CANNONBALL RIDE – Emerge & See
45808_Cannonball-Ride-emerge-seeGenre: Metalcore / Modern Metal
Label: Office4music
Veröffentlichung: September 2014
Bewertung: sehr gut (7/10)

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Neulich erst erzählte mir ein Freund, dass er sich immer noch schwer täte, Melodic Death Metal und Metalcore auseinanderzuhalten, schließlich seien beides Spielarten des extremeren Metals mit Melodien und teils cleanem Gesang. Lieber Alex (nicht der Chefredakteur hier), lass es mich so sagen: hör doch mal hier rein, ich denke, hier kann ich dir den Metalcore ganz gut erklären. Auch wenn Österreich jetzt nicht für seine ausgeprägte Metalcore Szene bekannt ist, treffen CANNONBALL RIDE das Genre recht gut, auch wenn ihnen vielleicht die extremeren Screams und etwas die genretypische Härte fehlen.

Nach dem Gitarrenintro „Emerge“ startet die nicht mehr ganz aktuelle CD mit „Until Time Suspends“ mit einem Gitarrenriff, das sich im Laufe des Songs als Hook wiederholt, darüber sind sowohl Growls als auch ein Chor mit mehrspurigem Gesang gelegt. In der Strophe findet sich eine recht tiefe Rhythmus-Gitarre, die ein Lead-Solo trägt, der Refrain ist annähernd clean. Vermisst werden dagegen astreine Death-Screams, die für das Genre typisch wären. Dafür gibt es Bassdrops– eine Zeitlang ein absolutes Muss in der Core-Szene, aber vielleicht schon wieder etwas überholt. Die Texte befassen sich – anders als im Death Metal – mit sozialkritischen oder Alltags-philosophischen Themen, wie auf „FFWD2K13“, das sich Gedanken zum Sinn des Lebens macht: „We’re dying by trying to live“. Dieser Song reduziert am Ende das Tempo etwas in einer Verschnaufpause und gibt den Melodien mehr Raum.

„Soon Ripe Soon Rotten“ hat sogar noch ein paar Breaks / Breakdowns parat, die hohen Gitarrenläufe bleiben im Hintergrund und rücken den gedoppelten Gesang in den Vordergrund. Der Refrain ist klar abgegrenzt und eignet sich sicher perfekt zum live mitgrölen. „Trial and Error“ zeigt ein grooviges Riff, das zwar etwas gebreakdownt wird, aber in der Strophe dann weiter mitlaufen darf, unterstützt vom flotten Bass. Eine kurze ruhige Clean-Passage leitet den restlichen Part des Songs ein, der den Groove vom Anfang leider nicht noch einmal aufnimmt. „New Sick Industry“ wartet mit einem Rock ‚n‘ Roll Riff auf, das auf eine Akustik-Gitarre gelegt ist, das Schlagzeug steuert vornehmlich Bassdrums und TomToms bei. Das kurze „And See“ mutet schon fast balladesk-romantisch an, die Drums imitieren im Hintergrund den menschlichen, unaufgeregt ruhigen Herzschlag.

„Hide and Seek“ zeigt ein recht grooviges Riff mit Kopfnickfaktor– hier ist der Hitfaktor versteckt! Die Gitarren bleiben in den Höhen, der Bass gibt den nötigen Groove-Schub. Aber natürlich darf der obligatorische Verschnaufer nicht fehlen, der dem gedoppelten Clean-Gesang mehr Raum gibt. Auf „Ariadne“ schaltet sich noch eine weibliche Gastsängerin mit ein, die Sänger Siegfried unterstützt. Soundtechnisch gibt’s hier nur für Erbsenzähler was zu meckern, der Fokus liegt auf den Höhen und Mitten, die sehr clean und ausgewogen abgemischt sind.

Alles in allem haben CANNONBALL RIDE hier den Metalcore sicher nicht neu erfunden und bewegen sich auf unexperimentellem und unaufgeregtem Gebiet, aber das tun sie mit Sicherheit routiniert. Persönlich fehlen mir härtere Passagen mit ordentlich brutalen Screams, in denen der Sänger noch mehr Gas gibt. Aber wem der Clean-Gesang wichtig ist (Alex?), der liegt hier sicher genau richtig.