ATRIARCH - Dead As Truth

cover_1493326252980272Genre: Postpunk/ Black Metal
Label: Relapse Records
Veröffentlichung: 11.08.2017
Bewertung: Bombe (9/10)

Facebook

Für alle, die total auf Postpunk und Black Metal abfahren, kam am 11. August ganz was Feines in die Plattenläden: ATRIARCH veröffentlichten ihr fünftes Album „Dead As Truth“. Klingt erstmal nach einer Mischung, die sich schwer vorstellen lässt, aber die vier Amerikaner haben es tatsächlich fertiggebracht – und das, wie ich finde, mit Bravour!

Das Intro geht schon gut los mit einer Mixtur aus bedrohlichem Summen, langsamen Drums und einem für den Postpunk so typischen wehleidigen Sprechgesang, der mit der Zeit immer rauer wird und an Lautstärke gewinnt. Auf dem Gesang liegt eine ordentliche Portion Hall, was die Musik schön düster und gruftig klingen lässt. Als erstes kommt einem eine Band wie BAUHAUS als Inspiration in den Sinn, bis sich die Vocals im Song zum Geschrei wandeln, wie man es nur aus dem atmosphärischen Black Metal kennt. Die Stimmlage ist zwar verhältnismäßig hoch, aber dennoch angenehm zu hören.
Das sonore Summen im Background bleibt, während die gekreischten Passagen fortan mit einer Bridge aus Doublebase und Gitarre angekündigt werden und sich immer wieder mit dem Postpunk-Sprechgesang abwechseln, der grundsätzlich übers ganze Album hinweg überwiegt.

Der nächste Song „Dead“ bleibt dem Batcave-Stil treu. Er beginnt mit viel Bass und sehr hallenden Gesang, der sich dunkel und schwer übers gesamte Stück schleppt. Gitarre und Drums sind ebenfalls langsam und gewichtig. Ab der Mitte erschafft die Band eine für das Album einzigartige Passage: Die Musik wird schneller, melodisch und verlangsamt sich wieder, bevor eine subtile Highhead einsetzt und zusammen mit dem Bass einen recht groovigen Sound bietet. Dann entlädt sich mit voller Wucht der Black Metal Part bis zum Ende des Songs.

An dieser Stelle machen wir einen kleinen Exkurs in die Brauerei: „Devolver“ ist nicht nur der dritte von insgesamt sechs Tracks auf der neuen Platte, sondern auch der Name des limitierten Bieres, das ATRIARCH vor einer Weile ins Leben gerufen haben.
Zugegeben: Die Vocals im gleichnamigen Song klingen zum Teil auch ein bisschen besoffen. Sie sind growliger und schroffer als zuvor. Zwischendrin singt partiell auch mal die gesamte Band und auch in diesem Stück ist ein gewisser Spannungsbogen erkennbar. Bass und Drums nehmen Fahrt auf und ebnen den Weg für einen saftigen Black Metal Part.

„Void“ entschleunigt den Verlauf ein wenig mit der gewohnten Langsamkeit der frühen 80er Jahre Songs aus dem Batcave. Verschiedenste Geräusche werden experimentell eingesetzt und die Vocals ziehen sich wie die Wehklagen eines Wahnsinnigen durchs Stück, bevor „Repent“ mit demselben Aufbau und etwas weniger Wahnsinn voran schreitet.

Ganz nach Grufti-Manier schließt „Hopeless“ das Album ab. Die Gitarre ist clean, die Becken leise und der Gesang langsamer als bisher. Auch im letzten Stück fehlen die gekreischten Parts nicht. Gegen Ende des Songs kommt mit der Doublebase nochmal Geschwindigkeit rein und im Eifer des Spiels quietscht die Gitarre schief dazwischen. Was wahrscheinlich als Stilmittel genutzt werden soll, empfinde ich eher störend, aber der Rest des Albums macht den Ausrutscher locker wett.

Die Jungs aus Oregon lassen Dunkelheit, Zerstörung, Hass, Tod und Gewalt in einem okkulten Design erstrahlen und geben der ganzen Thematik eine schöne Schwere. Lehnt euch zurück und genießt es!