DESULTORY - Through Aching Aeons (Review)
Desultory-CoverGenre: Death Metal
Label:PHD & Soulfood
Veröffentlichung: 23.06.2017
Bewertung: Heavy! (10/10)

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Wer sich schwedischen Death Metal auf seine Lieblingsgenre-Fahne geschrieben hat, der sollte DESULTORY auf jeden Fall kennen, und wenn es nur aus den guten alten 90ern ist. Die Urgesteine gibt es tatsächlich schon seit 1989, allerdings haben sie insgesamt nur vier Alben veröffentlicht. Zwischen der Auflösung 1996 und 2010 klafft eine Lücke, in denen die Mitglieder andere Projekte verfolgten. Nach sieben Jahren gibt es nun endlich den Nachfolger, der allerdings als ultimativ letztes Studioalbum der Schweden beworben wird.

Zu hören gibt es den klassischen Schwedentod, der mit perfekt ausbalanciertem Sound ohne zu viele Ecken und Kanten, schweren, aber nicht ins bodenlose gestimmten Gitarren, kräftigen Growls und wohl dosierten Vollgas-Passagen, die weder Härte noch Melodie vermissen lassen, aufwartet. „Silent Rapture“ beginnt ohne Vorlauf und Geplänkel, so wie ich das mag. Die Growls sind überraschend verständlich, wenn man ein bisschen genauer hinhört. Dazu gibt es gut dosierte Basslines hinter klassischen Death Riffs, die aber durch den glasklaren Sound eher in die melodischere Ecke rutschen und schon mehr an AT THE GATES erinnern, nur ohne Screams, als an die alten ENTOMBED und Konsorten. Die Bassdrum und die Toms kommen gut durch und unterstützen die variablen Gitarrenläufe abwechslungsreich und technisch raffiniert.

„Spineless Kingdom“ macht genau dort weiter, wo der erste Song aufgehört hat und legt an Tempo noch eine Schippe drauf, so dass er nun mehr nach der alten Schule von DISMEMBER klingt. „Through Aching Aeons“ legt mit einem groovigen Riff los, das nach einem kurzen Metzel-Intermezzo basslastig weitergeführt wird. Sänger Klas gurgelt dazu munter, bevor die Strophe in einen fixen melodischen Part übergeht. Dieser Song hat definitiv Hitpotential, hier zeigt sich das komplexe und grandiose Songwriting der Routiniers, deren Album vor Ideen schwirrt.

Bei Song Nummer vier „In this Embrace“ zeigen die „alten Herren“, dass sie auch Blastbeats, Basssoli und klirrige Math-Moll-Gitarren können – aber nur als kleines Zuckerl zwischen treibenden Death-Melodien. „Beneath the bleeding Sky“ klingt schon allein aufgrund des Titels nach Allstar-Death Metal. Dieser Song beweist, dass es noch so viele ungespielte Riffs und Soli gibt, die nicht verwelkt und durchgekaut klingen. Eine Atempause ist für den Zuhörer erst am Ende des Songs mit einem kurzen Akustik-Zwischenspiel vorgesehen, so dass das Album sich erst hier mal zum Verschnaufen unterbrechen lässt. Dadurch ist es aber auch wirklich kurzweilig geraten, perfekt für eine graue Autofahrt auf einer kerzengeraden Autobahn nachts um vier.

„Slither“ beginnt grabesschwer, unverkennbar basslastig und mit einem schwer beschäftigten Schlagzeuger, der alle seine Geräte abwechselnd rührt und bearbeitet. Der Titel lässt sich hier live bestimmt gut mitbrüllen. „Divine Blindness“ startet mit einem verhallten Piano, das klingt, als würde es ein Kind spielen – was tatsächlich Horror ist. Danach gibt es mächtig auf die Death Metal-Mütze mit kräftigen Tom-Wirbeln und leichten Melodieanklängen.

Zusammengefasst müsste ich jetzt wirklich ein furchtbarer Erbsenzähler sein, um dem Album etwas Schlechtes zuzusprechen. Klar, ich steh nicht auf das Piano-Geklimper, manche mögen meinen, der Sound ist vielleicht zu steril, aber ehrlicherweise ist es einfach ein Wahnsinns-Album, das Professionalität und Ideenreichtum beweist. Ein absolutes Muss für jeden Schwedentod-Verehrer!