Reload Festival 2017 – Der Festivalbericht

DONNERSTAG

Von nah und fern, per Auto Bus und Bahn sammeln sich die Fans im niedersächsischen Niemandsland südlich von Bremen in der beschaulichen Kleinstadt Sulingen im Landkreis Diepholz.

Dieses Jahr hatten die Stadthagener Jungs von AS WE ARISE die Ehre, das Festival zu eröffnen. Die T-Stage, das Zelt, war zwar nur halb gefüllt, aber diese Hälfte stand vorne und wollte Party machen! Es gab alles, was das Konzertgänger Herz begehrt – Circle Pit, Mosh Pits, Crowdsurfer und eine Wall of Death. Natürlich präsentierten AS WE ARISE neben bekannten Songs wie „I Shut You Down“ auch ihre brandneue Single „You Are The Light“. Ein wirklich grandioser Auftakt für das Festival! Nach dem Auftritt leerte sich allerdings das Zelt, denn an ANTILLECTUAL bestand seitens der Fans leider kein großes Interesse.

Dafür wurde das Zelt bei FIRST BLOOD wieder voller. Ob das an der Popularität liegt, oder an der einfachen Tatsache, dass mehr und mehr Besucher auf dem Festival ankamen, sei mal dahingestellt. Aber diejenigen, die den Weg ins Zelt gefunden hatten, bekamen von der amerikanischen Hardcore-Band bestes Material für einen ordentlichen Pit! Völlig verausgaben sollen hätte man sich dabei aber nicht, denn die Warm-Up Party hatte mit ROGERS und WHILE SHE SLEEPS noch ein paar echte Publikumslieblinge auf der Bühne. Ein grandioser Start in das Festivalwochenende!

FREITAG

THE NEW ROSES starteten ihren Auftritt direkt mit der Hit-Single „Thirsty“, um das Publikum am frühen Morgen wach zu kriegen. Neben sachtem Kopfnicken passierte allerdings vorerst nicht viel. Auch schienen viele „Der erste Wellenbrecher ist Lava“ zu spielen, denn kaum jemand der weiter entfernten Zuschauer schien direkt vor die Bühne zu wollen. Bei „It’s A Long Way“ kam so langsam Leben ins Publikum. Es wurde mitgesungen und ein paar vereinzelte Partymenschen schwangen die Hüfte und hatten Spaß.

Ich weiß, ich wiederhole mich, wenn ich das sage, aber der Irish Folk einfach für die Bühne gemacht ist. Und wenn eine Band wie MR. IRISH BASTARD auf der Bühne steht, und diese Musik auch noch sehr gut beherrscht, dann kann das nur gut werden. Zu Songs wie „I Smell Blood“, „Monsters In The Light“ und „Kingdom Of The Sun“ konnte man wunderbar feiern, und mit “The Ballad Of A Workshy Man” konnten sich bestimmt reichlich Leute identifizieren. Richtig gefeiert wurde natürlich auch die Ansage vom Irish Bastard, das dieser Tag mit „nicht gefrühstückt und viel getrunken“ ein typischer Festivaltag sei. Dem ist nicht viel hinzuzufügen.

Dann kam ein komplett anderes Publikum vor die Bühne, denn im Anschluss gab es ANY GIVEN DAY. Bereits gegen Ende der Show von MR. IRISH BASTARD stauten sich die Menschen an den Einlasskontrollen. Das Interesse an der Band ist groß, und das zurecht. Nach dem Intro von Thin Lizzy’s „The Boys Are Back In Town“ kamen die Gelsenkirchener mit erhobenen Bieren auf die Bühne. Bei „Never Say Die“, „Home Is Where The Heart Is“ und „Ignite the Light“ ging es hart her vor der Bühne. Was dieses Mal fehlte ist das im Internet gehypte „Diamonds“ Cover. Das vermissten aber auch nur wenige an der Show. Nach dem Finisher „Endurance“ mit ordentlicher Wall Of Death kündigten die Jungs noch eine spontane Autogrammstunde am Merchandise Stand an.

