LIVER OF A DUCK - Perfect Gift
19389639_1619429508077027_1501695123_nGenre: Crossover Metal
Label: Eigenproduktion
Veröffentlichung: 23.6.2017
Bewertung: sehr gut (7/10)

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LIVER OF A DUCK – na, was habt ihr bei dem Bandnamen so erwartet? Französischen Entenstopfleber Metal? Comedy Metal? Grindcore? Naja, ohne Spaßfaktor geht es bei der Band nicht, das betrifft aber zum Glück vor allem die Texte und Songtitel und nicht das Niveau der Tracks. Die jungen Münchener nennen ihren Style Crossover Metal, was aber nichts mit dem 90er Jahre Phänomen á la Clawfinger oder Dog Eat Dog zu tun hat, sondern eher mit einem Stilmix, der zwischen (gemäßigten) Metalcore und Groove Rock schwankt und sich vor allem im Midtempo ohne Blastbeats bewegt.

„The Chairstorm“ beginnt mit einem sanften Akustik-Intro in Art einer spanischen Flamenco-Gitarre, geht dann aber schnell in den ersten Metal-Schauer über. Die Gitarren sind heavy gestimmt und nicht zu sehr gedroppt, die Riffs sind straight, im Midtempo und nicht zu verspielt. Die Shouts dagegen sind recht hardcorelastig, werden aber noch von deathigen Screams unterstützt. Auf das Outro (Originalzitat: „Was für ne Scheiße“) geh ich jetzt mal nicht näher ein.

Eine Überraschung gibt’s gleich beim nächsten Track „Sometimes my duck has a hole“, der recht groovig und mit cleanem Heavy-Gesang beginnt, der von quetschigen Gurgelgrowls in Sprechmanier unterbrochen wird. Die Riffs sind groovig, bleiben aber eher im Hintergrund, wohingegen sich das rockige Solo mit dem Gesang battlet. Ich bin mir nicht ganz sicher, ob der Text nicht eher „dick“ statt „duck“ lautet – aber auch das macht ja nicht so hundertprozentig Sinn. „Weirdo“ hat cleane und Akustikpassagen, wie auch stark verzerrte Growl Heavy Parts. Das Schlagzeug ist insgesamt recht reduziert und treibt die Songs vor allem durch den Einsatz der Becken vorwärts, insbesondere des Hi-Hats.

„Interlude“ ist eine lustige Verschnaufpause, die wie von einem typischen Comedian am Piano klingt, der Stories erzählt, und ein kleines Witzchen zum Besten gibt, wie später dann auch „Interlude 2 und 3“. „Perfect Gift“ groovt sich von Anfang an ein, zusammen mit den Gurgel Growls eine interessante Mischung. Das zunächst eher gemäßigte Tempo zieht dann etwas an, so dass man das Gefühl hat, Gitarre oder Sänger, einer von beiden wird gleich stolpern – beide fangen sich dann aber doch noch und hauen ein Pantera-Riff raus, das ordentlich groovt. Im Übrigen scheint die Ente wohl das perfekte Geschenk zu sein.

„Liveramarth“, wohl der kleine Bruder von Amon Amarth, beginnt wieder verhalten akustisch und gediegen im Tempo, was sich dann langsam zu einem schönen bassgetriebenen Riff steigert, das glücklicherweise ohne Breakdowns oder zu viel Gefrickel auskommt, nur ein bisschen Doublebass darf mit von der Partie sein. „Lights in the Fog“ startet mit einem Riff, das – ohne den Gesang – locker auf der schwarzen Metallica Platte als Ballade Platz gefunden hätte. Dann schalten sich zwei Gesangslinien, die vielleicht nicht immer genau auf Tonhöhe sind, und eine Akustikgitarre dazu. Man stellt sich einen Schlagzeuger auf einem Cajón, einem Kistenschlagzeug vor, dann bekommt man das Feeling für den Song.

„Hannibal“ beginnt dissonant in Korn-Manier mit langsamen Akustikparts, unterbrochen von growlig-verzerrten Parts, der Sänger schreit und verausgabt sich durch alle Ton- und Hasshöhen, manchmal mehr, manchmal weniger verzerrt. „Oil“ erinnert wieder etwas an Pantera – groovig-verzerrt im Southern Rock Style, „Dusk“ (passender Titel für den letzten Track) nimmt zunächst Fahrt auf, bremst aber für einen cleanen Zwischenpart.

Insgesamt muss man den Münchenern zugutehalten, dass sie ihre Aufgabe als Entertainer sehr ernst nehmen und den Zuhörer sowohl abwechslungsreich und kurzweilig unterhalten als auch belustigen. Das macht es auch etwas schwierig, ihren Stil in eine Schublade zu stecken – für mich klingt das Ganze ziemlich nach 90er Metal, irgendwie auch vom (Proberaum) Sound her, der naturgemäß etwas dünn ausgefallen ist, vor allem im Bereich der Tiefen und des Schlagzeugs. Aber hier spricht ja auch der Soundfetischist. Ein bisschen mehr Druck und Gas könnten nicht schaden. Aber wer nicht auf todgebügelten Einheitsbrei steht, ist bei dieser Scheibe sicher gut beraten.