SILVER END - Spreading Fire
Silver End - Spreading FireGenre: Melodic Hard Rock
Label: Mighty Music
Veröffentlichung: 24.06.2016
Bewertung: Sehr Gut (7/10)

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Aus Norwegen ist man normalerweise härteres Zeug als Melodic Hard Rock gewöhnt, allerdings muss das ja nicht unbedingt heißen, dass die Skandinavier nichts anderes zu bieten haben. SILVER END ist eine Band die trotz allem einen kleinen nordischen Touch mitbringt, wiederum aber nicht so viel um für Außenstehende wie nationale Volkshymnen zu klingen. Wobei man hier schon verhältnismäßig viele Songs findet, die dezent an epische Hymnen erinnern.

Der Opener der Platte legt auch direkt ordentlich vor und der einer oder andere mag in den ersten paar Takten eine minimale Game Of Thrones-Atmosphäre wiedererkennen. Allerdings ist dies keineswegs nur so ein lustiges Intro-Ding, denn im weiteren Verlauf der Platte stolpert man des Öfteren mal über orchestrale, offene sowie reverb-lastige Parts.

Direkt danach geht es etwas gestolpert mit „Winning The Raffle“ weiter, bei dem der Titel schon verlauten lässt, dass im Chorus fast ein ganzer Chor an stolzen Stimmen zu hören ist. Nicht direkt beim ersten Hören findet die etwas ungewöhnliche Akkordfolge (zumindest für meine Ohren) Anklang, jedoch macht es mit immer mehr Gewohnheit die Band nur noch sympathischer. Der Verse ist schön melodisch gehalten, nach der Hälfte wird es dann ein Stückchen aggressiver, bis es dann geschmeidig in den Chorus geht. Die Gitarrenarbeit ist hier zwar relativ zurückgefahren, jedoch gewinnt diese Stelle durch die schnieken Akzentuierungen des Drummers an Charakter.

Als es dann zum Solo geht, fällt direkt auf, dass wir es hier keineswegs mit einem Rhythmusgitarristen zu tun haben, der so wenig Aufwand wie möglich an den Tag legt, sondern das Solo tatkräftig unterstützt und sogar eine dezente, nicht zu ausgefallene Melodie zum besten gibt.

Bei dem Track „Chills“ breitet sich vor einem zuerst eine ruhige aber dennoch aktive Gitarre mit sanften Synthesizern und einem wohltuenden Bass aus, bis dann Toms einsetzen und in den deutlich lauteren Verse treiben. Doch durch eines wird hier die Atmosphäre leider komplett zunichte gemacht: die Toms. Es macht im Prinzip keinen Unterschied ob man auf leeren Joghurtbechern rumtrommelt oder diese Toms verwendet, da beides gleichermaßen scheiße klingt. Es ist mir ein Rätsel wie das niemandem beim Abmischen aufgefallen ist. Der Rest der Drums klingt ja recht in Ordnung (von zu vielen Kompressoren mal abgesehen), aber die Toms sind echt eine Sünde.

Was die Lyrics angeht, ist dieser Song auch nicht wirklich anspruchsvoll, was der Power allerdings nicht zu Schaden kommt. Eine deutliche Steigerung vom ersten Verse zum Outro ist deutlich spürbar und macht Spaß beim hören. Wenn man grade in einer Kitsch-Phase ist, weil die eigene Katze einen mal wieder nach einer langen Kuscheleinheit wie aus dem Nichts ignoriert, findet man sicherlich ganz viel Trost in „Chills“. Zudem kann man hier die ersten Screams der Platte hören, falls man die Ohren auf macht und in Ruhe lauscht. Leider kann man diese Momente an einer Hand abzählen, denn jedes Mal sind sie richtig eingesetzt und stören nicht. Auch der Sound kann sich sehen bzw. hören lassen, deswegen hätte ich mich noch mehr darüber gefreut, ein paar Mal mehr in den Genuss zu kommen.

In „Paranoid Freak“ scheint dann auch der Bassist aufgewacht zu sein und löst sich gekonnt von den Grundtönen. Doch das ist nicht genug, denn es scheint, als würden hier alle mal musikalisch ausrasten und ihrer Kreativität freien Lauf lassen, denn obwohl der Aufbau der Songs bisher schon recht gut war, übertrifft dieser Track alles bis jetzt gehörten um Längen.

Ein Song, vor dem ich allein durch den Titel dezent Angst hatte, dass er nach hinten losgeht, ist „Pirates“. Da ich nämlich so gar nicht der Fan von allem bin, das auch nur ansatzweise in die Richtung Pirate Metal geht, weil es für mich immer ein Stückchen zu over the top ist, war ich kurz davor den Song einfach Song sein zu lassen, um die Platte nicht zu ruinieren. Allerdings habe ich mich dann doch dazu gedrängt und wurde positiv überrascht. Es gibt zwar schon ein gegröltes Intro mit dem Geschrei von Möwen und dem Sound von Flaschen, die grade zerschlagen werden, jedoch ist es nur halb so schlimm wie meine Befürchtungen. Denn SILVER END spielen hier mit dem Kontrast ihres eigenen Genres und ein paar Piraten Attitüden, die mal mehr und mal weniger voneinander getrennt sind. Als letzter Song eine gute Wahl, da er ein Gegengewicht zu den Vorgänger ist (als zum Beispiel fünfter Track hätte „Pirates“ den Flow wohl vollkommen unterbrochen) und das Album aber dennoch gut abrundet.

Insgesamt ähneln sich die Tracks auf „Spreading Fire“ deutlich, wobei man das Gefühl hat, als würden sie jeweils unter einem anderen Thema stehen, allerdings gibt es keine Ausreißer, wie eine komplett genrefremde Ballade oder einen dahingerotzten Schredder-Song. Es ist primär ein Album zum genießen, wenn man gute Laune hat und diese auch behalten will oder zum gemeinsamen Hören mit FreundInnen.

Die Norweger scheinen sich in ihrer Sache sicher und dabei alles andere als auf den Kopf gefallen zu sein, denn ihre musikalische Finesse sticht allein schon durch den Einbau von gut platzierten als auch ausgearbeiteten Bridges heraus, die sie zu lieben scheinen, weil man beinahe überall welche findet. Ein kleines Manko ist hier auf jeden Fall das Lautstärkeverhältnis, da es teilweise schon recht willkürlich zu sein scheint und beispielsweise die Lead-Gitarre des Öfteren in den Hintergrund rückt, wo sie keineswegs was zu suchen hat.

Ansonsten kann ich dieses Album für alle nur wärmstens empfehlen. Es wurden zwar keine neuen Innovationen erschaffen, dafür aber ein Werk voller Liebe und Hingabe zur Musik.