THE OSSUARY - Post Mortem Blues
The Ossuary - Post Mortem BluesGenre: 70's Heavy Metal / Heavy Rock
Label: Supreme Chaos Records
Veröffentlichung: 17.02.2017
Bewertung: Bombe (9/10)

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Auf den ersten Blick scheint alles an dieser Band düster zu sein. Der Name, das Cover, der Album Titel und sogar die Tracks klingen wie ein Besuch beim Bestatter und man könnte meinen, dass die Musik lediglich aus einem riesigen See aus Melancholie besteht. Doch ganz so tragisch ist es dann doch nicht, auch wenn man ab und zu vor Kriegsszenen steht, die aber primär in den Lyrics als in den Riffs zu finden sind.

Gleich zu Beginn wird bei „Black Curse“ ein sehr repetitives Riff angestimmt, dass sich erst einmal eine Weile zieht, bis man kurz davor ist wegzuschalten, doch dann wird in einen neuen groovigen Abschnitt gewechselt. Zudem sind es hier die Drums die deutlich zwischen Verse und Chorus unterscheiden und im Gegensatz zu der Saiten-Fraktion durch Rhythmuswechsel mal den Ton angeben. Sänger Stefano schwingt dabei zusammen mit seinen Kollegen so dahin und scheint sich kaum anstrengen zu müssen um Melodien mit Ohrwurmgarantie zu kreieren. Zwischendrin gibt es einen ausgeschmückten Instrumental Part, der nicht genutzt wird um Gitarristen-Klischees zu verifizieren, sondern ein kuscheliges Miteinander zelebriert, so dass die knapp eineinhalb Minuten gut ausgefüllt sind und eine enorme Entwicklung für den gesamten Song darstellen.

„Blood On The Hill“ ist so ein Track, der sich von selbst zu entwickeln scheint, ohne großes Zutun durch die Band selbst. Sie spielen einfach und lassen das passieren, was eben so passiert und zaubern dabei noch ein wunderbares Kunstwerk voller 70er geprägter Schnörkel. Es gibt genügend Parts in denen sich der Song entspannt ausbreiten kann und selbst das Gitarrensolo wirkt ein wenig wie auf Baldrian. Zudem darf auch der Bassist hier auf seine Kosten kommen und übernimmt gegen Ende einmal den Riff-Träger um „Blood On The Hill“ zum Ausgang zu begleiten.

Der längste Track ist mit Abstand „Evil Charns“, der einen Augenblick länger als neun Minuten andauert und noch dazu eine Gastsängerin zu bieten hat. Bei dem etwas schleppendem Intro, neigt man dazu anzunehmen, nach kurzer Zeit ein zügigeres Tempo anzutreffen, aber dann wird der Verse doch noch mal genauso langsam, wobei dies in einer epischen Weise passiert und das Gegenteil von unnötig in die Länge gezogenen Songs darstellt. Nach dem ersten Drittel ändert sich das allerdings ziemlich schnell und die Gitarren wechseln mit dem Bass zusammen in surrende Riffs, während die Vocals ruhig bleiben und gelegentlich ein paar Worte einwerfen.

Das letzte Drittel des Songs verläuft sich deutlich in eine Richtung fernab des Heavy Rocks und landet bei indianischen Klängen, mit besagter Frauenstimme im Hintergrund. An sich ist das eine nette Idee, nur zu Anfang klingt es ein wenig eigenartig und man weiß nicht genau, ob man überhaupt noch die richtige CD in der Anlage hat, doch der Übergang in diesen Part ist so optimal von einer Klampfe geleitet, dass es mehr oder weniger kaum auffällt. Zudem ist der Bassist hier wohl gedanklich auf einem Spielplatz angekommen, denn er gibt sein Bestes und haut mal eben so eine ruhige, verspielte Melodie raus, von der sich einige Tieftöner ruhig eine Scheibe abschneiden können.

Mit diesem Album haben THE OSSUARY für sich das Thema Heavy Rock bzw Metal neu definiert und etwas Altes so restauriert, dass man mit dieser neuen Version keine Abstriche in Sachen Charakter machen muss. Die Jungs heben alles auf eine neue, etwas anspruchsvollere Ebene, die innovativ ist, niemanden stumpf kopiert und zudem noch Spaß beim Hören bringt.

Wobei die Intros des öfteren dazu tendieren ähnlich zu klingen und nach einer Weile kann man in etwa abschätzen, worauf man sich einlässt. Allerdings muss man dazu sagen, dass dies wirklich nur die Intros betrifft, der Rest der Songs ist genauso ungewiss, wie die Chance im Lotto zu gewinnen.

Gewöhnliche Songstrukturen sind hier wohl ein Fremdwort, welches sich wohl auch keiner von THE OSSUARY erklären lassen möchte, doch genau das macht einen Hauptteil ihres Flairs auch aus. Teilweise hat man das Gefühl in einem außergewöhnlichen Musical zu stecken, denn jeder Teil des Songs, sei es auch die noch so kleinste Bridge, hat eine tragende Rolle, ohne die das Gebilde zusammenbrechen würde.

Auch von der Mixqualität ist es super auf die Stilistik abgestimmt, wobei der Reverb auf den Vocals stellenweise ein wenig zu viel ist und durch ein Stückchen weniger nicht so verwaschen klingen würde. Außerdem könnten die Gitarren bei schnelleren Passagen mehr Bass vertragen, da sie sonst gerne mal untergehen.

Aber lässt man mal die kleinen Kritikpunkte weg ist „Post Mortem Blues“ ein absolut überdurchschnittliches Album, dass statt die Suppe von vor fünf Tagen zum hundertsten Mal aufzuwärmen, lieber aus der Reihe tanzt und sie im Handumdrehen in eine fünf Sterne Quiche verwandelt.