DESCENT INTO MAELSTROM – Descent Into Maelstrom
0009694795_10Genre: Melodic Death Metal
Label: Maculata Anima Records
Veröffentlichung: Mai 2017
Bewertung: sehr gut (7/10)

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Die Vor- und Nachteile eines Ein-Mann-Projekts liegen klar auf der Hand: Zum einen ist man Herr im eigenen Haus und kann mit diktatorischer Gewalt über sein Songwriting herrschen, zum anderen werden Live-Auftritte schwierig und der kreative Input von zusätzlichen Musikern fehlt. Wenn man allerdings genügend Ideen hat, um ein ganzes Album mit all seinen Instrumenten zu füllen, ist das ein ehrbares Vorhaben. DESCENT INTO MAELSTROM ist ein junges Projekt des Italieners Andrea Bignardi, der seine musikalischen Visionen mit seinem Erstling vorstellt. Laut Info ist sogar schon das zweite Album geplant. Es sprudelt also metallisch in der idyllischen Emilia Romagna.

In typischer Death Metal Manier wechseln sich schnellere, treibende Passagen mit schleppenden Groove-Parts ab. „Everything against“ beginnt mit einem schönen Gitarrenriff und einem recht thrashigen Sound, bevor die Growls und die melodischen Gitarren einsetzen, unterbrochen von Baller-Passagen. Die Gitarren laufen nicht immer synchron, aber trotzdem nicht dissonant, das klassische Metal Solo ist natürlich auch mit verbaut. Der Sound ist eher thrashig und besitzt nicht das Glasklare des Göteborg Sunlight Studios – aber das muss er ja auch nicht. Der Track endet versöhnlich akustisch, die Gitarren nicht immer gleichzeitig auf dem Klick.

„Ignis fatuus“ (lateinisch etwa „das närrische Feuer“) zeigt eine tiefere Tonlage, die hohen Gitarren rücken zunächst etwas in den Hintergrund, erwachen aber schnell wieder zum Leben, wenn Andrea sich begleitet von der Rhythmus-Gitarre durch diverse Riffs und Soli zockt. Der Gesang hat viel Nachhall verpasst bekommen, ist aber noch kräftiger als im ersten Track. „Innerwhere“ präsentiert einen recht verhaltenen Bass und bleibt anfänglich im Midtempo-Bereich, bevor der Blastbeat einsetzt. Hier ist der Gesang, der vom Gastsänger der Band Inferno9 eingeschrien wurde, recht vordergründig, die hohen Gitarren verschwinden etwas im Nebel der restlichen Instrumente, was den Song nicht zum stärksten auf dem Album macht.

„Storm and Assault“ punktet mit akustischen Gitarrenparts zwischen schleppenderen Soli-Passagen, die in den Strophen dem Gesang Platz machen, aber auch einen erahnbaren Bass erlauben. Der Songtitel „Castle of Ortanto“ erinnert an den Roman von Walpole, der als erste Gothic Novel gilt – auch der Name des Projekts ist ja eine Anlehnung an Edgar Allen Poe, dem Meister des Horrors. Dieser beginnt mit einfachen Gitarrenanschlägen und steigert sich langsam von einer zurückhaltenden Axt zum doppelläufigen Solo, die ein wenig metallisches Interludium einläuten, das tatsächlich eher mittelalterlich klingt. Das Thema wird dann von den verzerrten Gitarren aufgegriffen und vereinfacht. Die acht Minuten verbringt Andrea dann noch recht experimentell und driftet in die Prog-Richtung ab. Die klare Linie geht hier etwas verloren – nur was für Musiker, die auf Abwechslung extrem stehen. „Atavic Enemies“ klingt schon wieder mehr nach einem klassischen Melodic Death Metal Song und beginnt mit einem straighten Riff und geradlinigem Tempo, der Refrain ist klar abgegrenzt vom Rest und damit wesentlich verdaubarere Kost, ebenso wie der Titeltrack „Descent Into Maelstrom“, der allerdings wieder von einem Akustik-Part unterbrochen wird. Der letzte Song auf der Platte ist rein akustisch und versteht sich als Outro.

Alles in allem wird auf diesem Album deutlich, wie viele Ideen der junge Musiker versucht, unter einen Hut zu bringen, was ihm nicht immer ganz gelingt. Allerdings zeigt dieses Album auch, das Schubladen immer leicht zu öffnen sind, aber dann halt auch viel Platz für Experimente bieten. Nichts für Liebhaber von straighter Einfach-ist-mehr-heit.