Im Interview hatte Sänger Jake von AUGUST BURNS RED sich noch ganz normal mit mir unterhalten, nun macht es ihm wieder sichtlich Spaß, andere Leute „anzuschreien“. Die Bandkonstellation passte hier sehr gut, da ANY GIVEN DAY quasi als Warm-Up Band fungierten, und das gleiche Publikum nun energiegeladen vor der Bühne auf die Amerikaner wartete. Ein paar Violent Dancer liefen armeschwingend durch den Pit, ein paar Andere bevorzugten das ganze Salti-schlagend. Natürlich gab es auch eine Kostprobe vom kommenden Album „Phantom Anthem“, und wie erwartet kam „Invisible Enemy“ außerordentlich gut an.

Gruppenzwang auszuüben ist eigentlich immer doof. Es sei denn, man steht bei SKINDRED im Publikum, und will nicht mitfeiern. Wer hier allerdings noch eine Extraeinladung braucht, oder sich nicht bewegen will, ist sowieso falsch vor der Bühne. In der Dauerparty einzelne Highlights zu finden ist schwierig, aber besonders bei „Nobody“ konnte das Publikum auf 110% hocheskalieren. Und wer denkt, er hätte schon alle Arten der Publikumsbeteiligung gesehen, der kennt wohl noch nicht den „Newport Helicopter“ mit SKINDRED. Stellt euch einfach ein paar hundert halbnackte Menschen vor, die ihre ausgezogenen Shirts durch die Luft schleudern. Klingt lustig, ist lustig.

Leider scheinen LIFE OF AGONY etwas in Vergessenheit geraten zu sein, den Kultbonus alleine zieht nicht allzu viele Leute vor die Bühne. Natürlich war das Gelände gut gefüllt, aber im Vergleich zu Vor- und Nachgänger waren hier doch eher weniger Leute vor der Bühne. Dafür gab es aber noch eine extra Ansage vom Veranstalter zur Würdigung der Band und deren Errungenschaften und Einflüsse auf den Rest der Rock und Metal Welt. Ein guter Schwung treuer Fans hatte sich vor der Bühne angesammelt und ihre alten Helden abgefeiert. Und LIFE OF AGONY können auch anders als melodisch und liefern hier und da auch noch Musik ab, die Circle-Pit-tauglich ist. Sängerin Mina Caputo (ehemals Keith Caputo) sorgt natürlich mit Ihrem Unterschied zwischen Erscheinungsbild und Stimme für ein wenig Verwirrung, aber stören tut es niemanden.

HEAVEN SHALL BURN starten, wie zu erwarten war, wieder mit dem neuen Material des “Wanderer” Albums, aber auch hier scheint das Publikum (genau wie beim SUMMER BREEZE letzte Woche) noch nicht so ganz warm geworden zu sein mit den Songs. Vielleicht sind diese Songs auch einfach nicht für die Bühne gemacht. Was allerdings das Publikum ordentlich in Schwung bringt, sind Songs wie „Land Of The Upright Ones“, und „Combat“, die in gewohnter HSB Manier ordentliche Ausnahmezustände im Publikum zur Folge haben. Die Feuershow auf der Bühne heizt den Fans ordentlich ein, allerdings sollte man für den nächsten Auftritt doch ein wenig vorsichtiger damit sein. Konfetti + Feuer ist manchmal keine besonders gute Kombination (auch wenn es sehr schön ausgesehen hat).

SAMSTAG

Ihr aktuelles Album „The Sick, Dumb and Happy“ wurde auf allen Kanälen stark beworben. Da wundert es nicht, dass zu früher Stunde schon relativ viel vor der Bühne los war. Nun müssen THE CHARM THE FURY aber ihre Live-Fähigkeiten unter Beweis stellen. Und was soll man sagen? Sie können es! Die recht große Menschentraube direkt vor der Bühne war hart am feiern und headbangen. Weiter hinten standen nur wenige. Wer dort war, ist auch Fan der holländischen Newcomer. Vor allem Sängerin Caroline überzeugte und machte klar, dass sie mehr kann als nur gut auszusehen.

