AUGUST BURNS RED – Das Interview mit Sänger Jake Luhrs auf dem Reload Festival

Hi Jake!

Hi!

Am 6. Oktober erscheint euer neues Album „Phantom Anthem“. Was können die Fans erwarten, und wie unterscheidet es sich vom Vorgänger „Found In Far Away Places“?

Ich würde sagen, es ist ein sehr dichtes, erwachsenes Album, sehr aggressiv und nicht so spontan wie der Vorgänger mit seinen Klängen außerhalb des Gewöhnlichen. Es gab einige Dinge in „Found In Far Away Places“ wo wir sehr von Einflüssen außerhalb des Genres beeinflusst wurden. „Phantom Anthem“ ist mehr AUGUST BURNS RED, das Wesen von uns und wer wir sind und das in bester Form.Also ist der Unterschied, dass es eher gradlinig ist bzw. mehr fokussiert?

Das heißt es ist ein wenig reifer und erwachsener?

Wie schon gesagt, wir haben die musikalischen Ideen aus „Found In Far Away Places“ nicht weiter verfolgt auf diesem Album und sind in eine sehr harte, sehr aggressive Richtung gegangen, was eine gute Fortsetzung ist.

Was ist die Geschichte hinter dem Titel? Und ist es Absicht, dass es sich reimt?

Nein, Matthew und Matt hatten die Idee zum Titel. „Phantom Anthem“ ist im Wesentlichen über die Leute, die nicht gesehen und gehört werden in unserer Gesellschaft. Oder die, die in der Gesellschaft unterdrückt werden und um die sich niemand kümmert. Das sind die Phantome. „Anthem“ ist die Idee, dass es nicht wirklich das Äußere einer Person ist oder die gesellschaftliche Gruppe, in der sie sind, sondern es darum geht, wer sie sind. Dass man ein Buch nicht nach seinem Einband beurteilt und viele Menschen sind einfach wunderschön und fantastisch, haben Träume und könnten großartige Dinge vollbringen, wenn man sie hören würde und ihnen Beachtung schenkt. Die Metal Szene ist ein Genre, das nicht wirklich respektiert und anerkannt wird, jedenfalls nicht in dem Ausmaß, wie es sein sollte. Wir sehen das gemeinsam mit unseren Fans. Einige unserer Fans werden nicht gehört, sie haben keine Stimme. Das ist im Wesentlichen die Idee hinter dem Titel „Phantom Anthem“.

Wo wir grade beim Metal Genre sind: Was würdest du zu jemanden sagen, der sagt: „Metalcore ist kein Metal!“?

Das ist eine Meinung. Jeder darf eine Meinung haben. Ich stimme nicht zu, aber es ist ok, wenn du Metalcore nicht als Metal akzeptieren willst. Obwohl das Wort „Metal“ ja schon im Namen des Genres ist. Aber das ist nicht mein Problem.

Bevorzugst du es, auf Festivals mit einer großen Vielfalt an Genres zu spielen, so wie dem Reload, oder bevorzugst du reine Core Festivals, wie beispielsweise das Impericon Festival.

Ich persönlich höre gar nicht so viel Metal, ich mag alle Genres. Es ist cool , wenn man auf Festivals mit einer größeren Auswahl an Musik geht und von allem etwas hört. Es hängt von deiner Stimmung ab. Ich spiele jeden Tag Metal, seit 12 Jahren. Glaubst du, ich möchte jeden Tag von morgens bis abends nur Metal hören?

*Lachend* Ja, jeder braucht mal eine Auszeit von der Arbeit.

Manchmal ist es ermüdend, Metal Bands zu hören. Manchmal klingt alles gleich. Oder ich wache auf und möchte einfach mal jemanden hören der singt, und nicht Satan huldigt.

Ich kenne viele Freunde, die neben dem Metal noch ein zweites Lieblings-Genre haben. Was ist deins?

Gute Frage, ich denke mal Indie Rock oder wie man es nennen soll. Leichte Rock Musik mit Gesang oder intrumentale Sachen. Etwas Ambiente Musik. Ich bin ein großer Fan von Songs mit großen Orchesterparts. Cello, Violine, Piano, solche Sachen.

