SOUL DEMISE – Thin Red Line
1000x1000Genre: Melodic Death Metal
Label: Apostasy
Veröffentlichung: 19.05.17
Bewertung: Klasse (8/10)

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Franken ist tatsächlich nicht nur für seine ausgezeichnete Bier-Infrastruktur bekannt, sondern auch wirklich für seine ausgesprochen netten und lustigen Zeitgenossen – mit denen man natürlich auch immer gerne „a Bier“ trinken darf. Mit diesem unglaublichen Sympathiepunkt, den man sich im Übrigen auch gern live von den spielfreudigen Jungs vorführen lassen kann, starte ich in die Bemusterung der neuen Scheibe von SOUL DEMISE: Thin Red Line, etwas, das man sicher nicht so einfach übertreten sollte und auch irgendwie nach „dünnem Eis“ klingt.

„Plagued by Fear“ beginnt zunächst mit einem At the Gates-Riff, das sich nur kurz von anmutigem Akustik-Geklimper unterbrechen lässt. Die Screams von Sänger Roman werden zudem noch von tieferen Growls unterstützt, was in Punkto Variabilität eine feine Sache ist. Die Gitarren hacken sich in Holzfällermanier durch den Song, unterstützt durch ein wenig basslastiges Schlagzeug, schnelle Passagen wechseln sich mit blastbeatartigen ab. Weiter geht’s mit einem „Desperate Cry“, der zunächst mit schönen Gitarrenmelodien punktet, um dann wieder ins Fahrwasser der alten Schweden zu gleiten, was insgesamt Kopfnick-Charakter hat, Zeit zum Verschnaufen bleibt hier nur wenig in einer kleinen Breakdown-Pause in der Mitte des Songs. Den Göteborg-Sound haben die Jungs wirklich drauf, soviel ist hier schon klar. „Deceive the Masses“ beginnt mit einem kleinen Akustik-Intro, das das Midtempo passend einleitet. Das etwas dunklere Riff leitet über zur Strophe, die erst nach kurzem Zögern in mehr Tempo und Doublebass einsteigt. Im Wechsel zwischen Vollgas und Midtempo bewegt sich der Song auf unterschiedlichen Riffs, die lose verknüpft sind. Den Göteborg zaubern hier die mittigen cleanen Gitarren, die auf ein klassisches Death-Schlagzeug gebettet sind. Screamer Roman versorgt den Track mühelos mit seinem Geschrei.

„Empty“ wartet mit einem wahnsinns Refrain auf, der ohne Breakdown, dafür mit einem Doublebass-Teppich und soloartigen Gitarren durchstartet – so hätte ich mir ja immer eine neue In Flames Scheibe gewünscht. Die Melodien hier erinnern wirklich an alle schwedischen Melodic Death-Größen, die einem so einfallen. In der Strophe dagegen geben SOUL DEMISE ein bisschen mehr Gas, als man es von anderen Melodic Deathern gewohnt ist. Besonderes Kennzeichen sind die häufig eingesetzten Ride-Becken im Hintergrund mit ihrem charakteristischen „Pling“. Einziges Manko dieses Songs: er ist mir fast ein bisschen zu schnell rum. „Live on the Edge“ scheint mir angesichts des Albumtitels ein passender Ratschlag und wartet mit einem netten Gitarrensolo ohne zu viel Gekreische zwischen den Vollgas-Passagen auf. Der Refrain wird hier vor allem von den Growls getragen, die sich mit den Screams battlen. „Frustration“ schreit und prügelt sich dieselbe ordentlich heraus. Etwas hektisch wechseln hier alle Tempo-Arten wild zwischen Strophe, Refrain, Solo und Bridge hin und her. Groovig ist der Song trotzdem allemal. „Braindead“ hat ein kurzes Akustik-Intro, was zwischen den meist Midtempo-Passagen immer wieder aufflammt.

Insgesamt haben die Franken hier ein wahnsinns Melo Death-Album der härteren Gangart eingespielt, das vor allem mit groovigen und straighten Melodien punktet. Dass die Band viel Kreativ-Potential hat, merkt man an den zeitweise etwas hektisch aneinandergereihten Riffs, die viele Ideen in einem Song unterbringen. Der Sound ist ordentlich, könnte aber meiner Meinung nach noch etwas satter ausfallen. So klingt er eher etwas retro, was natürlich auch gewollt sein kann. Daumen weit nach oben! Landet definitiv im Auto und nicht im Regal.