ANGEL MARTYR - Black Book: Chapter One
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Genre: Heavy/Speed Metal 
Label: Iron Shield Records 
Veröffentlichung: 17.03.2017 
Bewertung: Bombe (9/10)
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ANGEL MARTYR werden mich wohl recht teuer zu stehen kommen. Dabei trifft den Italo-Dreier eigentlich gar keine Schuld. Was hab ich mir nur dabei gedacht, auf ´ner öden, mehrstündigen Autobahnfahrt die Debüt-CD der Toskanesen einzulegen und den Lautstärkeregler auf full power zu drehen?! Zwar hatte ich das Scheibchen zuvor bereits ein, zwei Mal zu Hause gehört und war auch da schon ziemlich begeistert, doch nun wirkt das Gehörte plötzlich nochmal ganz anders. Der kernige, old-schoolige Power/Speed Metal, der auf „Black Book: Chapter One“ auf die Echtmetallgemeinde und just in diesem Moment des Übermuts auf mich losgelassen wird, geht dermaßen gut rein, peitscht nach vorn, treibt an, tritt Arsch, dass ich – krumm und schief mitschreiend und aufs Lenkrad trommelnd – unweigerlich das Gaspedal durch Fußmatte und Bodenblech drücke und bilderbuchmäßig in den nächsten Blitzer rase! Herzlichen Glückwunsch, schönes Foto!

ANGEL MARTYR´s Wurzeln reichen gut zehn Jahre zurück. Sänger/Gitarrist Tiziano, Bassist Dario und Drummer Francesco spielen seit etwa 5 fünf Jahren zusammen und liefern auf „Black Book…“ keine Stangenware ab, sondern Heavy fucking Metal, wie er ehrlicher, greifbarer und solider nicht sein könnte. Feine Melodien, ach, was sag ich: Hymnen! Tempi von episch-schleppend über galoppierend bis hin zu rasend-schnell. Messerscharfe Gitarrenriffs, punktgenaues, starkes Drumming, ein süchtig machender, räudiger Kilmister-Gedächtnis-Tieftöner. Alles warm und organisch, professionell aber nicht zu clean produziert.

Das sind 58 Minuten pures Hochgefühl. Eigentlich ´ne ziemlich üppige Spielzeit für dieses Genre, aber langweilig wird es während der 9 Tracks (inkl. Intro) nicht. Songs wie „They…among us“, „Victims“ oder „Midnight Traveller“ bekomme ich jedenfalls so schnell nicht mehr aus meinem Kopf. Iron Maiden, Jaguar, Running Wild, Jag Panzer, Savage Grace, Metal Inquisitor und und und – ANGEL MARTYR versuchen erst gar nicht, ihre Sozialisierung zu verleugnen und mixen vieles von dem, was sie lieben, so dass uns mit „Black Book: Chapter One“ ein Album vorliegt, das zum Besten gehört, was in letzter Zeit auf den übersättigten Markt geschmissen wurde.

Geschmackssache ist mit Sicherheit die Stimm- und Tonlage, in der sich der Sänger durch die knappe Stunde Edelstahl trällert. Manch einem mag das zu hoch, zu quakig sein – ich persönlich find’s geil! Tiziano Sbaraglis kristallklare Sirene zieht einem das Amalgam aus den Zähnen, lässt Hunde unters Sofa kriechen. Diese Stimme hat zwar keinen Rotz, keinen Dreck, dafür aber sehr viel Epik und Leidenschaft.

Da ich die megasympathischen Jungs schon mal in freier Wildbahn erleben durfte, kann ich verraten, dass ANGEL MARTYR live ´ne ganze Schippe schneller, straighter, härter spielen als auf CD. Dieses Trio ist wie geschaffen für kleine, dunkle Clubs voll mit metalgierigen, headbang- und fistraisewilligen Maniacs. Da geben sie alles, wachsen förmlich über sich hinaus, erinnern stark an die Speed-Überväter Exciter.

Ein Vögelchen zwitscherte mir, dass ANGEL MARTYR eventuell Ende des Jahres für einen exklusiven Gig nach Berlin kommen werden (falls das klappt, folgt die Ankündigung rechtzeitig auf SMV). Das sollte sich definitiv keiner entgehen lassen, der auf geilen, mitreißenden Speed/True/Power/Epic Metal steht! Ich jedenfalls werde dabei sein, die Typen ordentlich supporten und mir Autogramme der drei Musikanten auf meinen Blitzbescheid geben lassen. Dann war der wenigstens noch für was gut.