MUNICIPAL WASTE - Slime And Punishment (Review)
Municipal Waste - Slime And PunishmentGenre: Crossover Thrash Metal
Label: Nuclear Blast
Veröffentlichung: 23.06.2017
Bewertung: Bombe (9/10)

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Die Birkenstock Schuhe und die versiffte Jogginghose kommen jetzt in den Schrank, dafür darf ein jeder jetzt seine Trucker Cap und seine weißen 80er Nike Sneaker aus’m Keller holen, denn die neue MUNICIPAL WASTE Platte ist da! Also schnürt die Schnürsenkel fest oder wechselt sie direkt gegen den idiotensicheren Klettverschluss aus. ‚Slime And Punishment‘ ist nach einer gefühlt viel zu langen Pause von fünf Jahren nach ‚The Fatal Feast‘ die zweite Platte, die MUNICIPAL WASTE bei Nuclear Blast veröffentlichen. Für den Ottonormalverbraucher ist diese seit Freitag, den 23.06.2017 erhältlich. Dr. Pikachu hat diese jedoch schon seit einer Woche auf dem Prüfstand und ich kann euch versichern, dass der Klettverschluss äußerst empfehlenswert ist, denn dieses Album ist ein Stage Dive aus dem Helikopter direkt in den Höllenpit.
Ohne großes Trara und Intro werden im ersten Song ‚Breath Grease‘ von Beginn an keine Gefangenen genommen. Furiose Parts geben sich die Klinge in die Hand und nahtlose Übergänge von melodischen Speed Metal Riffs in Skank Beats und langsame Headbanger Parts zeigen einfach, was State of the Art ist, und dass MUNICIPAL WASTE ganz oben auf der Ernährungspyramide stehen und biertrinkend runterpinkeln. Für die Nackenklatsche wird nicht ausgeholt. Es wird mit links angetäuscht und mit dem rechten Ellenbogen die Nase zertrümmert. Unverkennbar die typischen Crowd Shouts, die hier noch etwas sparsam gehalten werden. Dafür scheint schon an einer Stelle ein kleiner doppelläufiger Gitarrenpart durch. Diesmal ist es nicht nur ein cooles Feature auf dem Album, sondern wird auch mir großer Wahrscheinlichkeit live wieder zu finden sein, da sich die vier Jungs jetzt Nick Poulos als feste Verstärkung an der zweiten Gitarre zugelegt haben. Nick war bereits in der Vergangenheit live dabei und hat für Action gesorgt. Ich selbst konnte mich von seinen Fähigkeiten letztes Jahr im Bambi Galore in Hamburg-Billstedt überzeugen. Am liebsten hätte ich ihm ein ‚Dr. Pikachu Seal Of Approval‘ – Stempel auf die Strin geküsst, aber obwohl ich Mitglied der Vorband an dem Abend war, hatte ich nicht die Eier dazu. Naja, mit den großen Jungs auf dem Spielplatz sollte man sich nicht anlegen.
Egal… weiter im Text.
Würde man sich nicht auf die Anzeige seines MP3-Players konzentrieren, würde man wahrscheinlich gar nicht merken, dass der zweite Track begonnen hat, da man sich schon an den abrupten Wechsel von Riffs gewöhnt hat. Genau so kurz wie seine Aussage ist auch der Song selbst. Track zwei ‚Enjoy The Night‘ geht nur 49 Sekunden. Bereits im ersten Track hatte ich schon den Eindruck, dass der Bassgitarrensound unglaublich tight und geil ist. Da es aber drunter und drüber ging, hatte man jedoch gar nicht die Zeit dafür, sich darauf zu konzentrieren, weil man viel zu sehr mit Kopfkino beschäftigt war, wie dieser Song wohl live alle Beteiligten in einen Tornado aus besoffenen Moshern reißt. Ein Basslauf, der wie eine rostige Kettensäge schäppert, und auch genau so schnell ist, wird von abgestoppten Akkorden der Gitarren und Drums interveniert, um dann als Mainriff fortgesetzt zu werden. Kurz und knapp wird durchgezogen und auf den Punkt gebracht. Und obwohl der Song kürzer ist als der erste, gibt’s bei den Crowd Shouts und den doppelläufigen Gitarren nochmal ein Schippe oben drauf. Gemeinschaftsgefühl kommt auf und es entsteht das Bild vor dem inneren Auge, wie sich völlig fertige Moshpit-Teilnehmer nach dem Song brüderlich umarmen und einander Taschentücher in die blutigen Nasen stecken.

Die volle Packung Crowd Shouts gibt’s dann bei Track vier ‚Shrednecks‘. Hier jagt ein Gepöbel das nächste bis dann Schluss mit Text ist und ein saftiger Kopfnicker Part einsetzt und langsam ausfadet. An dieser Stelle vielleicht auch ein Lob an Schlagzeuger Dave Witte der trotz des hohen Tempos tight aber organisch spielt und alle paar Takte sehr dynamische Fills zum Besten gibt.

Wer Angst vor Ohrwürmern hat, der sollte sich vor Track sechs ‚Poison The Preacher‘ fern halten. Das Gitarrenriff, welches in den Song einstimmt, hat sich bei mir direkt festgebrannt, wie ein Kaugummi auf einem Raststättenparkplatz im Sommer. Das verschwindet erst mit dem Laufe der Zeit wieder. Es ist so cool, dass hier auch mal mit Double Bass drübergefegt wird, um dem Gesamtbild mehr Impact zu verleihen. Textlich scheint es einer der sozialkritischeren Songs zu sein, denn hier werden Kopfnüsse an die Religion verteilt. Tony Foresta klingt so markant wie nie und bringt die nötige Aggresivität in die Vocals, wie man sie schon immer von MUNICIPAL WASTE kennt. Überraschenderweise wird der Refrain über dem eben gelobten Main Riff von jemand anderem zum Besten gegeben. Wer genau das ist, kann ich leider mit meinem jetzigen Informationsstand nicht sagen. Was ich jedoch sagen kann, ist dass es eine willkommene Abwechslung ist.

Das Album umfasst 14 geile Songs, wovon keiner länger als drei Minuten ist. Aber das ist auch nicht schlimm, denn ich bezweifle, dass es in Livesituationen ausdauertechnisch weder Musiker noch Fans schaffen würden, so lange am Stück zu randalieren. Viele Perlen lassen sich auf ‚Slime And Punishment‘ finden. Ohne jetzt alle für den Zuhöhrer vorweg zu nehmen, kann ich noch verraten, dass es sogar einen instrumentalen Song mit IRON MAIDEN Einschlag gibt. Soundtechnisch ist das Album eine glatte Einsplus. Ein sehr ausgewogener Sound der auf Schicki-Micki verzichtet, aber dennoch in die Fresse zu hauen vermag. Keine übertriggerten Drums, die einen daran zweifeln lassen, dass ausschließlich Menschen am Werk waren. Der Gitarrensound scheint mir wesentlicher ausgewogener zu sein als auf den vorherigen Alben und wirkt sehr naturbelassen und nicht so quietschig. Eingängige, agressive Songs, die gepaart sind mit Spaß und etwas Sozialkritig lassen das Herz eines jeden Crossover-Thrash Fans höher schlagen. Und so verabschiede ich mich mit einer klaren Kaufempfehlung und einem Herzen, welches sich zu einem saftigen Steak geweitet hat.