WIEGEDOOD - De Doden Hebben Het Goed II (Review)
wiegedoodGenre: Black Metal / Post Black Metal
Label: Consouling
Veröffentlichung: 10.2.2017
Bewertung: Heavy! (10/10)

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Tatsächlich erlebt der Black Metal heutzutage ja wieder eine Renaissance, die das Genre aus der starren Ideologie des Trve Cult heraushebt und auch zugänglich macht für weniger misanthropische oder satanistische Texte und weniger demo-ähnlichen Soundnebel. WIEGEDOOD stammen aus Belgien, bewegen sich aber nur bedingt im Fahrwasser der gehypten URFAUST. Dafür gehören sie in den Umkreis des Post Black Metal Künstlerkollektivs CHURCH OF RA, zu dem auch AMENRA oder OATHBREAKER zählen. Ihre zweite CD „De Doden Hebben Het Goed II“ bläst dem geneigten Zuhörer gleich mit dem ersten Akkord auf „Ontzieling“ mächtig um die Ohren – klassische Black Metal Gitarren, die sich vor das soundtechnisch verhaltene, aber ordentlich wirbelnde Schlagzeug drängen. Die Riffs lassen sich gut anhören im Intro-Teil, legen dann in der Strophe aber noch eine ganze Runde zu und werden untermalt von gurgelnden Screams mit mächtig Hall, vielen Höhen und Mitten, dagegen kaum Bass. Das Cover ziert das gleiche Logo wie auf „De Doden Hebben Het Goed“ – ein Symbol aus überkreuzten Ästen, die in einer Dünenlandschaft aufgebaut sind, auch der Titel ist der gleiche wie beim ersten Album.

Bereits im ersten Song zeigt sich das Besondere dieser Combo: klare, aber nicht zu klinische Gitarren, und ein Sound, der weder verhallt noch vernebelt ist. Die Riffs haben absoluten Wiedererkennungswert und werden motivartig immer wieder aufgegriffen, so dass die Tracks nicht aus wahllos aneinander gereihten Ideen bestehen, sondern ein schönes Konzept ergeben.

„Cataract“ verschnauft zu Beginn mit einem kleinen Instrumental, das ebenfalls wunderschön arrangiert ist, und geht dann über in ein recht doomiges Riff, das dem Schlagzeug auch etwas mehr Luft lässt. Später setzt dann wieder ein typisches Black Metal Blast Geschütz ein, das vom Gekreische des Sängers unterstützt wird, der ohrenbetäubende Wut und schrilles Grauen in seine Stimme legt. Die Gitarrenläufe bleiben innovativ und synchron und treiben das Schlagzeug mit Vollgas an. Der Zuhörer gewinnt immer wieder den Eindruck eines klassischen Black Metal Arrangements, das aber sound- und ideentechnisch im 21. Jahrhundert angekommen ist.

Der Titeltrack „De Doden Hebben Het Goed II“ beginnt verhalten mit dissonanten Synthies (?), die an verstimmte Violinen erinnern und auf das Gegurgel und Gekrächze von Sänger Levy gelegt sind. Den Übergang bildet ein fantastisches Dissection-Riff, das an gute alte Tage der Schweden-Black-Szene erinnert. Das hypnotische und dissonante des Intros bleibt über die neun Minuten bestehen und endet im Soundchaos des Outros. Der letzte Song „Smeekbede“ beginnt etwas flotter und mit ungewöhnlichen Tiefen in den Gitarren, drückt aber kurze Zeit später weiter aufs Gaspedal, Blastbeats und Tremolo Picking inklusive – ein mächtiger Song in der Tradition von Gorgoroth oder Inquisition.

Alles in allem gefällt mir besonders die Ausgewogenheit zwischen Black Metal Blastbeat Passagen und gelungenen Melodien, und dass der Sound zwar fast ohne Bass auskommt, aber nicht ein einziger Matsch ist, sondern die Gitarren gekonnt hervorhebt. Für jeden Extrem Metaller ein absoluter Pflichtkauf!