Also Rock Musik mit außergewöhnlichen Instrumenten?

Ja genau

Ok, nun zu etwas Anderem. In den Medien wurde vor einiger Zeit berichtet, dass ein Konzertveranstalter Metalcore Bands in seiner Location verbietet, da die Fans wiederholt randaliert und die Örtlichkeit verwüstet haben. Was ist deine Meinung dazu?

Jake: Ich finde es OK, es ist sein Geschäft und wenn die Leute, die dorthin kommen, dass nicht respektieren, warum sollten sie dann die Musik bekommen, die sie wollen? Es ist etwa so, als würde ich die Leute zu mir nach Hause einladen und sagen „Hey, ich habe hausgemachtes Essen für dich.“ Und dann kommen die Leute zu mir, zerstören mein Haus und ich soll dann noch sagen „Kommt bitte wieder.“?! Ich denke nicht. Er macht ein Statement und zwar nicht gegen die Bands, sondern zeigt eher den Fans aus der Gemeinde: „Wenn ihr keinen Respekt vor meinem Unternehmen habt, dann werde ich auch nichts in diese Gegend bringen, was ihr sehen wollt.“ So sehe ich das Ganze.

Fühlst du dich für die Handlungen eurer Fans verantwortlich? Wenn zum Beispiel jemand in der Pit verletzt wird?

Ich fühle mich schlecht dabei, aber nicht verantwortlich. Es liegt nicht in meiner Hand. Es ist wie mit den Waffen. Waffen töten keine Menschen, Menschen töten Menschen. Ich kann nicht kontrollieren, was jemand tut, wenn er meine Musik hört. Es ist wie bei EMINEM. Er hatte einen Fan, der Selbstmord beging wegen seiner Musik. Ich denke nicht, dass er sich denkt: „Ich habe diesen Menschen umgebracht.“  Diese Person entschied sich, seine Musik anzuhören, und traf seine eigene Entscheidung. Das ist natürlich ein grausames Beispiel, aber ich fühle mich nicht so, als hätte ich irgendeine Kontrolle darüber.

Eine Sache muss ich nun noch ansprechen: Die Grammynominierung. GHOST haben ja in eurer Kategorie gewonnen. Glaubst du, ihr währt berühmter, wenn ihr den Grammy gewonnen hättet?

Nein, ich glaube nicht. Ich denke, dass hätte in Sachen Berühmtheit nicht viel ausgemacht. Wir haben für die Nominierung viel Publicity bekommen, und es wäre auch nicht mehr, wenn wir gewonnen hätten. Ich denke, das hätte nichts geändert. Wir mussten nicht gewinnen. Wir waren nominiert und wurden beachtet und geehrt. Das allein war wirklich ein großer Moralschub für die Band und hat uns bewiesen, dass wir gut sind, in dem was wir tun. Wir werden respektiert und anerkannt. Das ist genug. Du brauchst keinen Preis dafür.

Ihr habt also auch ohne Preis die entsprechende Anerkennung bekommen.

Ich denke, für uns war es eine schöne Sache, die wir nun auf unserer „Bucket-List“ (Dinge, die man mal gemacht haben muss) abhaken können. Als ich diese Band gestartet habe, dachte ich mir bestimmt nicht „Hey, wir werden mal für einen Grammy nominiert!“. Wir sind eine Metal Band. Ich schreie Leute an. Aber als wir nominiert wurden war das wirklich schön. Und Glückwunsch an GHOST! Es ist cool, dass sie gewonnen haben und auch diese Anerkennung bekommen haben. Wir sind eine Gemeinschaft. Insbesondere als Metal Bands wollen wir vereint sein, zusammenarbeiten und uns gegenseitig anfeuern. Es ist cool zu sehen, dass sie gewonnen haben.

Das war dann meine letzte Frage. Vielen Dank für das Interview. Ich freue mich schon, euch auf der Bühne zu sehen!

Kein Problem, viel Spaß heute!