FULL THRASH OBLITERATION Hamburg, 22.06.2017

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Unter einem chilenischen Abend versteht man normalerweise ein gemütliches Dinner mit Rotwein und gefüllten Teigtaschen – Hauptsache, ruhig und gediegen. Am vergangenen Donnerstag wehte allerdings ein ganz anderer Wind! Im Wohnzimmercharme der Bar227 spielten CONFLICTED und NUCLEAR, beide aus Chile sowie die Wahlhamburger von DETRAKTOR.

Bei den Chilenen leidet im Allgemeinen manchmal nicht nur die Pünktlichkeit, sondern auch die Auswahl der Klamotten unter ihrer Gelassenheit. Frei nach dem Klischee eröffneten CONFLICTED eine halbe Stunde nach angesetztem Beginn in bunten Badeshorts und Bandshirts den Abend. In dem kleinen Nest wirkte die Musik gleich doppelt gewaltig, da sich der Sound nicht verlaufen konnte. Ganz im Gegensatz zu der Band sah das Banner schon vielversprechend scharf und edgy aus und komischerweise blieb es bis zum letzten Ton der Hauptband hängen. Die Gruppe preschte gut voran, nachdem sie sich musikalisch nach ein paar Songs warmgelaufen hatte. Schnelle Drums und vor allem eingängig melodische Gitarrensounds prägten das Ganze. Der Gesang war alles andere als stressig, eher angenehm mit einem subtil aggressiven Touch. Die Jungs von CONFLICTED haben nicht nur musikalisch ihre Hingabe zu Musik ausgedrückt – jeder von ihnen wirkte während des gesamten Auftritts unheimlich in sein Instrument vertieft, das war sehr schön zu beobachten!

Die nächste Band hat die Bühne mit dem rollenden Trashmetal-Traktor gnadenlos niedergemäht. DETRAKTOR haben sich zu einer richtig guten Live-Band gemausert. Laut, gewaltig und zügig waren sie unterwegs. Der Sound wurde von viel Bass, tiefen Drums und damit harmonierenden Gitarrensoli bestimmt. Der Drummer hat neben dem Schlagzeug auch das Mikrofon bedient und uns mit brutal kratzigem Gesang versorgt. Besonders passend war der Song UNLEASH THE TRAKTOR, der wie eine gewichtige Walze durch den Laden fegte und zum Headbangen animierte. Das Publikum, anfangs noch verhalten und recht schmal aufgestellt, ging bei dieser Band gut ab. Spätestens bei REJEKT war das Moshpit dann eröffnet – Gitarren und Drums, gleichermaßen zügig, ließen keinen mehr still sitzen. In Mitten des Songs gab’s immer wieder Parts, die langsamer, dafür aber mit ordentlich Wums voranschritten, bevor wieder Eskalation im Pit angesagt war. Dazu passend gestand uns Gitarrist Boris in einer kurzen Verschnaufpause sein Lieblingslied: Dancingqueen von ABBA.
In allen Songs steckt viel Passion und das merkt man der Band auf der Bühne auch an. Aktuell sind DETRAKTOR auf dem Vormarsch – neben dem Wacken Open Air entern sie dieses Jahr auch Bulgarien. Bis zum ersten fertig produzierten Album müssen wir uns allerdings noch bis nach dem Sommer 2018 gedulden.

Den krönenden Abschluss boten NUCLEAR ohne weiteren Zeitverzug. Die Jungs sind seit 2003 unter diesem Bandnamen unterwegs (ab 1995 ESCORIA) und haben seitdem sieben Alben released. Mit dem gängigen Thrash-Geknüppel ging die Show über die Bühne – beim Gesang war der Grat zwischen Growling und kratzigen Thrashvocals teilweise recht schmal. Das hat so manchem Song aber Würze und Abwechslung verliehen. Hin und wieder war ein deutlicher Einfluss von SLAYER und KREATOR herauszuhören.

Authentizität und viel Passion für Thrashmetal standen an diesem Abend im Fokus. Bei so mancher deutschen Metalband schleicht sich ab und ab ein leichter Anflug von Unsicherheit ein, wenn der Laden mal nicht brechend voll ist. Es wird gepusht und animiert, um das lästige Gefühl abzuschütteln. In Chile kennt man keine Unsicherheit und falls doch, wird sie einfach mit qualitativ hochwertiger Musik überspielt. Die Euphorie der Bands bei ihren Auftritten ging direkt ins Mark des Publikums über. Sie haben uns einen Teil ihrer Musik werden lassen und das hat es zu einem großartigen und familiären Konzertabend gemacht!