BLIND MESS - Blind Mess
Blind Mess - Blind MessGenre: Hard Rock / Rock'n'Roll
Label: Eigenproduktion
Veröffentlichung: 16.06.2017
Bewertung: Sehr Gut (7/10)

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Das Trio hat sich 2016 erst frisch gegründet und dieses Jahr ihr erstes Werk veröffentlicht, welches, ohne Zweifel, ein wenig in der Vergangenheit geblieben ist. Allerdings nur, was den Stil und nicht die Qualität betrifft, denn nicht selten kann man MOTÖRHEAD ähnliche Passagen entdecken, die aber alles andere als bloße Abkupferungen sind.

Gleich im Opener „Ship Of Fools“ geht es sehr groovig mit gemütlichen Ein-Takt-Riffs los, die zwischen Verse und Chorus noch einmal wechseln und nie zu schwer sind um sie noch gut nachverfolgen zu können. Als Basis dient ein Schlagzeug, dessen Snare primär an eine Blechdose erinnert, dennoch den Zweck der treibenden Kraft erfüllt und sich ordentlich tight anhört. Die Vocals glänzen mit einem leichten Raucharoma und fügen sich wie flüssige Butter in die Lücken der Riffs ein, als würden sie zusammen mit der Instrumentalfraktion eine Person bilden. Zudem liegt ein etwas ungewohnter Reverb auf dem Gesang, an den man sich zu Beginn noch gewöhnen muss, mit der Zeit aber den charakteristischen Twist zu schätzen weiß.

Der Track „Black Mess“ läuft deutlich mechanischer ab und lebt von langwierigen Riffs, die jedoch zu keinem Zeitpunkt langweilig werden, da viel mit dem Gesang und einer Solo Gitarre im Chorus gespielt wird. Außerdem gibt es vor dem eigentlichen Solo einen kurzen Moment, in dem Mal der Bass und die Drums ungestört alle Aufmerksamkeit bekommen, doch dies dauert gefühlt nur einen Augenblick an, bis der Fokus wieder auf die Gitarre gelenkt wird. Eigentlich schade, wenn man bedenkt, dass bei einfach gehaltenen Songstrukturen durchaus mal ein wenig frischen Wind gut tut.

Das selbe „Problem“ gibt es ein wenig später auf dem Album bei „Crach“ noch einmal, wo der Bass Hauptteil des Intros ist. Da ist man voller Freude, mal ein wenig mehr von der Rythmusfraktion zu hören, doch das wird wieder zu schnell durch die hereinstürmenden Gitarre zunichte gemacht. Dafür glänzt dieser Song mit einer kleinen Eskalation, sofern man im Rock’n’Roll davon sprechen kann. Es ist eben eine an das Genre angepasste Eskalation, die ausnahmslos geil geworden ist und nicht nur ein auf biegen und brechen lang gezogenes Outro ist.

Bei „Capricorn“ lässt das Intro vermuten, dass sich der Song im Verse bereits lautstärkenmäßig steigert, doch das passiert erst sehr dezent im Chorus und dort fehlt noch etwas melodiöses, da die Bridge schon ohne musikalische Farbtupfer einheitlich abgehackt ist und somit einfach nur stumpf klingt. Auch die gepressten Vocals tun dem nichts Gutes, sondern verstärken diesen Effekt leider nur noch.

Und grade bei diesen gepressten Parts geht viel Emotion den Bach runter. Genau wie beim letzten Track „The Money“, wo Sänger (und Gitarrist) Daniel auch gut als Einschlafhilfe dienen könnte. Vielleicht liegt es auch nur an dem Tempo insgesamt und ein paar bpm mehr könnten den Braten noch retten. Im weiteren Verlauf des Songs legt sich das wieder stückchenweise und der Chorus klingt schon deutlich engagierter.

Als aller erstes Album kann sich „Blind Mess“ ohne Scheu sehen lassen, denn es hält durchgehend eine gute Portion Qualität aufrecht, auch wenn es an ein paar Stellen mal hapert, da kann man gerne mal ein Auge zudrücken, denn der Elan des Trios geht beim Hören sofort in einen selbst über. Da kann man sich schon ausmalen, was BLIND MESS live so alles zu bieten haben, denn das wird garantiert noch besser. Wer also auf grooviges Zeug Bock hat und ein wenig neuen Rock’n’Roll braucht, sollte hier unbedingt reinhören.