SHADE EMPIRE – Poetry of the Illl-Minded
Shade_Empire-230x230Genre: Melodic Epic Death/Black Metal
Label: Candlelight/ Spinefarm Records
Veröffentlichung: 30.6.2017
Bewertung: Sehr gut (7/10)

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Weniger ist bekanntlich ja manchmal mehr, aber ab und zu ist halt weniger auch nix. Synthies und Orchester sind im Metal eine endlose Kontroverse: Steh ich auf reine handgemachte Musik oder darf es auch mal ein musikalisches Feuerwerk sein? Ich bin da eher auf der reduzierten klassischen Fünf-Mann-Seite, aber ohne Synthies oder Soundeffekte ist es heutzutage schon ab und zu schwer, unverbrauchte Musik zu machen. Die sechs Finnen SHADE EMPIRE fahren auf ihrem neuen Konzeptalbum „Poetry of the Ill-Minded“ da volle Programm auf: Orchestrale Arrangements aus Synthies, clean-poppige und blackige Vocals und Trompetensolis.

Der erste Song „Lecter (Welcome)“ beginnt mit einem atmosphärischen Intro mit sanften Gitarren und Streichern, fast wie Kinomusik – entgegen meiner Abneigung gegenüber Intros ist dieses recht angenehm. Danach setzt das doublebasslastige Schlagzeug ein, später die melodischen Gitarren, gefolgt von kratzigen Growls und einem cleanen Gesang. Musikalisch passiert hier viel: Streicher, Pauken plus die vollbesetzte Band. Der Sound ist sehr wattig und sanft und verwischt so das aggressive, das nur noch von den Growls repräsentiert wird. In der Pause steigt sogar noch ein Piano mit ein, um das verhaltene Gitarrensolo bei dem fast achtminütigen Song zu unterstützen.

„Wanderer“ startet etwas flotter und basslastiger und erinnert zumindest im Ansatz an Dimmu Borgir, wenngleich der gedämpfte Sound das ganze sehr alltagstauglich und wenig heavy macht. Im Hintergrund tauchen hier noch Harfen und Bläser auf, die ein nettes orchestrales Soundbett bereiten. Sogar etwas jazzig wird’s mit der Bläsereinlage, die ein dissonanten Solo beisteuert. Der Gesang bleibt hier bei den Growls mit ein bisschen Background Sängern. „Drawn to water – the path“ drückt mehr auf die Tube und erinnert nun mehr an die alten Hasen aus Norwegen. Zwischenzeitlich geht es etwas chaotisch zu, wenn man das Gefühl hat, dass das Synthie-Orchester gegen das Schlagzeug und die Gitarren-Soli anspielt. Die Zwischenparts bleiben in ruhigeren Gefilden, und auch für Midtempo ist auf dem knapp fünfminütigen Song Platz.

„Thy Scent“ erzählt wohl von der Verführung durch ein weibliches Wesen, aus der es gilt, sich mit Hilfe eines zu öffnenden Schlosses zu befreien. Der Song wartet wieder mit der jazzigen zusätzlichen Trompete auf, die nicht aus der Konserve stammt, und den Track in einem Outro ausklingen lässt. „Anti-life Saviour“ ist augenscheinlich dem Antichrist gewidmet, wie im gesprochenen Intro klar wird. Hier dominieren Double-bass, dunkle Growls, Streicher und etwas Piano.

Insgesamt gibt es auf dieser CD viel Musik (74 Minuten insgesamt!) pro Song, schöne Arrangements, die an manchen Stellen vielleicht etwas chaotisch wirken. Der Sound ist sehr weichgespült, so dass das ganze nichts für den typischen Black Metaller ist. Ich würde es eher als eine Mischung aus Filmmusik, vielleicht zu einem Fantasyfilm, und mainstreamtauglichen Extrem Metal bezeichnen. Für Dimmu Borgir Fans einen Versuch wert, oder Liebhaber der alten Covenant mit Hellhammer am Drumkit. Zieht es euch an einem verregneten Sonntag zu „The Road“ von Cormac McCarthy rein.