OCEANS ATE ALASKA – Hikari
f418dc26ad46194a3f0de06b3395a861.1000x1000x1Genre: Metalcore / Technical Core
Label: Spinefarm Records
Veröffentlichung: 28.7.2017
Bewertung: Durchschnitt (5/10)

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Mittlerweile ist es ja nicht mehr unbedingt allzu leicht, sich von all den anderen Veröffentlichungen (ihr habt keine Vorstellung, was jeden Tag so alles herauskommt!) abzuheben und etwas Neues zu kreieren. Ein bisschen verrückt, aber auch spannend ist die Idee von OCEANS ATE ALASKA, ihre Texte den japanischen Samurai zu widmen und traditionelle asiatische Instrumente einzusetzen – und das in Kombination mit Metalcore – höchst speziell. Der Titel „Hikari“ bedeutet im Übrigen „Licht“, was auch die Marschrichtung des Albums vorgeben soll. In Großbritannien wohl schon recht erfolgreich mit ihrem ersten Album (in die Liste der 100 Bands, die man kennen muss, gewählt), müssen sich die Engländer hier noch eine Fanbase erarbeiten.

„Benzaiten“ (feat. Alex Teyen, Sänger von BLACK TONGUE, bekannt dafür, dass er aus einem fahrenden Bus steigen wollte) beginnt nach leichtem Meeresrauschen und japanischem Klong-Klong und Saiteninstrumenten direkt mit dissonanten tiefen Gitarren in Breakdown-Manier und sowohl tiefen Growls als auch aggressiven Sreams. Danach steigt überraschenderweise ein klassischer Metalcore Clean-Gesang mit ein, sowie hohe Frickelgitarren, ein bisschen Blastbeat ist auch mit drin. Eine echte Songstruktur gibt es nicht, der Song wird unterbrochen von Elektronik-Beats, eine Melodie hält nur der cleane Gesang parat.

„Sarin“ schlägt in die gleiche Kerbe: aggressive Growls, tiefe, dissonante Gitarren mit Breakdowns, unterbrochen von atmospärischen Asia-Klängen. Der Gesang zeigt sich variabel und changiert zwischen Screams und Growls, sowie cleanen Passagen, die nicht recht zu den schwer verdaulichen Breakdown-Passagen passen. Die tiefen Gitarren mit ihren einzelnen Einsätzen wirken recht willkürlich und rücken den Gesang in den Vordergrund. „Covert“ ist etwas verdaulicher, da es zunächst klarere Strukturen aufweist, die nicht nur einzelne Akkorde aneinanderreihen. Der Track klingt mit einem schönen Akustik-Part aus, der allerdings wenig japanisch gestaltet ist.

„Hansha“ ist zunächst etwas verhaltener und dominiert vom cleanen Gesang. Nach etwas ruhigeren Parts geht es wieder in den unrhythmischen Breakdown-Teil über. Gelungen sind hier die akustischen Einsprengsel. „Deadweight“ ist dominiert von dissonanten Quietschegitarren und dem Gesang, im Hintergrund gibt es noch akustische Töne, die das Ganze etwas aufpeppen. „Veridical“ fungiert als instrumentales Interludium, „Entrapment“ zeigt zunächst eine rhythmische wie auch musikalische Einheit zwischen Instrumenten und Gesang, bevor es nach einem kurzen Rap-Part zu den japanischen Klängen wechselt, die später von Breakdowns überlagert werden. Der Titelsong „Hikari“ startet zart und fahrstuhlmusikartig mit sanften Akustik-Klängen und einem jazzigen Schlagzeug, bevor der cleane Gesang und die verzerrten Gitarren und die Screams einsetzen. Sicherlich der stärkste Song auf dem Album. Am Ende gibt’s noch ein Bass-Slapping-Solo. „Birth-Marked“ klingt nach einem klassischen Metalcore-Song, bis es in den Breakdown-Teil geht – ohne diesen ein gelungener Song. Auf „Ukiyo“ gibt es noch Josh Manuel zu hören, der die Trommeln auf diesem Akustiksong rührt, der aber nur gut eine Minute dauert.

Insgesamt widerspricht das Album meiner persönlichen Vorstellung, wie gute Songs funktionieren. Es gibt keine straighten Riffs, die sich über den Track hin entwickeln, da einzelne Akkorde der Breakdowns dominieren. Die Dissonanzen erzeugen eine gewisse Härte, die dem fast schnulzigen Clean-Gesang und dem klinisch-klaren Sound gegenüberstehen. Die versprochenen japanischen Anklänge kommen insgesamt zu kurz und wollen sich nicht so recht einfügen in das kühle England. Ich bin mir trotzdem ziemlich sicher, dass Liebhaber des Genres hier bedenkenlos zugreifen können.