DON'T TRY THIS - Wireless Slaves
Don't Try This - Wireless SlavesGenre: Modern Metal
Label: Boersma Records
Veröffentlichung: 31.03.2017
Bewertung: Gut (6/10)

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Das Cover von „Wireless Slaves“ suggeriert ein leichtes 2000er Feeling, obwohl wir uns ja eigentlich in 2017 befinden und DON’T TRY THIS seit noch nicht allzu langer Zeit bestehen. Über die Schrift scheinen sie sich auch nicht ganz einig gewesen zu sein, da macht man halt beides damit auch ja keiner schmollend in der Ecke sitzen muss. Die Tracklist scheint fast ausschließlich aus kitschigen Titeln zu bestehen wie „My Burden“ oder ganz klassisch „Living A Lie“  und als wäre das noch nicht genug, steht das Ganze unter dem „Modern Metal“-Stern, was also so ziemlich alles heißen kann. In diesem Fall geht es in Richtung Metalcore mit schwankender Leistung, aber es gibt auch ein paar schöne Momente, die man hier auf gar keinen Fall außen vor lassen sollte.

Alles beginnt mit wohltuenden Synthesizern, die aber, sobald man sich daran gewöhnt hat, kurzerhand in deftige Gitarren übergehen, die schreddern was das Zeug hält und mit den Drums im Einklang die ersten Takte mechanisch zelebrieren. Es dauert nicht lange, bis man sich eingehört hat, denn trotz mehrerer unterschiedlicher Parts, sind die Übergänge so fließend, dass man einen Wechsel fast gar nicht bemerkt. Jedes Instrument ist wie ein Puzzelteil in das Gesamtbild eingefügt und bei dem schon beinahe eskalierenden Breakdown gegen Ende, merkt man wie viel Druck dadurch aufgebaut werden kann.

Unbemerkt geht es dann ohne Umwege mit „When They Rise“ weiter, das hauptsächlich durch volle Growls überzeugt, denn wenn man sich mal den Chorus anhört, fällt auf, dass der Clean Gesang zwar nicht nervig klingt, aber in diesem Song, gelinde gesagt, sehr langatmig ist. Dafür scheint sich aber eine Game-Musik ähnliche Melodie eingeschlichen zu haben, die den Track noch einmal komplett aufpeppt und einen anderen Flair in die sonst relative gleichbleibende Gitarrenarbeit bringt.

Allerdings ist das nicht das einzig interessant komisch Klingende was man auf „Wireless Slaves“ erfahren darf. In „Falling Deeper“ quält sich ein Glockenspiel durch eine gezwungene Ballade, die lyrisch nur so vor Schmalz klebt, dass man froh ist, wenn sie vorbei ist. Zudem fehlt etwas tieftöniges in diesem Song, das ein wenig Bauch und Fülle bringt, weil es insgesamt einfach viel zu dünn klingt. Zum Teil mag das auch an der Weise liegen, wie die Akustik Gitarre abgemischt ist, denn die scheint nichts außer extreme Höhen zu kennen.

Wo wir schon bei schrecklich sind, machen wir gleich kurz und schmerzlos mit „I.W.N.F. vs. Polytox“ weiter, das einfach nur der Track „I Will Never Forget“ in elektronisch ist. Es mag vielleicht bei einigen Sachen ganz gut klingen, hier ist es aber nichts weiter als der Pinkelsong im Club, denn die Screams dazwischen passen allein nur in dem Dubstep-Einschub, der mal eben dazwischen geworfen wird.

Dafür ist aber der Vorgänger „Living A Lie“ sehr schön anzuhören. Zu Anfang ist nur ein wohltuendes Piano, ein Cello und Sänger Carlo zu hören und anders als bei „Falling Deeper“ geht alles locker flockig von der Hand. Auch mit dem Hall wurde hier ganze Arbeit geleitet, nicht zu viel und nicht zu wenig kreieren eine gelungene Atmosphäre, die die Steigerung mit dem Einstieg der ganzen Band perfekt macht. Als es dann später wieder in den gutturalen Gesang übergeht, sind die Streicher schon fast wieder komplett vergessen, man kann sie lediglich nur noch von weit hinten vernehmen. Einen schnieken Breakdown gibt es wie erwartet auch hier, allerdings ein wenig zu mechanisch für meinen Geschmack, wobei dies wiederum einen interessanten Kontrast schafft, gegenüber dem sonst so melodiös beeinflussten Hauptteil. Um dem Song alle Ehre zu machen, haben DON’T TRY THIS ein ausladendes Outro gebastelt, das wieder ein Stückchen an den Beginn anknüpft.

Die Band mag zwar DON’T TRY THIS heißen, doch allzu ernst sollte man das nicht nehmen. Leider sind die Höhen und Tiefen des Albums deutlich spürbar, was zum einen schnell die Freude des Musikhörens mindert und zum anderen auch ein wenig anstrengend ist. Da freut man sich mal über eine gelungene Passage, wird dann aber direkt im nächsten Song wieder enttäuscht. Aber das nächste Album soll ja schon in Planung sein und vielleicht ist „Wireless Slaves“ auch nur als schüchternes „Hallo“ zu verstehen, das sich in eine gewaltige Lawine verwandelt, sobald die Jungs einen Fuß in der Tür des Musikbusiness haben.