VOLUMES - Different Animals
Volumes-Different - AnimalsGenre: Metalcore
Label: Spinefarm/Fearless/Concord
Veröffentlichung: 09.06.2017
Bewertung: Gut (6/10)

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Auf dieses Album sollen ja viele schon sehnlichst gewartet haben und auch ich war nach dem Release der Single „Feels Good“ gespannt, denn die klang nicht ganz so straight wie sonst, sondern vergleichsweise verspielt und ungewohnt radiotauglich. Da VOLUMES sowohl versuchen verschiedenes auszuprobieren, als auch ihren Sound weiterzuentwickeln, um jedes Album ein Stückchen anders klingen zu lassen, kam ich nicht darum herum, mal genauer reinzuhören.

Viel Zeit, um sich mit der Platte in Ruhe vertraut zu machen, gibt es hier nicht, denn man wird sofort mit einem lauten „Fuck it!“ und hämmernden Gitarren ins kalte Wasser geworfen. Doch nach ein paar Sekunden ist der erste Schock dann auch überwunden und man kann sich auf die wütenden Screams von Sänger Myke Terry (der übrigens mal bei „Bury Your Dead“ den Ton angab) konzentrieren. Es dauert nicht lang, bis auffällt, dass wir es hier mit einem Quintett zu tun haben, das gerne mal die gewohnten Songstrukturen aufbricht und die Songs lieber nach Gefühl als nach Regeln aufbaut.

Dies kommt gerade beim Chorus so richtig durch, da er von ein paar Rhythmusänderungen durchwachsen ist, die von den Metalcore-typischen Drums angeführt werden und so klingen, als wären sie genauso nebensächlich wie die Information, dass einer der Jungs beim Recorden rote Schuhe getragen haben könnte. Nichtsdestotrotz lassen die Klampfen eine ordentliche Melodie los und selbst die Clean-Vocals überzeugen mit einer einfach nachvollziehbaren Gesangslinie, die aber dennoch kein bisschen Langeweile aufkommen lässt.

„Feels Good“ sticht so ein bisschen aus „Different Animals“ heraus, da der Track, wie oben schon erwähnt, eher für die breite Masse tauglich ist. Würde man BRING ME THE HORIZONs „Sempiternal“ und „That’s The Spirit“ mischen, käme höchstwahrscheinlich das dabei rum: Irgendetwas Poppiges, was aber doch eigentlich noch zum Metalcore gehört, sich dann aber selbst doch nicht sicher ist, was es genau ist. Beim Intro vermag man nichts Schlimmes denken, doch als dann die Band einsteigt und komische Synthesizer im Hintergrund verloren rumdudeln, geht so langsam die Stimmung runter und der lahme Chorus gibt dann den Rest. Das Einzige, was das Malheur zumindest ein bisschen herausreißt, ist der Verse, der sich zur Bridge hin durch kräftige Drums und einer ordentlichen Zerre auf den E-Gitarren steigert.

Was bei diesem Genre ja eigentlich nie fehlen sollte, ist der allseits beliebte Breakdown, mit dem man auf der Platte (zum Glück) nicht inflationär beworfen wird, sondern hier dient er primär als Stilmittel. Bei „Pieces“ gibt es dieses seltene Phänomen beispielsweise wie gewohnt gegen Ende und es fügt sich ausgesprochen gut in den Song hinein, ohne zu „over the top“ zu sein. Zudem wurde er gleichzeitig zum Outro umfunktioniert, was den kompletten Vibe wiederum unterstreicht und gleichzeitig perfekt an das darauffolgende Interlude anbindet.

Zu Beginn habe ich ja auch die Experimentierfreude von VOLUMES erwähnt und die haben sie nicht irgendwo in der hinterletzten Ecke versteckt, sondern ist ohne großen Aufwand zu finden. So wie bei „Tide’s Change“, wo auf einmal eine Akustik-Gitarre auftaucht und später sogar ein paar Streicher dazukommen. Das Ganze ist rein instrumental aufgebaut und wird lediglich durch den Übergang zwischen vorherigen bzw. darauffolgendem Song in die Platte eingewebt.

Selbst an einem Gastsänger, wobei es in diesem Fall wohl eher ein Rapper ist, haben die Jungs nicht gespart. POUYA leitet bei „On Her Mind“ zusammen mit knallenden Drums und knurrendem Bass den Verse an, der durch die ständige Veränderung wie hinzukommende Gitarren oder auch Rhythmuswechseln zwar sehr speziell klingt, trotzdem noch etwas hat, das einen mitreißt. Dazu kommt ein Chorus, der beim ersten Hören total verkehrt wirkt, als hätte jemand aus Versehen den falschen Refrain in den Song gebastelt. Das ist allerdings vergessen, sobald man das Ganze ein paar Mal mehr durchgegangen ist.

Genau dasselbe passiert bei dem Track danach. „Heavy Silence“ besteht aus einem ruhigen Verse, mit wabernden Gitarren, die zusammen mit den Vocals voller Emotionen sind. Der Chorus gehört dann wieder zu der aggressiven Sorte, wobei er recht langsam gehalten ist. Leider sind es nur etwas mehr als zwei Minuten, die merklich zu kurz sind, denn man hätte hier noch viel mehr Entwicklung reinpacken können und vielleicht eine abgeänderte Ballade daraus zaubern können. Schließlich sind VOLUMES ja so offen für neue Dinge. Beim letzten Track „Left For Dead“ funktioniert die Kürze jedoch, auch wenn er zum Schluss für die letzten paar Sekunden noch härter hätte sein können.

Was sich die Band für dieses Album „Different Animals“ vorgenommen hat, hat sie auch umgesetzt, auch wenn es an der einen oder anderen Stelle noch zu gewollt klingt, aber das ist ja zum Glück etwas, an dem man arbeiten kann. Immerhin haben sie ihren grundlegenden Stil dadurch kaum verändert und bleiben sich trotz der „Neuheiten“ treu, was nicht jede Band behaupten kann (wobei wir hier gerade mal vom dritten Album sprechen).

Allerdings dauert es, bis man einen Zugang zu der Platte gefunden hat, da man am Anfang nicht so recht weiß, wie man das Gehörte einordnen kann. Es ist teilweise typischer Metalcore, der sich aber wandelt und zwischendurch mal anspruchsvoller wird, dann ab und zu poppige Einflüsse aufweist und zum Schluss interessante Arrangements hat, die auf eine positive Weise herausfallen.

Als eingefleischter Fan sollte man sich das Album zumindest zweimal anhören, denn hier kann man eine schöne Entwicklung der Band beobachten, was vermutlich auch den Reiz des Ganzen ausmacht. Als nicht so euphorischer Fan (oder auch Nicht-Fan), hat man allerdings keine Weltveränderung verpasst und es reicht, sich ein paar Songs zu Gemüte zu führen, da eine Hand voll von „Different Animals“ schon kleine Schmuckstücke sind.