EXIT EDEN - Rhapsodies in Black
747_Exit_Eden_CMYKGerne: Symphonic Metal
Label: Napalm Records 
Veröffentlichung: 04.08.17
Bewertung: Sehr gut (7/10) 

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Als ich zunächst auf das neue Projekt um Amanda Somerville gestoßen bin, war ich sehr interessiert, was dir vier wundervollen Damen in die Welt setzen würden. Gleich ein Quartett an wirklich guten Sängerinnen hat man dann doch nicht so oft, und wenn eventuell doch, dann nur für ein oder zwei Lieder. Das Debütalbum bietet gleich elf davon. Alle Sängerinnen haben unterschiedliche biographische Hintergründe, doch alle verbindet ihre musikalischen Tätigkeiten in der Rock- und Metalszene. Somit besitzen alle entsprechend gute, gesangliche Qualitäten.

Die erste Überraschung kam, als die Tracklist des Albums veröffentlicht wurde, denn bei denn Liedern handelt es sich um ausschließlich Coverversionen bereits bekannter Songs von sehr bekannten Künstlern. Das mit den Covern ist immer so eine Sache… Mal kann das grandios werden, manchmal aber auch tierisch daneben gehen. Da es sich nicht nur um internationale Hits der letzten paar Jahre handelt, sondern auch Exemplare dabei sind, die älter sind als 20 Jahre, würde mich an dieser Stelle interessieren, was die Auswahlkriterien waren, um die letztendliche Tracklist festzulegen.

Es geht gleich mit dem Cover los, vor dem ich mich am meisten gefürchtet habe, nämlich „Question of Time“ von Depeche Mode. Da ich diese Band abgöttisch liebe, ist es für mich schwer, Covers von deren Liedern als gut anzuerkennen (obwohl es die durchaus gibt!). Und was soll ich sagen, die ersten Takte hören sich zunächst ostasiatisch angehaucht an, bevor man die eigentliche Melodie erkennt. Zum Ende des Liedes weiß ich nicht genau, was ich davon halten soll. An dieser Stelle muss gesagt werden, dass die Produktion absolut erstklassig ist, alle Instrumente und Stimmen sind gut aufeinander abgestimmt und die vier Damen harmonieren bestens miteinander, da gibt es nichts zu meckern. Auch ist die musikalische Umsetzung der Cover sehr professionell. Aber da es halt keine Eigenkompositionen sind, ist der Vergleich mit dem Original das ausschlaggebene Kriterium bei diesem Review. Neben „Question of Time“ sind noch andere sehr prominente Oldies vertreten wie in etwa „Heaven“ von Bryan Adams und „Total Eclipse of the Heart“ von Bonnie Tyler. Letzteres ist eines der gelungenen Cover. Es hat den Charakter des Originals, aber die Band fügt ihre eigene Note gut ein, sodass dem Song neues Leben eingehaucht wird, ohne den Wiedererkennungswert zu entfernen. Zu den gelungenen Covers gehören auch „Incomplete“ (Backstreet Boys) und „Impossible“ (Shontelle). Diese erfüllen ebenfalls die eben beschriebenen Kriterien.

Bei „Frozen“ (Madonna) und „Skyfall“ (Adele) haben sich die Sirenen noch eine weitere Sirene zur Unterstützung geholt, nämlich keine geringere als Simone Simons von Epica. Man könnte meinen, das wäre der totale Overkill und völlig unnötig, aber nein, Simone ist das Sahnehäubchen neben dem leckeren Kuchen. Das passt.

Überraschend heavy fallen die Coverversionen von „Unfaithful“ (Rihanna) und „Paparazzi“ (Lady GaGa) aus. Grundsätzlich scheinen Balladen und andere eher ruhige Nummern heavier gestaltet worden zu sein als es die Originale eigentlich sind. Im Falle von „Unfaithful“ ist das gut gelungen, da es den dramatischen Inhalt des Songs nochmal gut unterstreicht.

Und nun zu Covern, die leider nicht wirklich gelungen sind. Ganz oben steht „Firework“ von Katy Perry. Das an sich schon eher nervige, nicht besonders anspruchsvolle Lied hätte ein guter Kanditat für eine Erfrischungskur sein können, und obwohl es den Wiedererkennungswert hat, unterstreicht das Cover leider die schlechten Seiten des Originals umso mehr, weshalb es hier nichts verbessern und erträglicher machen konnte. Der Abschluss des Albums „Fade to Grey“ (Visage), ein Klassiker aus den 80ern, wurde völlig seiner andersartigen, fast schon obskuren Atmosphäre und seiner Subtilität beraubt. Wenn es sich nicht um ein Cover handeln würde, wäre es ein guter Song. Aber so leider nicht.

Am Ende bleiben doch eher gemischte Gefühle übrig. Ich bin durchaus für Coverexperimente, doch hatte ich sehr darauf gehofft, dass das Damenquartett nur so vor Kreativität strotzt und seine eigenen Nummern rausbringt. Da ist mit Sicherheit eine Menge möglich. So hätten die Sängerinnen sicherlich auch mehr Freiraum, um ihre stimmlichen Fähigkeiten darzubieten. Trotz allem ist „Rhapsodies in Black“ ein sehr solides Album, das zum größten Teil wirklich Spaß macht. Bei „Question of Time“ und „Frozen“ weiß ich bisher aber immer noch nicht, ob mir die jeweiligen Versionen von EXIT EDEN gefallen oder nicht. Ich bin weiterhin gespannt, was uns Amanda Somerville, Clémentine Delauney, Anna Brunner und Marina La Torraca noch so in Zukunft präsentieren werden.