THE ONE HUNDRED - Chaos + Bliss
The One Hundred - Chaos + BlissGenre: Rapcore/Metalcore
Label: Spinefarm Records
Veröffentlichung: 02.06.2017
Bewertung: Klasse (8/10)

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„Chaos + Bliss“ fungiert hier nicht nur als Albumtitel, sondern beschreibt auch ganz gut, wie man sich nach dem Hören dieses Werkes fühlt. Irgendwie verwirrt, aber trotzdem mit einem warmen Gefühl von Glückseligkeit im Bauch. Hier treffen aggressive Screams auf laid-back Rap-Parts, die futuristisch angehaucht scheinen, man aber irgendwie nicht konkretisieren kann, wo genau dieser Vibe letztendlich herkommt. Um das Ganze in Worte zusammenfassen zu können, bräuchte man an dieser Stelle eine der ellenlangen, selbst ins Leben gerufenen Genrenamen, über die man ab und an mal stolpert und sich wundert, wo man so etwas überhaupt ausgraben kann.

Mit dem Opener „Dreamcatcher“ legen die Jungs schon ordentlich vor, selbst wenn es kein halsbrecherisches Tempo zum Anfang gibt, treibt der Song merkbar nach vorne. Zügige Riffs gepaart mit einem basslastigen und recht elektronisch klingendem Schlagzeug, bringen den Hau-Drauf-Charakter zum Vorschein. Zwischendrin legen die fast kreischenden Screams vom Sänger noch einmal eins drauf und sind so ernst, dass man meint, wenn man zu diesem Zeitpunkt immer noch steif vor der Anlage sitzt, hat man lebenslanges Fernsehverbot. Im Verse wird einmal kurz an Lautstärke zurück gefahren, jedoch hält das nicht lange an, bis sie wieder in die Vollen gehen, denn der Chorus kommt ganz ohne Clean Gesang aus und somit sind wir wieder zurück im beruhigenden Chaos.

Der darauf folgende Track „Monster“ spiegelt dann zum ersten Mal die vollwertige Hip Hop Attitüde THE ONE HUNDREDs wieder. Ein korpulenter, dröhnender Bass und Synths geben hier den Ton an, zumindest im Verse, denn danach geht es zügig Richtung Metalcore weiter, allerdings ohne den elektronischen Einfluss zu verlieren. Gegen Ende des Songs wird einmal dezent angedeutet, dass die Jungs gelegentlich gerne mal eskalieren und somit schaffen sie eine Grundlage, von der aus man in etwa erahnen kann, auf was man sich bei diesem Album noch einlassen darf.

Ab und zu könnten grade die Refrains etwas mehr Bums bekommen, da zum Beispiel „Dark Matters“ schon sehr, sehr poppig klingt. Wobei ich mich da ernsthaft frage, ob es nicht absichtlich so abstrakt „falsch“ gewählt wurde, da der Song auch seine harten Parts hat und THE ONE HUNDRED auf eine Weise nach vorne preschen, bei der man ihnen einen solch einfachen Kontrast todernst abnimmt.

Bei „Boomtown“ mischen sich weibliche Guestvocals ins Gesamtbild, die im Chorus ein krasses Ping Pong Spiel abliefern und den Song zwischen all den anderen ein wenig hervorheben. Beim C-Part wirds dann wieder deutlich elektronischer, ohne aber zu sehr abzudriften.

Der Titeltrack ist jedoch auch nicht ohne. Er beginnt mit aggressiven Gitarren-Riffs, bis nach ein paar Sekunden die Bass Drum fast das Trommelfell zum bersten bringt. Insgesamt ist dieser Song vom Aufbau betrachtet sehr einfach und musikalisch nicht direkt anspruchsvoll, dafür überzeugt er allerdings durch die Mischung aus „straight in the face“ und der anfangs bereits erwähnten „laid-back“ Einstellung. Gegen Ende dürfen wir wieder einmal Zeugen einer derben Eskalation werden, bis alles nach etwas mehr als drei Minuten schon vorbei ist.

Zum Schluss muss hier noch einmal gespoilert werde, denn auf „Chaos + Bliss“ befindet sich noch ein Hidden Track, der rein elektronisch funktioniert und leider nichts mehr als der Abspann im Kino ist, den anscheinend nie jemand sehen will. Aber da er ja nur eine kleine Spielerei am Rande ist, soll es nicht weiter dramatisch sein und man kann schließlich auch ganz gut nach dem letzten Track wegschalten.

„Chaos + Bliss“ ist eine Platte, die sich irgendwo zwischen einem sehr modernen REFUSED und einem weniger straighten ENTER SHIKARI einordnen lässt und voller Passion steckt. THE ONE HUNDRED scheinen die volle Ladung an Selbstbewusstsein genascht zu haben und genau Bescheid zu wissen, was sie machen müssen um gute Songs zu schreiben. Selbst die Rap- bzw. elektronischen Parts wurden so eingebaut, als wären sie Gang und Gebe und es wäre komisch, wenn sie eben nicht da wären. Allerdings ist das Album sehr wahrscheinlich nicht für jederman etwas, da man eben nicht nur ab und zu mal einen kleinen Genrebruch miterlebt, sondern durch ein wildes Durcheinander geschickt wird.