In gewisser Weise immer ein kleines Highlight: KNORKATOR. Die Chaoten um Frontmann Stumpen waren dieses mal ganz in weiß gekleidet, während der Sänger selbst sich nach und nach aus einem Ghillie-Anzug (Tarnanzug) herausschälte, bis nicht einmal mehr die gewohnt neonfarbene Boxershorts übrigblieb. Mit „Alter Mann“ und „Klonen“ kamen zwei echte Kracher gleich zu Anfang. Und was kann man machen, wenn man schon ein paar Frauen auf den Schultern Ihrer Freunde im Publikum sieht? Eine Runde Huckepack-Pogo machen! Außerdem erwähnenswert: Nachwuchstalent TimTom singt mittlerweile nicht mehr „Kinderlied“ oder „Arschgesicht“ (beide auf dem Album mit seiner Kinderstimme), sondern „Böse“. Zum Abschluss gab es dann noch ein paar Worte, die in seiner Kindheit wohl jeder gehasst, aber an diesem Wochenende alle geliebt haben: „Zähneputzen, Pullern und ab ins Bett“!

Für viele sind TRIVIUM würdige Nachfolger für die mittlerweile alternden Urgesteine der Metal Szene. Eine Band, die heute schon berühmt ist, aber von der wir unseren Kindern erzählen können, dass wir sie noch gesehen haben, als sie „klein“ waren. Das Interesse an der Band ist riesig, der Platz komplett gefüllt, die Stimmung könnte besser nicht sein. Eine Animation zum Pogen / Springen / Klatschen war bei Songs wie „Down From The Sky“ und „Until The World Goes Cold“ beinahe nicht nötig, denn die Menge feierte ihre Helden von der ersten bis zur letzten Minute ab!

Zum Abschluss dieses wunderbaren Festivals gab es dann noch eine Band, die im Punk- und Corelastigen LineUp des Festivals schon ein wenig aus der Reihe fällt, aber bei der sich alle einig sind, dass sie großartig ist. Die Rede ist natürlich von AMON AMARTH! Den Schweden ist es auch zu verdanken, dass die Security von ihrer eigentlichen Richtlinie abgewichen ist, und Trinkhörner doch erlaubt hat. Schließlich kann der Ruf „Raise Your Horns“ ja nicht unbeantwortet bleiben. Vor dem Hintergrund der aufwendigen Bühnendeko gab es den harten Wikinger-Death-Metal den jeder kennt und liebt. Es flogen die Haare, an den Ständen floss das Bier in Ströhmen und immer wieder gingen natürlich die unglaubliche Zahl an Pommesgabeln in die Höhe. Damit war das RELOAD Festival leider schon wieder zu Ende. Wehmütig gehen die meisten zurück zu ihren Camps, viele zu bereits gepackten Sachen und die Abreise begann.

Zum Schluss noch ein paar ehrenhafte Nennungen, für Leute, die nicht auf der Bühne standen:

Die Securities haben so wie jedes Jahr einen großartigen Job gemacht! Ich habe niemanden auf dem ganzen Festival getroffen, der auch nur ein einziges negatives Wort über die Securities verloren hat.

Der DJ auf der Becks Stage neben den Bühnen, der in den Umbaupausen für Unterhaltung gesorgt hat, hat für eine fantastische Stimmung gesorgt! Da war sich so ziemlich jeder in Hörweite der Bühne einig.

Und natürlich ein großes DANKE an alle Helfer, Mitarbeiter und Organisatoren, die dieses großartige Festival auf die Beine stellen, und die Bewohner der Stadt Sulingen, die ihre Gäste wirklich freundlich willkommen heißen. Bis zum nächsten Jahr!