ATREXIAL - Souverain
atrexial cover_kleinGenre: Blackened Death Metal
Label: Godz Ov War Productions
Veröffentlichung: 30.Mai 2017
Bewertung: Bombe (9/10)

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Ihr seid auf der Suche nach ’ner lebensbejahenden, fröhlich-luftigen Sommerplatte? Nach dem passenden Soundtrack für den Badespaß am Baggersee oder für einen veganen Grillnachmittag mit den neuen Wohnungsnachbarn im Gemeinschaftsgarten? Dann holt euch unbedingt ATREXIALs Debütalbum „Souverain“ und ihr werdet viel Freude haben!

Dieser fiese Brocken Hass im Notengewand ist eine Platte, die man auflegt, wenn mal wieder die Schwiegereltern zu Besuch kommen – und nach Möglichkeit nicht allzu lange bleiben sollen. Eine Höllenfahrt hin zu den Abgründen unseres Seins.

„Souverain“ beginnt wenig überraschend mit einem Intro. Davon gibt es einige auf der Scheibe. Nach knapp 2 Minuten öffnet sich der Höllenschlund, und fortan kotzen Louen, Naga S. Maelström und Labelua, drei Jungs aus Barcelona, ihr krankes Inneres dermaßen erbarmungslos aus sich heraus, dass es schon irgendwie beeindruckend ist.

Nach einer Dreiviertelminute walzt in Under The Scourge Of Lamashtu eine Wand aus Wut und Misanthropie alles nieder, was sich ihr in den Weg stellt. Sägende Gitarren durchfräsen die Gedärm durchdringenden Double Bass Drums. Eine wilde und doch kontrollierte Raserei. Da sind Leadgitarren, die einem die Plomben aus den faulen Zähnen ziehen. Vokalist Louen faucht, keift, schreit und brüllt wie vom Leibhaftigen besessen. Dass Schlagzeuger Labelua wohl ein entfernter Verwandter von Angelo Sasso zu sein scheint, stellt zum Glück keinen Makel dar. Seine Becken klingen an einigen Stellen wie vom Gehörnten höchstpersönlich geschwungene Peitschen, die tiefe, bluttriefende Striemen in die Leiber armer Sünder reißen. Es gibt Tempowechsel, ohne, dass das Ganze zu progressiv oder verspielt wird. In Masse regiert das Uptempo. Feine Melodiefragmente marmorieren immer wieder das vertonte Chaos wie Fett ein gutes Steak.

Eindeutig sind hier große, blasphemische Altmeister wie Deicide geistige Paten. ATREXIAL spielen Blackened Death Metal klassischer Ausrichtung, wobei ich deutlich mehr Black als Death raushöre. Das Ganze ohne jeglichen Firlefanz. Die Produktion ist solide und tief. Songs wie Shadows Of The Nephilim Throne oder Trinity sind sich stetig intensivierende, atmosphärische Todesboten, so verdammt dicht und (er-)drückend, dass kaum Luft zum Atmen bleibt.

Im Vergleich mit völlig zu Unrecht gehypten Pseudo-Intellektuellen-Kollektiven wie den in meinen Augen nichts anderes als Sondermüll fabrizierenden Sunn O))), deren sinnentleerter Klangabfall für mich die reinste Energieverschwendung darstellt, ist das, was ATREXIAL hier auf die Hörerschaft loslassen, schwarze Kunst. Die Spanier würden wahrscheinlich gut beim Chaos Descends im tiefen, dunklen Thüringer Wald oder auf ähnlich ausgerichteten Festivals funktionieren. Da klingt/riecht nichts nach Paella oder Mittelmeer, sondern nach Fäulnis und Verrottung.

Wer beim nächsten Betriebsausflug seinen Arbeitskollegen unmissverständlich klarmachen will, dass er an belanglosem Smalltalk und Teambuilding-Heititei der Marke Kletterwald nicht interessiert ist, nötigt dem Busfahrer einfach dieses Album auf und wird fortan ungestört in der letzten Reihe sitzen. Das ist Mucke für Leute, die ihre Bandshirts nicht bei H&M kaufen.

Im Intro zu The Ominous Silence heißt es treffend „Welcome To The Worst Nightmare Of All: Reality“, und so ist „Souverain“ nicht weniger als die hässliche Fratze der menschlichen Existenz, ein Spiegelbild, eine Art Abrechnung – der Soundtrack zum Untergang der Welt!