchronicity“. Man könnte meinen, dass sieben Jahre genug Zeit wären, um zwei neue Alben rauszubringen. Aber anscheinend ist das Album so gut, dass es für eine Neuauflage am 28.03.2015 bei besagtem Record Label taugt. Nochmal zwei Jahre später sitzt Dr. Pikachu a.k.a. Patrick Star nun da und nimmt das gute Stück unter die Lupe.

Thrash Metal ist die Lieblingsmusik des Doktors und daher sind die Erwartungen schon mal sehr hoch. Diesmal keine Experimente, wie beim letzten Thrash Metal Review, sondern beim ersten Track anfangen. „Fallen From Grace“ heißt der und ist etwas über drei Minuten lang. Die erste Vermutung: Entweder ein kurzer Knüppelsong oder ein nervig langes Intro. Heute scheint ein guter Tag zu sein, denn es ist kein Intro, sondern geht direkt in die Vollen. Ein vertrackter Gitarren-Riff tanzt synchron wirre Rhythmen zusammen mit dem Schlagzeug und wird nach einigen Runden sogar doppelläufig ausgeführt. Der Doktor ist höchst erfreut und dreht den Laustärkeregler dramatisch auf. Einen Teil der ersten Beifallsrunde erhält der Sound. Nachdem nun das Riff so einige Runden gedreht hat und die guten Musiker unter den Hörern vielleicht auch schon durch die Struktur dessen durchgestiegen sind, gibt es einen kurzen Ausklinger, bevor dann Sängerin Daniela die Führung übernimmt und mit mächtiger Stimmgewalt den Ton angibt. Die Gitarren fetzen währenddessen einen sehr tighten Rhythmus über einen half time Drum Beat a la „Criminally Insane“ von SLAYER. Der Doktor ist von den spielerischen Fähigkeiten der Rhythmusfraktion sehr überzeugt. Aber auch die Sängerin beeindruckt mit ihrem Instrument und lässt ihre Schreie und das Geshoute so einfach klingen, als ob es Kakaotrinken wäre. Der Track hat aber noch andere Überraschungen parat. Im weiteren Verlauf wird der Anfangsriff wieder aufgegriffen und mit rhythmischem Abfuck aufgebohrt, sodass man kurzzeitig die Orientierung und das Gefühl für das Songtempo verliert. Doch es vergehen nur Bruchteile von Sekunden bis der Van mit der Band wieder vorbeirauscht und einen durch die Seitentür reinzerrt und man wieder bei voller Fahrt mitbangen kann. Der Doktor ist entzückt! Um das Ganze noch etwas abzurunden, gibt es sogar noch eine doppelläufige Solorunde, bei der die beiden Gitarristen Olaf Danneberg und Henrik Osterloh eine kleine Vorschau über ihre Fähigkeiten im Synchronschwimmen geben. Mit einem leicht orientalischen Touch eine sehr gelungene Einlage. Hier nur nochmal angemerkt, dass die späteren Soli noch viel geiler werden!

Der dritte Track „In Silence“ nimmt mit 2 Minuten und 34 Sekunden keine Gefangenen und zieht das Tempo dramatisch an. Auch hier strotzt musikalische Präzision aus allen Ecken. Ein Solo-Battle ziert die Mitte des Songs, bei dem sich die Gitarristen nichts schenken. Sweepings, Geshredde und Whammy-Bar-Action als ob man einen Schraubenzieher in eine Steckdose rammen würde. Lead-Gitarristen unter Strom! Astrein gemacht Jungs! Der Doktor hält beide Daumen hoch, während er mit dem Kopf die Schläge auf die Snare nachstellt. Im Refrain wird die Sängerin durch Crowd-Shouts unterstützt und sofort kommt Lust auf Mosh-Pits auf.

Der Titeltrack des Albums ist „Synchronicity“, der mit einer ganzen Odyssee an vielfältigen Parts daherkommt. Schwerfällig beginnend arbeitet sich der Song durch eine Reihe von Kopfnickern und geht dann zur Halbzeit in einen ausgedehnten Instrumentalteil über, der auch von saftigen bis sphärischen Soli geschmückt wird. Mit langsamer werdendem Tempo rollt der Song dann aus und hinterlässt trotz der langen Spielzeit von knapp elf Minuten einen bleibenden Eindruck.

Der darauf folgende sechste Track „State Of The Art“ kommt etwas klassischer daher. Nicht weniger heavy, aber dafür vom Riffing und den Soli etwas verspielter und fröhlicher. Auch Bassist Max Hunger bekommt bei knapp zwei Minuten Spielzeit einen kurzen Moment alleine im Rampenlicht und schießt zwischen zwei Gitarrensoli einen saftigen Basslauf aus der Hüfte.

Ein Album mit zwei Händen voll von geilen Songs, die mal heavy, mal atmosphärisch aber immer interessant, melodisch und abwechslungsreich sind. Schlagzeuger Till Hartman, der mit solidem Drumming und ausgefeilten Fills den, nicht immer ganz einfachen, Takt angibt, bildet mit dem Rest der Band eine astreine Rhythmuskapelle. Hinzu kommen die beneidenswerten Fähigkeiten der beiden Gitarristen als Solospieler und die markerschütternde Stimme von Sängerin Daniela, die so manch einen unter den Tisch schreien könnte.

Der Doktor attestiert eine klare Kaufempfehlung und gedenkt in naher Zukunft öfters in diesem Restaurant speisen zu gehen.