BATTLESWORD – Banners of Destruction
cover___banners_of_destructionGenre: Melodic Death Metal
Label: Eigenproduktion
Veröffentlichung: 1.4.2016
Bewertung: Heavy! (10/10)

Website

Meine Vorstellung von Melodic Death Metal war bis vor ein paar Wochen eine sehr begrenzte Genreauslegung, die vor allem den Sunlight Sound der 90er betraf. Aber schaut man sich einmal bei den Metal Archives um, kommt man schon ins Staunen. Das Label gilt für jeden extremen Sound mit etwas Melodie – für mich aber nicht, und auch nicht für BATTLESWORD! Der deutsche Melodic Death Metal steht meiner Meinung nach für einen weniger klinischen, dafür räudigeren Sound als der der Schweden, die Melodien sind oft schwermütiger, dafür kräftiger. So ist es auch bei BATTLESWORD, die sich im Gewirr von hunderten von Bands am Niederrhein durch die Industriegefilde kloppen. Die Pottler haben bisher zwei Demos und zwei Alben produziert, aber noch keinen Deal ergattert.

Der erste Song „Spirit to the Flesh“ startet gleich mit einem Hammerriff, das Tempo ist variabel, ohne zu krasse Blastbeats, dafür mit Doublebass-Teppich. Das Songwriting ist komplex, verschiedene Riffs, Bridges und Soli peppen den Track auf. Trotzdem bleibt dieser straight forward und verliert sich nicht in unnötigen Spielereien. „The Unnamed Magic“ (ein Liebeslied!!) drosselt das Tempo etwas und schwelgt im groovigen Midtempo, ohne übertrieben basslastig daherzukommen. BATTLESWORD schaffen es in ähnlicher Manier wie Amon Amarth, Doublebass-Vollgas zu geben, ohne zu garstig oder zu extrem zu werden, so dass ein sehr angenehmes Feuerwerk abgebrannt wird. Der Gesang ist als growlig zu verorten, wenngleich nicht zu tief, eher kratzig.

Der Titelsong „Banners of Destruction“ wechselt zwischen soloartigen hohen Gitarrenläufen und doublebass-lastigen Grooveparts, die von straighten Gitarren getragen werden. „Grave New World“ zeigt wieder mächtige Riffs im Midtempo, die an schwedische Vikings erinnern. Der Schlagzeuger zeigt sich variabel und bearbeitet die zahlreich vorhandenen Becken und Toms abwechslungsreich. Der Gesang verzieht sich, dem Titel angemessen, in die Tiefen des Rachens und lässt Grüße an den Friedhof da. „The Silence of Victory“ bietet mit einem instrumentalen Interludium eine kleine Verschnaufpause, die ich ja immer gar nicht brauche, aber um den Titel zu unterstreichen und ein bisschen Kohle-Grill-Geknister unterzubringen, lass ich es mal durchgehen. „Tongues of Hatred“ zeigt klassische Songstrukturen mit Strophen und einem langsameren Refrain, der sich in ein treibendes Gewitter aufschaukelt. Hier gibt es echt Melodeath at its best: groovige Rhythmus-Gitarren, vom Bass begleitet, Leadgitarren mit wunderschönen Melodien und ein nicht zu übertrieben verfrickeltes Solo, nicht überlagert vom wenig dominanten Gesang, der aber auf „Circle of Witches“ wieder in die Vollen greift und beste Gurgel-Growls hervorbringt. Die Gitarren-Linie hat hier ein paar eigentümlich orientalische Halbtöne zu bieten, witzig.

„Bloodlust Symphony“ bietet ein paar überraschende Rhythmus-Wechsel im Midtempo, während der restliche Song in Death-Manier weitergaloppiert. Ich habe das dumpfe Gefühl, da wurde sich wirklich Gedanken über die Korrespondenz von Titel und Musik gemacht. „Left for the Vultures“ (textlich lese ich hier Wikinger-Kolonialismus raus) zeigt nochmal, dass Songs weder überladen mit komplizierten Riffs noch stumpf-simple sein müssen, um zu knallen. Zum Schluss gibt es absolut fanfreundlich noch ganze drei Bonustracks.

Insgesamt zeigt die Platte genau, was ich mir unter Melodic Death Metal vorstelle – ein ausbalancierter Sound, straighte Riffs, die von den Rhythmen der Gitarre und dem Bass getragen werden, und ein Groove zum Mitwippen und Faustschwingen. Musikalisch geht das Ganze in die Richtung von Amon Amarth, textlich findet man aber kaum Wikinger, sondern meist moderne Themen. Leute, wenn ihr die Platte noch nicht habt, dann aber schnell ran an die Perle!

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