EPSILON – Zu Richten (Review)
Epsilon_-_zu_richtenGenre: Death Metal
Label: Mighty Music
Veröffentlichung: 2015
Bewertung: sehr gut (7/10)

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Die Spielarten des Death Metal sind so schillernd wie die Musikgeschmäcker der breiten Fangemeinde dieser Abart des Metals. Von Hybriden des Doom/Death über Thrash/Death oder Deathcore ist alles denkbar und möglich, genauso wie Melodic Death oder Brutal Death. Im Falle der Österreicher von EPSILON handelt es sich um recht räudigen und rohen Death Metal der Kategorie purer Death Metal. Dominant sind tiefgestimmte Gitarren, Growls und wenig tragende Melodien unter einem auf der Straße zusammengekehrten Sound.

„Explicit enough?“ startet ohne Geplänkel und Schnörkel auf die zwölf mit auf Z gestimmten Gitarren und einem scheppernd-blechernen Schlagzeug, das die Riffs vorwärtstreibt. Gesanglich wechselt das Ganze zwischen klassischen tiefen Growls und einer gepressten höheren Variante. Soundtechnisch würde ich die Platte zwischen alten Schwedentod und neuen Ami-Lärm stecken, das Dreckige ist gewollt und gekonnt. „Witness my transformation evisceration“ präsentiert sich ähnlich räudig, beim Gesang fällt das aggressive Rollen des „r“ in der Bridge auf, das von heulenden Gitarren getragen wird. Die Strophe ist basslastig, das Schlagzeug versteckt sich etwas im Hintergrund, trommelfeuert aber unaufhörlich auf die Ohren des Zuhörers. Die Riffs sind klar strukturiert, so dass man sie sich auch beim ersten Hören schon einprägen kann – Schnörkel und Feinheiten gibt es hier dann allerdings nicht zu erwarten.

„I shall feast on the flesh of my enemies“ drosselt das Tempo der Gitarren etwas in den Groove-Keller, während der Drummer unaufhörlich sein Kit bearbeitet. Der Gesang wächst sich zudem zu einer Art schnellem Sprech-Gegrowle aus. Ein bisschen Gitarren-Virtuosität taucht als Doppelgeklimper in der Mitte des Songs noch auf. In deutscher Sprache geht es weiter mit „Ein zarter Hauch von Menschlichkeit“ – was dann gesanglich auch klingt, als wäre Lindemann im Death Metal gelandet. Erstaunlich, wie die Sprache den Charakter eines Songs verändern kann. Der Refrain bremst das Tempo etwas, der Rest ist wie gehabt in den tiefsten und dreckigsten Kellern des Genres. Ein kleines Gitarrensolo schreit sich aber noch quer durch den Track. „Nutzmensch Agonie“ schwimmt im gleichen Fahrwasser und denkt nicht daran, dem Zuhörer eine Atempause zu gönnen. Textlich befasst sich der Song tatsächlich mit der Vorstellung eines Menschen als Stück Fleisch, was den einen oder anderen zum Nachdenken anregen mag. „Can they suffer“ galoppiert die erste Strecke im Rhythmus, vorangetrieben von einem thrashigen Gitarrensolo und wildem Getrommel, das wenig filigran wirkt. Hier prügelt und frickelt sich die Combo gnadenlos durch den Song. „Im Namen Gottes“ zeigt ungewohnt sanfte, aber dissonante Gitarrentönen, die als Interludium einen kleinen Verschnaufer zulassen.

Alles in allem haben EPSILON hier ein echt solides Death Metal Werk vorgelegt, das nicht mit Feinheiten und Verspieltheiten, sondern mit Brutalität und unentwegtem Trommel-Pegel aufwartet. Der Sound ist maximal verzerrt, blechern und dreckig, aber nicht zu verhallt oder neblig. Die Songstrukturen sind im Allgemeinen recht geradlinig. Abzug gibt’s von mir persönlich für die etwas unabwechslungsreichen Frequenzen und das Schlagzeug, das mir zu sehr in den Hintergrund gemischt ist.