ZEIT –  Konvergenz
Cover KonvergenzGenre: Black/Sludge Metal
Label: Eigenproduktion
Veröffentlichung: 2.6.2017
Bewertung: Klasse (8/10)

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Zurzeit liest man immer wieder, dass sich der Black Metal in der Krise befindet und es verschiedene Ansätze gibt, diesen genresprengend zu reformieren, sowohl in musikalischer als auch ideologischer Hinsicht. Mir kommt das ganz entgegen, denn mit trvem Gehabe (ausgenommen Corpse Paint, das geht immer) und Soundnebelmatsch konnte ich noch nie was anfangen, dagegen mehr mit ordentlichen Produktionen, netten Screams und kreativem Songwriting. Die Leipziger Jungs von ZEIT haben sich auf ihrem ersten vollen Album „Konvergenz“ im Zuge dieser Reformation des Black Metals auf die Fahnen geschrieben, sich den Wurzeln nähern zu wollen, ohne sich von Klischees limitieren zu lassen. Wir schauen, ob das gelingt.

Der erste Song „Verzerrt“ beginnt mit einem kleinen Akustik-Intro, bevor die ersten (gemäßigten) Blastbeats einsetzen. Der Schlagzeuger wirbelt sich durch alles, was das Drumkit hergibt, dominant sind aber dumpfe Toms und splashige Becken. Was gleich auffällt, ist, dass alle beteiligten Instrumente ausgewogen gemischt sind und nicht zu viel Hall abgekriegt haben. Die Bridge entschleunigt den Song etwas, die Riffs sind nicht verspielt, sondern eher reduziert, sogar sehr basslastig in diesem Teil. Sänger Fur bereichert das Ganze mit gurgelnden Screams, die irgendwo im Kehlkopf sprudeln müssen. „Rand“ zeigt die für das Genre nicht untypischen Punk/Sludge-Einschläge und bleibt im angenehm groovigen Midtempo – eine spannende Mischung zwischen Grooves und Screams. Hier geht ein Danke an den Mischer, der sogar das Schwingen der Basssaiten eingefangen hat – sehr cool. In einigen Passagen erhöht sich das Tempo schleichend. „Nichts“ bleibt in diesem Fahrwasser, groovige tiefe Gitarren, hart angeschlagene Basstöne, ein treibendes Schlagzeug, das zwischendurch auf die Blastbeat-Tube drückt. Dem Titel angemessen gibt es nur sparsam Gesang – „wir sind nichts“.

„Trüb“ präsentiert sich doomig und nimmt nur langsam Fahrt auf, die Riffs sind abwechslungsreich, aber nicht überladen, sondern stets geradlinig. Die Instrumente ergänzen sich und spielen miteinander, so dass der Zuhörer folgen kann. „Weiter“ bietet wieder ein eher minimalistisches, aber enorm treibendes Riff, das rhythmisch erneut recht sludge-punklastig ist und keine Höhen enthält. In den schnelleren Parts ist das Arrangement weniger übersichtlich und verschwimmt bis auf das Schlagzeug etwas. „Kalt“ startet mit einem schönen dissonanten Black Metal Arrangement, in das sich aber schnell wieder der gar nicht undominante Bass einmischt. Obwohl das Midtempo der Band gut steht, sind hier die hastigeren Passagen angenehm hörbar und nicht monoton matschig. „Unten“ mutet von den Tiefen und den Grooves fast deathig an, nur der Gesang verortet das Ganze wieder im Black Metal. Das Schlagzeug hält sich hier vor allem im notwendigen Bereich auf. Gegen Ende gibt’s dann noch dissonante Höhen zu hören. „Latenz“ bewegt sich am Ende zwischen Doom und Midtempo.

Zur Verortung der Scheibe im Black Metal tragen vor allem der Gesang und die klopfend-dumpfen Schlagzeugpassagen bei, ansonsten ist das Werk recht bassig-groovig und vom Songwriting oft im Sludge-Fahrwasser. Die Riffs klingen frisch und unverbraucht trotz ihrer Reduziertheit, die Kreativität spielt sich vor allem auf der Ebene des Arrangements ab. Mir gefallen vor allem die Midtempo Passagen, die mit den dissonanten Höhen spielen. Wer nicht an klassischem Black Metal hängt, sollte dieser Platte definitiv mal eine Chance geben, auch wenn die Rhythmik an manchen Stellen vielleicht etwas hakt.