TRIAGONAL – Dichotomy of Body
a0141425724_10Genre: Death Metal / Death ‘n’ Roll
Label: Eigenproduktion
Veröffentlichung: April 2017
Bewertung: Klasse (8/10)

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Das Musikbusiness wird von Jahr zu Jahr härter, nicht nur für die Plattenfirmen, die keine Fantasie-Verträge mehr vergeben können, sondern auch für die Musiker, die schon einiges bieten müssen, um einen Knebelvertrag zu bekommen. Dank des Internets ist die kostenlose Verbreitung von Musik ein Problem, immer weniger Leute kaufen CDs, sondern hören nur noch über Spotify oder Dropbox Musik. Was dadurch an immer mehr Zulauf gewinnt, sind sogenannte Crowdfunding Projekte, die den Künstlern die CD-Aufnahmen erst ermöglichen, wie im Falle von TRIAGONAL, die über die polnische Plattform www.wspieram.to in der Lage waren, ihr zweites Album zu finanzieren. Die drei schon etwas betagteren bzw. erfahreneren Herren versuchen sich auf dieser Platte an einer recht interessanten Death Metal-Variante. Da sie nur zu dritt sind, findet jedes Instrument genügend Raum im Songwriting, was notgedrungen zu einem recht basslastigen Sound und in Untiefen gestimmte Gitarren führt, mit unangestrengten Growls im Vordergrund. Dass alle drei ihre Ideen hierzu beitragen, spiegelt sich im Übrigen auch im Bandnamen TRIAGONAL.

„Act of Birth“ zeigt zunächst treibende im Wechsel mit nahezu verspielten groovigen Gitarren und einem erstaunlich unaufgeregten Schlagzeug, der Rhythmus geht fast mehr vom Bass aus. Die Growls sind im klassischen Death Metal der Bay Area zu verorten und erinnern sehr an den guten alten Corpsegrinder von Cannibal Corpse mit einer Prise Groove von Six Feet Under. „Loud ’n‘ Proud“ wartet zu Beginn gesangstechnisch mit einer absoluten Lemmy-Hommage auf, das Songwriting bleibt sehr groovig im Rock’n’Roll-Bereich mit einer Prise Heavy Metal-Kreisch-Gitarren und einem dominanten Bass. Bei „King oft he Hill“ wechseln sich Remos groovige Growls mit basslastigen Rockpassagen ab, unterbrochen von Heavy Gitarren-Ausreißern. Im Refrain hebt sich der Gesang etwas aus den Tiefen der Gedärme, was dem Sänger scheinbar absolut mühelos über die Stimmbänder rollt. Auch auf dem vierten Song „Golden Age“ bleibt der Rock ’n‘ Roll-Faktor im Midtempo erhalten, keine Blastbeats oder zu schnelles Geschruppe, alles zum Fußmitwippen, auch für ältere Semester.

„Halfway my Life“ präsentiert sich mit sauberen Rhythmus-Wechseln, die den Musikern viel Taktgefühl abverlangen. Hier kann man sich richtig vorstellen, wie die alten Herren zusammen in der verrauchten Bar jammen – jedes Instrument darf mal. Trotzdem verliert der Song nie seine Struktur. „Setting the peace“ bleibt in dieser Linie, „Entrapment“ zieht das Tempo zum ersten Mal ein wenig zu Beginn an, bewegt sich aber immer noch im rockigen Bereich. Die Strophe drosselt das Ganze aber sowieso wieder. „Passing away“ schließt textmäßig das Thema und den Rahmen der CD, musikalisch darf hier jedes Instrument noch einmal ran – vor allem das Bassgefrickel fällt ins Ohr.

Für eine Eigenproduktion ist der Sound im Übrigen 1A gemischt – kein Instrument rutscht an der falschen Stelle in den Hintergrund, jedes ist stets zu hören und verschwimmt nicht zu Brei. Die Mischung ist nicht zu räudig oder verhallt, sondern rockig, aber nicht klinisch oder zu verzerrt-herabgestimmt.

Alles in allem ist den Polen mit ihrem zweiten Album ein interessantes Death ’n‘ Roll-Album gelungen, das mühelos seinen Weg in den Gehörgang findet. Die Songstrukturen sind recht einfach gehalten, die Groove-Riffs haben alle simple, aber nicht langweilige Hooks, die den Tracks ihre Struktur verleihen. Wer sich einmal von anstrengenden Dissonanzen oder Blastbeats entspannen will, liegt mit diesem Album völlig richtig.